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Christina Stürmer im Interview

Teil II: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht!

Christina Stürmer
Foto: Ben Wolf
In der Musikbranche ist auch bei deutschen Stars eher Englisch verbreitet. Warum singen Sie auf Deutsch? Haben Sie schon mit dem Gedanken gespielt, vielleicht im österreichischen Dialekt zu singen?
Deutsch ist ja meine Muttersprache. Wenn ich auf Deutsch singe, weiß ich, wovon ich singe und jeder versteht mich. Das ist einfach die Hauptsache. Ich finde es immer peinlich, wenn ein Österreicher Englisch spricht und dann keine englische, sondern eine österreichisch-englische Aussprache hat. Während der Castingshow „Starmania“ habe ich einmal im Dialekt gesungen. Aber das gefällt mir persönlich nicht so gut. Ich höre mir aber gerne österreichische Lieder von Wolfgang Ambros an. Damit bin ich aufgewachsen. Privat höre ich irrsinnig viel deutschsprachige Musik, z.B. „Wir sind Helden“, „Juli“ oder „Herbert Grönemeyer“. Wenn mir deutschsprachige Musik so zusagt, warum sollte ich dann nicht auch selber auf Deutsch singen?

Könnten Sie sich vorstellen, härtere Musik in Richtung Metal zu machen?
Richtigen Metal auf keinen Fall. Hör ich mir zwar gerne an, aber das sollen die machen, die es wirklich gut können. Ich glaube, das ist ein Bereich, wo ich und die Band nicht zu Hause sind. Hartmut, unser Gitarrist, kommt aus dem Jazzbereich und das würde glaube ich nicht passen, wenn wir Metal spielen würden.

Sie sind sehr erfolgreich, haben in kurzer Zeit viele Auszeichnungen erhalten und spielen mit den großen internationalen Stars auf Festivals. Wer holt Sie bei all dem Ruhm wieder auf den Teppich zurück?

Die Familie natürlich. Aber gerade wenn ich auf Tour bin, dann sehe ich meine Crew sehr viel häufiger als meine Familie. Wir sind zu zwölft unterwegs, die gesamte Crew fährt in einem Bus. Wenn ich mich mit den anderen unterhalte, die nicht im Rampenlicht, sondern zum Beispiel am Mischpult stehen, dann hält mich das auf dem Boden. Auf Tour zu sein bedeutet nicht immer „Hype“, sondern es geht ja um Arbeit. Ich habe quasi mein Hobby zum Beruf gemacht – für mich kein Grund, um abzuheben. Man macht trotzdem nur seinen Job, das ist auch Alltag, so blöd es jetzt klingen mag. Als ich vor zwei Jahren den Echo bekommen habe - das war ein super Gefühl! So richtig genießen konnte ich es aber nur für kurze Zeit, denn dann stehen wieder tausend Interviewtermine an und zwei Tage später stehe ich wieder auf der Bühne. Die Auszeichnungen zählen schon. Ich komme aber immer erst im Urlaub dazu, darüber nachzudenken. Dann überlege ich mir, wer ich eigentlich bin und denke poah – die Zeitungen schreiben über mich!


Frau Stürmer, Sie gehören zu den Superstars der deutschen Musikszene. Geschieht es Ihnen häufig in Österreich, dass Sie auf der Straße erkannt werden? Wie reagieren die Passanten?
In Österreich werde ich auf alle Fälle erkannt. Das liegt daran, dass ich vor fünf Jahren an der Castingshow „Starmania“ teilgenommen habe. Ich lebe auf dem Land in der Nähe von Wien. Wenn ich in Wien unterwegs bin, ist es immer sehr lustig. Hinter meinem Rücken höre ich dann: „Ohhh - Christina Stürmer?“. Manche trauen sich auch herzukommen und fragen nach einem Autogramm und wollen ein bisschen quatschen. Das kann total nett sein, aber auch total nerven, wenn man gerade mit einem alten Freund, den man ewig nicht mehr gesehen hat, in einem Café sitzt. Auf einmal will irgendwer oder eine gesamte Schulklasse Autogrammkarten haben. Man möchte ja nicht unhöflich sein, denkt aber: „puh", ich habe doch nur kurz Zeit für meinen alten Freund. Hierzulande habe ich es manchmal schwer, alles unter einen Hut zu bringen. Aber es funktioniert irgendwie. In Deutschland geht es wesentlich leichter.

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