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Max Giesinger Interview

Der Junge, der rennt

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Wenn er nicht kürzlich nach Hamburg gezogen wäre, dann wäre München seine Stadt geworden, erzählt mir Max Giesinger in unserem Interview. Der Junge, der rennt, ist offenbar überall zu Hause. Überall und nirgendwo. Denn seit seinem Erfolg mit dem EM-Song "80 Millionen" ist er nonstop on Tour und spielt in ausverkauften Clubs. Ich traf ihn auf einer seiner Konzert-Stationen in München. Kurz vor dem Konzert plauderte er mit mir über das Rennen und das Ankommen.

Max Giesinger im Interview: Der junge, der rennt
Als ich Max Giesinger Backstage treffe, leuchten mir zwei freundliche Augen entgegen. Er steht gerade am Buffet und schiebt sich ein Brötchen in den Mund. „Hi“, sagt er und lächelt mich mit vollem Mund an. Sympathisch ist er jedenfalls. Man fühlt sich gleich wie zu Hause, bei einem guten Kumpel. Er bietet mir einen Tee an und macht sich selbst auch einen. Er kämpft nämlich gerade mit einer Erkältung und Tee mit Honig gehört im Moment zu seinem Patent-Rezept dagegen. „Ich kann nicht riskieren, jetzt krank zu werden. Schließlich will ich meinem Publikum auf der Bühne etwas bieten. Die sollen da keinen schlappen Typen sehen müssen, der sich kaum auf den Beinen halten kann.“ Dafür versucht er auch viel zu schlafen und sich mit Sport fit zu halten. „Allerdings bin ich kein Schlecht-Wetter-Jogger“, gibt er zu. „Das mochte ich schon als Kind nicht. Wenn es geregnet hat, dann bin ich nicht mal zum Fußballspielen gegangen. Da mache ich dann lieber ein kleines Workout zu Hause.“

Vom Rennen und Ankommen

Sieht so aus, als gebe Max Giesinger nicht nur auf der Bühne immer Vollgas. „Hat denn der Junge, der rennt, keine Sehnsucht nach Ankommen?“, will ich von ihm wissen.

„Beides ist richtig. Im Moment genieße ich diese ganzen Erfahrungen und das viele Unterwegssein. Das ist gerade eine wichtige Lebensphase für mich. Im Musikerleben habe ich auf jeden Fall das Gefühl ein Stück weit angekommen zu sein. Allerdings fragt man sich schon in ruhigen Momenten, wie lange das so weiter gehen kann. Man muss ja auch irgendwann einmal wieder zur Ruhe kommen und so etwas wie ein Privatleben führen. Aber da es eben mein Traum ist, Musik zu machen, habe ich im Moment einfach richtig Bock auf das alles hier und darum auch eine Menge Energie dafür.

Eigentlich wusste ich ja schon immer, dass ich Musik machen will.

Von dem her bin ich da schon früh angekommen. Nur wusste ich eben lange nicht, ob ich auf Englisch oder auf Deutsch singen will. Ich hatte auch Auftritte auf Englisch, aber ich habe eben gemerkt, das bin nicht so ganz ich. Das fühlte sich irgendwie komisch an. Ich werde nie einen Text auf Englisch so schreiben können, wie jemand, der schon sein ganzes Leben lang diese Sprache spricht. Die deutsche Sprache bietet einem sehr viele Möglichkeiten. Und wenn der Text geil ist, dann holt mich so ‘ne Nummer fünf Mal so krass ab, wie ein englischer Song, bei dem ich tatsächlich nicht so auf den Text höre.“

Authentizität als Voraussetzung für Nähe

Max Giesinger im Interview: Der junge, der rennt
©Kai-Marks
Max Giesinger singt vor allem deswegen auf Deutsch, um authentisch zu sein. Diese Authentizität ist ihm auch auf der Bühne wichtig. Genauso locker wie im Interview spricht er später auch auf der Bühne zu seinen Fans. Und wieder hat man das Gefühl, man würde einem guten Kumpel zuhören. So erzählt er von seinem gescheiterten Versuch, bei einer Bank zu arbeiten. Eine Karriere, die gerade einmal zwei Wochen lang anhielt und mit der Aussage einer Mitarbeiterin endete: "Niemals habe ich jemanden erlebt, der hinter dem Bankschalter so stark vor sich hin vegetiert wie du." Damit war dann schnell klar, dass er bei der Musik bleiben sollte.

Es folgen Berichte von seinen Anfängen als Straßenmusiker, wie er zum Beispiel spontan einen Radiosender stürmte und dort unplugged Versionen von Lady Gaga zum Besten gab. All diese Erlebnisse spiegeln sich dann in seinen Songs wieder. Die Inspiration dafür holt er sich immer aus dem eigenen Leben. Das ist vor allem seit seinem Erfolg sehr turbulent geworden. „In so einem  Musikerleben passiert sehr viel. Unter anderem auch Dinge, die einen fertig machen oder stressen und das gibt dann wieder Potential für neue Texte.“

So kramt er in seinem Innenleben und schreibt über die Dinge, die ihn berühren. „Das Gefühl, das dann auf der Bühne zu präsentieren und zu wissen, das sind einfach deine Geschichten, ist unbeschreiblich!“ Wie zum Beispiel bei dem Song Wenn sie tanzt. Darin geht es um alleinerziehende Mütter und ihre heimlichen Träume, die sie nicht ausleben können, da ein stressiger Alltag zwischen Kindererziehung und Arbeit oft im Weg steht. Wie kommt er als Mann gerade auf so ein Thema, das eigentlich auf den ersten Blick ein typisches Frauenthema zu sein scheint?

„Ich habe höchsten Respekt vor meiner Mutter“

„In der Tat habe ich das selbst hautnah miterlebt“, sagt er dazu. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich drei Jahre alt war. Und da bin ich eben mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Sie hat immer viel gearbeitet“, erinnert er sich. „Sie ist spätabends nach Hause gekommen und musste dann auch noch den Haushalt und meine Erziehung in den Griff kriegen. Als Teenie wusste ich das natürlich nicht so zu schätzen. Aber Jahre später ist mir dann bewusst geworden, was diese Frau alles geleistet hat. Heute habe ich wirklich den höchsten Respekt davor.“ Mit seinen Songs konnte er seine Mutter jedenfalls schon früh begeistern. „Es war oft so, dass sie abends zu mir ins Zimmer kam und mich gefragt hat, ob ich ein paar neue Lieder hätte. Ich habe gemerkt, wie gut es ihr tat die Songs zu hören. Es hat mich gefreut, wenn ich ihr damit helfen konnte, mal abzuschalten und den ganzen Alltagsstress zu vergessen.“ Im Song verkörpert dieser Moment das Tanzen. Das steht metaphorisch für eine Leidenschaft, die jeder Mensch hat, sei es Sport, Malen, Reisen oder eben wirklich Tanzen. Einfach die ganz persönliche Oase, die man im Kopf hat.

„Was ist denn deine Oase?“, will ich wissen. „Aktuell Sport tatsächlich. Mir ist vor ein paar Jahren aufgefallen, dass ich ja mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Dementsprechend muss man sich wieder neue Hobbies suchen. Ich lese auch ganz gerne und habe immer ein Buch am Start. Krimis zum Beispiel. Und vor Kurzem habe ich auch mit Philosophie angefangen. Ein Buch von Mahatma Gandhi. Bei dem bin ich aber erst auf Seite 8. Ich tue mich noch ein bisschen schwer damit.“

Um auf dem Boden zu bleiben und sich in dieser turbulenten Zeit wieder zu erden, helfen ihm auch seine Freunde. Obwohl er immer ein ehrgeiziger Typ bleiben wird, der mit seiner Musik noch hoch hinaus will, um am Ende vielleicht sogar die ganz großen Hallen zu füllen. „Man hat einfach Bock, dass noch mehr Leute die Lieder kennen, weil es einfach riesigen Spaß macht, vor einem großen Publikum zu spielen. Auch wenn kleine Konzerte von 70 Personen auch schon richtig gefetzt haben.“ Besonders schätzt er da die intime Atmosphäre und den Kontakt zu den Leuten. „Ich habe dabei fast das Gefühl, jeden einzelnen kennenlernen zu können.“ Da ist er dann auch noch mehr der Storyteller und holt schon mal aus, um etwas von sich zu erzählen. „Schwer zu sagen, was besser ist. Beides hat seinen Reiz …“

Einer von 80 Millionen

Max Giesinger im Interview: Der junge, der rennt
Max Giesinger und Lydia Wünsch beim Inteview
in München
Den Kontakt zu seinem Publikum hat Max auf jeden Fall auch bei seinem Konzert in München. Man merkt wie sehr er es genießt, mit seinem Publikum zu verschmelzen. So ist er bei den ersten Takten von Der Junge, der rennt nicht auf der Bühne zu sehen, sondern findet sich überraschenderweise mitten im Publikum wieder. Die Menge ist begeistert und macht Platz für den sympathischen Musiker, sodass er singend auf die Bühne spazieren kann. Diesen Kontakt verliert er während des ganzen Konzerts keine Sekunde lang. Immer wieder steigt er zu seinem Publikum hinab, um mit ihm gemeinsam zu feiern. 
Da ist es nicht verwunderlich, dass der Schluss des Konzerts eine Unplugged-Version von 80 Millionen bildet, bei dem er die Zuschauer den Refrain beenden lässt ... 800 Stimmen, die gemeinsam singen: 

„So weit gekommen und so viel gesehen.
So viel passiert, das wir nicht verstehen.
Ich weiß es nicht, doch ich frage mich schon:
Wie hast du mich gefunden? Einer von 80 Millionen …“
 
 

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