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Maria Riesch im Interview

Teil III: Verletzungspause stellte Geduld auf Probe

Maria Riesch im Interview
Sie beschreiben in Ihrem Buch auch, dass Sie nie Angst hatten, den Berg hinunter zu fahren. Ich als Nicht-Skifahrer habe einen riesengroßen Respekt davor, einen so steilen Hang hinunterzurasen. Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?

Es ist nicht so, dass ich nie Angst hatte. Gerade nach meinen Verletzungen war die Angst immer ein kleines Thema oder zumindest im Unterbewusstsein da. Allerdings war es nicht so, dass ich am Start stand und dachte „Oh Hilfe, wie soll ich da runter kommen?“. Man fährt einfach los, aber man fährt nicht so locker und befreit wie zuvor. Aber das mit der Zeit wieder besser und mittlerweile kann ich auch so fahren wie früher. Aber Angst hätte ich zum Beispiel vor Base Jumping oder so. Das hört man ja auch immer von schlimmen Unfällen oder dass sich der Fallschirm nicht öffnet. Nein, den Nervenkitzel bräuchte ich nicht unbedingt.

Sie haben gerade schon Ihrer Verletzungen angesprochen. Wie konnten Sie denn Ihre Gedanken die ersten Male beim Runterfahren ausschalten und sich überwinden?

Die ersten Male ging es nicht immer so leicht. Das war immer von vielen Faktoren abhängig. Ich habe ja dann direkt die erste Abfahrt in Lake Louise gewonnen. Das war auch für mich sehr unerwartet. Aber ich kannte den Berg schon von Rennen vor meiner Verletzung. Vor der Abfahrt hatte ich außerdem drei Trainingsläufe, wo ich mich langsam herantasten konnte. Beim Wettkampf selber waren gute Verhältnisse, keine Schläge in der Piste, eine gute Sicht – ich hatte keine Angst an dem Tag. Danach sind aber auch sehr viele Rennen gekommen, wo es dann eben nicht alles so einfach war. Das waren dann Strecken, die ich nicht kannte oder wo ich nichts gesehen habe, weil alles schattig war. Da hat mir Selbstvertrauen gefehlt. Jetzt ist es wieder da. Es hat zwar lang gedauert, aber es kam doch zurück. Man muss einfach geduldig sein – das war das Schwierigste für mich in der letzten Saison: Zu akzeptieren, dass man gerade mal nicht ganz vorne mitfahren kann und dass man darum kämpfen muss, damit es irgendwann wieder so wird. Ich bin gottseidank geduldig geblieben und Ende der letzten Saison schon besser geworden. Umso cooler ist es, dass es gerade so toll läuft!

Während Ihrer Verletzungsphase hatten Sie Zeit zum Grübeln, schreiben Sie in Ihrem Buch: Stand für Sie zu einem Zeitpunkt auch die Frage im Raum, gar nicht mehr zurückzukehren auf die Piste – gerade nach Ihrem zweiten Kreuzbandriss?

Von vornherein war es schon klar. Bissl Zweifel sind dann aufgekommen, als ich so Probleme gehabt habe mit meinem linken Knie, das ich mir als Zweites verletzt habe. Beim rechten Knie im Jahr zuvor ging alles ohne Komplikationen. Es ist schnell verheilt, ich hatte schnell keine Schmerzen und wollte am liebsten nach vier Monaten schon wieder fahren, was man natürlich nicht darf. Aber ich habe mich superfit gefühlt und konnte auch schon im Sommer wieder trainieren. Nach dem zweiten Kreuzbandriss, der noch im selben Jahr kam ist es leider nicht so schnell wieder gut geworden, wie ich es mir erwartet und erhofft habe. Da hatte ich dann schon Zweifel, ob es wieder was wird. Ich konnte die Muskulatur nicht trainieren, weil ich Schmerzen hatte. Ich habe zum Teil mit Schmerzen trainiert, weil ich natürlich unbedingt wollte, aber es hat nichts gebracht. Ich habe dann alle Arten von Physiotherapie, Osteopathie bis Heilpraktiker durchprobiert. Sogar eine Entzündungsbestrahlung mit Röntgenstrahlen habe ich gemacht. Dann bin ich einfach auf Gut Glück im August mit nach Argentinien zum Training. Und dann ging es auf einmal besser – als hätte das Skifahren selbst die Heilung herbeigeführt! Obwohl es natürlich Wahnsinn war, in dem Zustand auf die Ski zu steigen – ohne einen einzigen Muskel am Bein.
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