Jeder weiß was damit gemeint ist, aber ursprünglich hieß der Spruch so: „Wenn man den Teufel nennt, kommt er gerennt." Schon ein Bild des Teufels genügte, um ihn auf den Plan zu rufen. „Mal bloß den Teufel nicht an die Wand“ besagt ebenfalls, dass man das Unglück nicht herbeirufen soll. Wer dies dennoch tut, dem schwant nichts Gutes, anders gesagt: Er sieht schwarz.
Diese Angst, den Teufel durch Fluchen oder einen unbedachten Ausruf herbeizuholen, leitet sich von der Bedeutsamkeit der Namen an sich ab. Seine Kinder nennt man nach Vorbildern, damit sie davon profitieren. Eine andere Version ist der Glaube an das Wiedersehen, wenn man die Kinder nach verstorbenen Verwandten nennt. Dieses Wort, der Name, ist eben nichts Zufälliges. Beinahe steckt ein Stück des Benannten in ihm. Hört man einen Namen, dann werden augenblicklich Assoziationen wach, die Person steht vor dem inneren Auge.
Die Griechen glaubten, dass sie durch Namen neidvolle Dämonen abwehren könnten. Ein berühmtes Beispiel für diesen Namensschutz ist Aischylos, zu Deutsch der „Hässliche“. Namen besitzen eine symbolische Kraft, die wie ein transzendentes Band zwischen Person und Wort wirkt.
„Um es nicht zu verschreien“ wurden Kinder früher bis zur Taufe nicht bei ihrem Vornamen gerufen, sondern hatten Spitznamen die zeitweise poetische Dimensionen annahmen, wie Rosenblättchen oder Pflanzenstielchen. Namen sind eben nicht bloß leere Hüllen, sie stellen eine Art Programm oder Bekenntnis da. So sprachen russische Juden jedes Mal, wenn jemand den Teufel erwähnte, ein Stoßgebet, um zu verhindern, dass sich jener die Ehre gab. (ip)