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Scheidungskinder

Gene bestimmen mit, wie sehr sie leiden

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Die wirklich Leidtragenden bei Trennungen sind fast immer die Kinder. Wie sehr sie unter der Scheidung ihrer Eltern leiden und wie sie damit umgehen, ist bereits in den Genen festgelegt.

Scheidungskinder
© Tomasz Trojanowski/Shutterstock.com
Krach folgt auf Krach, es wird geschrieen, geweint und am Ende bleibt meist nur noch eins: Die Trennung. Immer mehr Ehen nehmen diesen Verlauf, denn seit Jahren nähert sich die Zahl der Scheidungen in Deutschland rasant der 50 Prozent Marke.

Die wirklichen Opfer der Trennungen sind – das ist sattsam bekannt – die Kinder. Sie leiden am meisten. Nicht nur, weil sie erleben müssen, wie ihre Eltern auseinander gehen, ihre zarte Psyche muss auch noch verarbeiten, dass meist nur noch Hass und Aggression zwischen den Eltern besteht. Eine Erfahrung, die selten an den Kindern, die auch beim besten Willen der Eltern zwischen den Fronten stehen, spurlos vorübergeht. Dass diese Trennung der Eltern meist zu gewichtigen Problemen, wie Verhaltensstörungen oder geringeren schulischen Leistungen beitragen kann, selbst wenn sich die Eltern alle Mühe geben, die Kinder "herauszuhalten", ist ebenfalls keine neue Erkenntnis.

Wie eine Studie der amerikanischen Einrichtung "Colorado Adoption Project" jetzt herausfand, ist jedoch die Tatsache neu, dass die Gene eine wichtige Rolle dabei spielen, wie Kinder auf die Scheidung ihrer Eltern reagieren und letztendlich damit zurechtkommen. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren hatten die Wissenschaftler nämlich 400 amerikanische Familien beobachtet. Sie verglichen leibliche mit adoptierten Scheidungskindern. Erstaunliches Ergebnis: Trotz sehr ähnlicher äußerer Umstände kam der adoptierte Nachwuchs sehr viel besser mit der Trennung der Eltern zurecht, als der biologische. Wie ist das möglich?

Studien ergaben bereits, dass die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung auch von der genetischen Konstruktion einer Persönlichkeit abhängt. Demzufolge erben die biologischen Kinder die Gene und damit auch die Art und Tiefe der Verwundbarkeit oder der Aggressivität von ihren Eltern und gehen dementsprechend ähnlich wie ihre Eltern mit der Trennungssituation um. Die Folge: Sie sind emotional tiefer darin verwickelt, als die genetisch von den Eltern "unabhängigen" Adoptivkinder mit anderen, "fremden" Reaktionsmustern.

Die Wissenschaftler vermuten in dieser Erkenntnis auch den genetischen Grund dafür, weshalb Scheidungskinder als Erwachsene eher zu Scheidungen neigen, als Kinder aus intakten Familien. Bisher war davon ausgegangen worden, das der Grund dafür vor allem im negativen Vorbild und in der psychischen Schädigung durch die Scheidung der Eltern zu suchen ist. Ein Umstand, der viele Geschiedene mit Schuldgefühlen beladen hat.
 
 

 


 
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