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"Die andere Haut" - Ein Roman über Sehnsucht

Interview mit der Autorin Carmen Schnitzer

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Hat wahre Liebe grundsätzlich etwas mit körperlicher Treue zu tun? Und kann man wirklich nur einen Partner lieben? Was ist eigentlich wahre Liebe? Diese und andere Fragen wirft der erotische Roman "Die andere Haut" auf.

Mit wunderschönen Worten erzählt Autorin Carmen Schnitzer Laras Geschichte: Eine junge Frau bricht kurz vor ihrer Hochzeit mit ihrem Freund David allein nach Südamerika auf, um herauszufinden, ob nicht doch Urlaubsliebe Ricardo, der Mann ihrer Träume ist…




Über die Autorin

Autorin Carmen Schnitzer
Geboren 1976 in München, nötigte Carmen Schnitzer ihre Mutter bereits vor Schuleintritt, ihr Lesen und Schreiben beizubringen und hielt ab 1982 ihre kleinen Geschichten schriftlich fest.

Nach ihrer Kindheit und Jugend in München, Stuttgart, Meckenheim (bei Bonn) und Coburg studierte sie in Erlangen Theater- und Medienwissenschaft. In dieser Zeit war sie als Schauspielerin, Regisseurin, Bühnenbildnerin und Mädchen für alles an diversen Theater- und Film-Projekten beteiligt, doch das Schreiben blieb ihre größte Leidenschaft.

Einem ersten, vierwöchigen Aufenthalt in Ecuador 1999 folgte nach dem Studium 2001 eine dreimonatige Rucksackreise durch Ecuador und Peru. Inspirationen aus diesen Reisen ließ sie in ihren Debütroman "Die andere Haut" einfließen.

Heute lebt sie wieder in München und arbeitet nach verschiedenen Stationen als Journalistin und Werbetexterin als Chef-Redakteurin in einem Verlag.

Carmen Schnitzer im Interview

WomenWeb: Wie kam es zu dem Roman-Titel "Die andere Haut"?

Carmen Schnitzer: Der kam mir spontan in den Sinn, und mit der Zeit fand ich ihn immer passender, weil er auf zwei Ebenen funktioniert: Ganz konkret sehnt sich Lara danach, eine andere Haut, die von Ricardo, zu spüren, zum anderen dreht sich im Roman vieles um die Was-wäre-wenn-Fragen, die vermutlich in fast jedem Leben mal auftauchen: Könnte ich in eine andere Haut schlüpfen, alles Gewohnte hinter mir lassen? Wäre ich dann glücklicher?

Lara, die Hauptfigur deines Romans will herausfinden, ob Ricardo – ihre flüchtige, aber sehr intensive Urlaubsliebe – der Mann zu ihrem eigentlichen Lebensglück ist. Und das, obwohl sie kurz vor ihrer Hochzeit mit einem anderen steht…. Gibt es Parallelen zwischen Lara und Dir?

Jein. Charakterlich entspricht mir Lara sicher in weiten Teilen, und es gibt auch einen "Ricardo" in meinem Leben. Aber nur die Rückblende-Kapitel im Roman ähneln der Geschichte von mir und ihm. Als wir uns in der Realität nach Jahren wieder gegenüberstanden, geschah dies in New York, und wir hatten beide keinen Partner. Unsere Gefühle flackerten kurz noch einmal auf und verliefen dann im Sande. Ich bin dankbar, diesem Mann begegnet zu sein, aber vermutlich hätte eine Partnerschaft zwischen uns nur sehr schwer funktioniert.

Obwohl Lara ihren Verlobten David liebt, ist sie dem Sex mit Ricardo nicht abgeneigt. Wie stehst Du selbst zu den Themen "freie Liebe" und "offene
Beziehung"?


Mich befremdet es, dass das "Exklusivrecht" auf den Körper des anderen von den meisten als zentrales Merkmal einer Beziehung gesehen wird. Ist Liebe nicht so unglaublich viel mehr? Ich bin in Bezug auf Sex weiß Gott keine Freundin von Wahllosigkeit, er ist mir wichtig und nahezu "heilig", aber Liebe hat für mich noch einen höheren Stellenwert. Wenn ich mich auf eine Beziehung einlasse, glaube ich sehr stark an diese Liebe und halte sie für zu groß, als dass sie so einfach zu erschüttern wäre durch einen Seitensprung oder ähnliches.

Die Vorstellung, den Rest meines Lebens nur noch mit dem Mann zu schlafen, den ich liebe, schreckt mich nicht. Wenn ihm das wichtig wäre, würde ich mich darum bemühen, anderen Versuchungen zu widerstehen und bin relativ zuversichtlich, dass mir das gelingen würde. Da ich eine Beziehung aber nur eingehe, wenn ich eine Art "Option auf Unendlichkeit" spüre, sprechen wir gegebenenfalls von einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Dafür eine Garantie abzugeben halte ich für naiv.

Manche Leser mögen Laras Verhalten kritisieren. Was hast Du zu ihrer Verteidigung zu sagen?

Dass sie von Anfang an ehrlich zu David ist. Er weiß, worauf er sich einlässt, er liebt seinen "Schmetterling" Lara, so wie er ist. Und Lara liebt David ebenfalls aufrichtig, auch wenn sie Liebe bzw. Treue nicht im konventionellen Sinne definiert.

Wie gehst Du selbst mit (negativer) Kritik an deinem Roman und dessen moralischen Werten um? Diese passen ja nicht unbedingt in das Idealbild vieler Menschen …

Ehrliche Kritik bringt einen weiter, insofern bin ich, bei aller Verletzlichkeit, dankbar dafür. Meine Einstellung zu Liebe und Treue habe ich schon oft verteidigt, sodass ich hier geübt war im Argumentieren. Ich drücke meine Haltung niemandem auf, wünsche mir aber Achtung und Offenheit für verschiedene Denkweisen. Allergisch reagiere ich, wenn allzu schnell der Satz fällt: "Das ist doch keine Liebe!" Wer hat das Recht zu solch einem Urteil? In der Liebe gibt es meiner Ansicht nach kein Richtig oder Falsch, solange alle Beteiligten sich bewusst für eine Beziehungsform entscheiden, ehrlich, respekt- und liebevoll miteinander umgehen und alles in allem glücklich sind mit ihrer Wahl.
Tatsächlich habe ich durch meinen Roman einige Menschen zum Nachdenken anregen können, so die Rückmeldungen. Das ist schön.

Mehr verletzt haben mich Kritiken, die meinen Roman in die Groschenheft-Ecke schieben wollten. Ihn auf Sexszenen in exotischer Kulisse zu reduzieren, wird ihm, denke ich, nicht wirklich gerecht.

Wie definierst Du, als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt, die Begriffe "Liebe", "Sex" und "Treue"?

Mein Ideal von Liebe, wobei ich mich mal auf die partnerschaftliche Liebe beschränke, ist tiefe Freundschaft plus erfülltes Sexualleben. Ein Partner ist ein Teil von mir und umgekehrt, ohne dass sich unsere Persönlichkeiten im Gegenüber auflösen und verschwimmen und ohne dass diese Verbindung ständig thematisiert werden muss.

Sex ist eine Art "Essenz des Lebens". Hier kann alles zusammenfließen: Banalität und Göttlichkeit, Rausch und Klarheit, Lachen und Weinen, Macht und Ohnmacht. Trieb, Liebe, Trauer, Wut, Neugier, Genuss, Freude, Staunen, Langeweile … Das fasziniert mich.

Treue wiederum ist für mich weniger eine körperliche als eine seelische Angelegenheit. Ein Zusammenhalt, ein Annehmen des anderen mit all seinen Schwächen. Man muss sicher nicht alles gutheißen, was der Partner tut, aber auch wenn er sich mal daneben benimmt, gilt es, gegebenenfalls auch vor anderen, zu signalisieren: Dieser Mensch gehört zu mir, und dazu stehe ich.

Du bist durch und durch Künstlerin. Das Coverbild des Romans hast du selbst gemalt. In welchen Situationen greifst Du zum Pinsel und in welchen brauchst du den schriftstellerischen Ausdruck?

Ich gehöre nicht zu den Künstlern, die es regelrecht drängt, kreativ zu werden. Die nervös werden, wenn sie eine Weile nichts geschaffen haben. Zumindest ist mir das nicht bewusst. Es kommt zwar vor, dass mich die Inspiration "überfällt", aber das beschränkt sich meist auf einige wenige Sätze. Oft passiert das im Kino, warum auch immer. Diese Zeilen schreibe ich gleich auf. Sie dann in einen Kontext zu bringen, ist eher bewusste Arbeit. Mir ist nicht nur der Inhalt einer Geschichte wichtig, sondern auch ihr Rhythmus und ihre Melodie. Daran feile ich gerne und freue mich, wenn es mir gelingt, einen Text "rund" zu schleifen.

Was das Malen angeht – das passiert eher anlassbezogen, etwa weil eine Ausstellung ansteht oder ein Geburtstag. Mit Farbe zu arbeiten, macht mir Spaß, aber hier sind mein Ehrgeiz und meine Leidenschaft deutlich weniger ausgeprägt als beim Schreiben.

In letzter Zeit bekomme ich wieder Lust auf Theaterarbeit. Zu Studienzeiten habe ich mich da ein wenig ausprobiert in Schauspielerei, Regie, Bühnenbild usw. Vielleicht wage ich mich da noch mal ran, auch wenn es sicher auf einer Hobbyebene bleiben wird.

Gerüchten zufolge planst Du bereits einen zweiten Roman. Kannst Du uns darüber etwas verraten?

Ich liebe ICE-Bordrestaurants und die spannenden Begegnungen, die ich dort oft habe. Darum wird mein nächster Roman hauptsächlich oder auch ganz im Zug spielen.
Und so wie ich vor einer Bahnreise nicht weiß, wem ich begegnen werde, kannte ich auch meine Romanfiguren nicht. Ich hatte einen Steckbrief entworfen und Freunde, Bekannte und Fans meiner Facebookseite www.facebook.com/schnitzercarmen dazu aufgerufen, mir anhand des Fragebogens Personen zu erfinden, die in meinem "Zug" mitfahren. Mit diesen arbeite ich jetzt und bin gespannt, wohin die Reise geht …

 
 

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