Stellen Sie sich doch einmal die folgende Situation vor:
Eine Frau wird mit den Anforderungen, die man an sie stellt, nicht mehr fertig. Eigentlich ist sie aber zufrieden mit ihrem Leben und möchte auch ihre Familie nicht aufgeben. Deshalb sucht sie hin und wieder das Gespräch mit einem Psychologen. Das hilft ihr, wieder mit den Anforderungen fertig zu werden. Die Liebe zu ihrer Familie und der Wunsch nach Harmonie lassen sie so handeln. Sie erzählt niemandem von ihren Gesprächen. Was aber würde ihr Ehemann denken, wenn er von den heimlichen Besuchen erfahren würde? Er wäre wahrscheinlich sehr gekränkt und hätte das Gefühl, nicht genügend für seine Partnerin da sein zu können. Die Frau aber weiß, dass er ihr nicht hätte helfen können. Um ihn nicht unnötig zu belasten, hat sie ihre Gespräche verheimlicht. (Quelle: Ursula Nuber: Lass mir mein Geheimnis! Warum es gut tut, nicht alles preiszugeben)
Sind diese geheimen Gespräche ein Beispiel dafür, dass kleine Geheimnisse die Beziehung am Leben halten? Das tun sie in diesem Fall wirklich, solange niemand hinter das Geheimnis der Frau kommt. Genauso gut könnte man aber sagen, dass in dieser Partnerschaft etwas nicht mehr stimmt. Denn wer sich Hilfe von außen holt, ohne dem Partner etwas davon zu sagen, hat wohl nicht das für eine Beziehung notwendige Vertrauen in seinen Partner.