Peinliche Männer Männer und ihre Macken

Am liebsten im Boden versinken

Männer und ihre Macken
Quelle: FOTOLIA andresr



Ich liebe meinen Freund – seit 10 Jahren sind wir ein glückliches Paar. Und doch gibt es Momente, in denen ich am liebsten verleugnen würde, ihn je gekannt zu haben. Oder mich sofort in Luft auflösen möchte. Warum? Er kann einfach so unglaublich peinlich sein!
Ein Beispiel? Irgendein Fußballspiel läuft, Bayern ist am Verlieren. Mein Liebster ist schier am Verzweifeln und lässt seinem Ärger in unserer Wohnung lautstark freien Lauf: „Verdammt, das kann doch echt nicht wahr sein, der Libero war hundertpro im Abseits, …“ usw. (Irgendwie so ähnlich, mir erschließt sich die genaue Bedeutung seiner Worte nicht). Der geruhsame Feierabend der Nachbarn ist hiermit wohl beendet. Ich warte bereits auf ihr entnervtes Klopfen, was ja verständlicherweise auch nicht das erst Mal wäre, aber diesmal werden meine Erwartungen enttäuscht: Nichts! Puhhh. Beruhigt mache ich mich auf den Weg ins Bett. Da klingelt es. Seit wann haben die Nachbarn die Freundlichkeit, die Klingel zu benutzen? Im Schlafanzug mache ich auf: „Jaja, ich weiß, aber ich kann ihn leider nicht davon-“ „Guten Abend, Wachtmeister Finke mein Name, wir haben eine Anzeige wegen Ruhestörung bekommen.“ Oh nein. Am liebsten würde ich auf der Stelle im Boden versinken vor Scham. Und morgen erst, wenn ich bestimmten Nachbarn wieder über den Weg laufen werde…

Wieso schämen WIR uns?

Aber warum schäme eigentlich ich mich so dafür? Er ist ja schließlich derjenige, der das ganze Hause zusammenbrüllt. Er ist ein intelligenter, vernünftiger erwachsener Mann, er kann selbstständig Verantwortung für sein Handeln übernehmen – bzw. sollte es können. Muss es mir also peinlich sein, wenn er sich nicht benehmen kann? Theoretisch nicht, praktisch ist es das aber.
Wieso geht mir das so nahe? Vielleicht, weil ich mich nicht genug von ihm distanzieren kann. Vielleicht, weil ich UNS als ein Paar, als eine Einheit sehe und ich folglich auch da mit drin stecke. Vielleicht aber auch, weil ich ihn doch ein kleines bisschen nach meinen Wünschen erziehen will (was ich natürlich ihm gegenüber nie zugeben würde), und wenn das nicht klappt, gebe ich mir die Schuld.
Immerhin – andere Frauen haben’s noch schwerer.

Es geht noch schlimmer…

Männer und ihre Macken
Quelle: FOTOLIA asian


Meine Freundin z.B. hat ihre bessere Hälfte (in einem wohl sehr unüberlegten Moment, das muss man einräumen) überredet, zur Weihnachtsfeier im neuen Betrieb mit zu kommen.
Ja, gewiß, so etwas ist fürchterlich langweilig, aber irgendwann sind die ganzen Reden auch vorbei und dann kann’s ganz nett werden. Bis dahin hatte sich der Mann an ihrer Seite aber vor lauter Langweile bereits an die zehn Gläser Wein genehmigt. Und dann, als es zum gemütlichen Teil der Feier kommen sollte – quatschen, den Partner den neuen Kollegen vorstellen, Betriebsgeheimnisse erfahren und so weiter – übernahm er seine Vorstellungsrunde ganz alleine. Und zwar so, dass ihn auch wirklich JEDER der Anwesenden kennen lernen musste. Indem er in voller Lautstärke derbe Witze riss und die Heldentaten seines letzten Angelausflugs – ja, der Fisch war mindestens zwei Meter lang und 80 Kilo schwer – zum Besten gab. Meine Freundin hat es sich selbst verflucht, ihn zum Mitkommen überredet zu haben. Irgendwie brachte sie es fertig, ihn von der Party zu schleifen, bevor der werte Herr mit seinen Tanzkünsten à la John Travolta losgelegt hatte.
Wie peinlich!!!!

Sind wir selbst besser?

Na gut, so schlimm ist es auch wieder nicht und meine Freundin arbeitet auch immer noch in diesem Betrieb.
Aber manchmal können einem die Herren der Schöpfung schon sehr die Schamesröte ins Gesicht treiben. Aber: So sind sie nun mal, und daran werden wir auch in nächster Zeit nichts ändern können, Erziehungsversuche, Meckereien und Drohungen hin oder her. Immerhin haben über 100.000 Jahre Evolution nichts oder zumindest nicht viel genützt.
Aber was ist mit uns? Sind wir auch manchmal so peinlich für das starke Geschlecht? Vielleicht sollten wir da mal dran denken, wenn wir uns das nächste Mal für unseren Partner in Grund und Boden schämen. Oder glauben Sie, er freut sich, wenn ihn seine Kumpels zum Motorradausflug abholen wollen und Sie ihm schreiend nachlaufen: „Schatz, du musst doch noch deine Magentabletten nehmen! Und ein Erste-Hilfe-Päckchen hab ich dir auch extra zusammengestellt!“ Na? Eben! (sl)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert