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Generation Bindungsangst!?

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Mit ihrem neuen Buch "Ja, nein, vielleicht – Nie mehr Angst vor Nähe. Ein Mutmachbuch", hat die Psychologin Stefanie Stahl eine Zugabe zu ihren Büchern "Jein" und "Vom Jein zum Ja" herausgebracht. Das Thema Bindungsangst wird hier erfrischend anders und innovativ behandelt.

Die Diplom-Psychologin gilt als Pionierin auf dem Gebiet der Bindungsangst und ihre Bücher sind längst Klassiker. Mit diesen führt sie eine lange Liste moderner Beziehungsratgeber an. Mit Büchern wie "Generation Beziehungsunfähig" von Michael Nast, "Das Geheimnis, wie ein Mann sich wieder in Sie verliebt" von Martin von Bergen oder "Wie gewinne ich das Herz eines Mannes?" von Christian Sandner, strömt derzeit nämlich eine Flutwelle von Literatur auf uns Frauen ein, die uns helfen will, diese neue Generation 'bindungsängstlicher Männer' in den Griff – oder besser – zur Ehe zu kriegen.

Generation Bindungsangst!?
©Lydia_Wuensch
Es scheint, als sei eine neue Marktlücke gefunden worden, und die heißt: Bindungsangst. Mittlerweile lassen sich sämtliche Beziehungsprobleme auf diesen einen gemeinsamen Nenner herunterbrechen. Doch, mit Ausnahme von "Ja, nein, vielleicht" haben die hier aufgelisteten Werke noch mehr gemeinsam. Alle sind sie von Männern für Frauen geschrieben. Die Rollenverteilung ist somit klar: 'Frau' sollte sich mal ein paar Gedanken machen, was sie eventuell falsch gemacht hat, und wie sie es besser machen kann. Und wir nehmen diese Ratschläge dankbar an. Auch ich habe mich nach der einen oder anderen Enttäuschung schon verzweifelt an einen Ratgeber gewandt und fand die Tipps meist auch sehr hilfreich. Doch eine Sache hat mich immer daran gestört und mich zu folgenden Fragen geführt: Sind wir Frauen Schuld daran, dass Männer beziehungsunwillig werden? Vertreiben wir sie gar mit unserem Bindungswunsch? Dabei handelt es sich doch um die natürlichste Sache der Welt, oder? Der Mensch ist biologisch dazu getrieben, sich binden und vermehren zu wollen. Nur so können wir unsere Art erhalten. Tiere tun es ständig, ohne darüber nachzudenken. Wieso bekommt der Homo sapiens das nicht mehr hin? Und: Gibt es eigentlich gar nichts, was der Mann für die Arterhaltung tun könnte? Wieso sitze ich mit Tränen in den Augen vor meinem Computer und lese sowas wie: Die zehn Strategien, wie er nicht mehr von Ihnen loskommt. Oder: Wie Sie einen bindungsunwilligen Mann in eine Beziehung bekommen, während er sich einfach zurücklehnt und so bleiben kann, wie er ist.

Wieso liegt die ganze Arbeit eigentlich bei mir?

Mit diesen Fragen auf den Lippen kam ich auf Ja, nein, Vielleicht von Stefanie Stahl. Dieser Ratgeber hat einen etwas anderen Ansatz, der es Wert ist, näher beleuchtet zu werden. Dazu erzählt sie uns in ihrem Buch…

…Die Geschichte von Tatjana und Martin

Es beginnt alles ganz romantisch. Tatjana und Martin lernen sich auf einer Hochzeitsfeier kennen, verlieben sich und werden ein Paar. Doch schon kurze Zeit später fängt es zwischen den beiden an zu krieseln. Der Auslöser ist der Wunsch Tatjanas, mit Martin zusammenzuziehen. Von da an fühlt er sich zunehmend unter Druck gesetzt. Er will mehr Freiraum haben und bricht schließlich endgültig aus der Beziehung aus. Tatjana ist am Boden zerstört. Doch schon wenige Wochen später bereut Martin seine Entscheidung. Er meldet sich bei Tatjana und sagt ihr, dass er sie vermisst. Die beiden werden erneut ein Paar. Das Spiel geht von vorne los. Die nächste Trennung. Die nächste Enttäuschung.

Kommt einem das nicht bekannt vor?

Also mir schon. Und wenn schon nicht aus meinem eigenen Erfahrungsschatz, dann zumindest aus zahlreichen Cappuccino-Gesprächen mit meinen Freundinnen: Ich verstehe einfach nicht, was passiert ist! Es fing doch alles so gut an. Er wollte mich doch unbedingt zurück. Warum macht er dann Schluss? Oder so ähnlich geht es dann… Ist das etwa die berüchtigte 'Generation Beziehungsunfähig', die da am Werk ist? Stefanie Stahl scheint das Problem nicht nur erkannt zu haben – Sie bietet auch eine Lösung an, einfach, anschaulich und freundlich gestaltet. Ist das Buch nur ein weiterer Strohhalm für viele verzweifelte Frauen? Oder kann es einem wirklich helfen, eine funktionierende Beziehung zu führen? Ihre Theorie klingt zumindest einleuchtend.

Was passierte mit Tatjana und Martin?

Demnach sind die beiden in einen Strudel geraden, der unweigerlich in einer Abwärtsspirale mündete. Diese führte dann zum Bruch der Beziehung, denn – und das ist das Interessante – BEIDE leiden an Bindungsangst!

Auch wenn diese auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Zumindest nicht bei Tatjana. Denn Sie will ja die Beziehung um jeden Preis und klammert sich regelrecht an den geliebten Mann. Doch was in diesem Buch nach und nach aufgeschlüsselt wird, ist: Tatjana leidet an einer passiven Form von Bindungsangst, während Martin an einer aktiven Form leidet. Er ist derjenige, der den Freiraum sucht, während Tatjana sich verzweifelt an Männer klammert, die nur schwer – oder gar nicht – zu haben sind. Sie würde sich nämlich selbst sofort eingeengt fühlen, wenn sie bei einem Mann Sicherheit verspüren würde. Dann wäre sie vermutlich diejenige gewesen, die sich getrennt hätte. „Werte mich auf, aber enge mich nicht ein“(1) lautet dabei ihr unterbewusster Grundsatz. Denn Tatjana fühlt sich nur richtig wohl, wenn sie von einem Mann geliebt wird. Den Zustand des Alleinseins hingegen hält sie kaum aus. So kommt es auch, dass sie trotz der zunehmenden Zurückweisung von Martin, nicht mit ihm Schluss macht, sondern sogar noch mehr um die Beziehung kämpft. Diesen Beziehungskampf verwechselt sie mit Leidenschaft. Wobei das gar nicht so falsch ist, denn die Beziehung schafft letztlich nichts als Leiden.

Das Fazit: Für beide kann es somit kein 'Happy End' geben. Nicht für die beiden als Paar, und auch nicht mit anderen Partnern. Denn sie würden das Programm mit jedem anderen wieder abspulen. Die Lösung ist somit nicht im ständig wechselnden Partner zu finden, sondern in sich selbst. Und zwar, durch…

…Die Arbeit mit dem 'inneren Kind'

Demnach ist unser Unterbewusstes voll mit Glaubenssätzen, die wir uns als Kinder angeeignet und die wir meist von unseren Eltern erlernt haben. Je nachdem, was für ein Gefühl sie uns gaben, handeln wir dann als Erwachsene. Haben wir uns als Kind geliebt und anerkannt gefühlt, gehen wir gestärkt und voller Vertrauen in neue Beziehungen, denn wir leben mit Glaubenssätzen wie: 'Ich bin gut genug. Ich bin es Wert, geliebt zu werden. Ich bin wichtig und wertvoll.' Haben wir das Gefühl von Ablehnung erfahren, dann meiden wir intime Beziehung aus Angst, abgewiesen zu werden. In dem Fall hat man vielleicht Glaubenssätze wie: 'Ich muss mich sehr anstrengen, um geliebt zu werden. Ich muss perfekt sein. Ich darf mir keine Fehler erlauben. Ich darf keine Schwäche zeigen.' Meist geht man dann schon vorher 'erhobenen Hauptes' aus der Beziehung heraus und kann sich einreden, die Person wäre eben nicht 'die Richtige' gewesen. So, wie es Martin tat. „Und weil Martin sich nicht traut, er selbst zu sein, meint er, dass feste Beziehungen ihn einengen würden“(2), heißt es dazu im Buch. Nachdem Martin mit Tatjana Schluss machte, ging er sofort eine neue Beziehung ein und war somit zunächst der vermeintliche Gewinner in der Situation. Was er nicht wusste: Wenn eine Beziehung scheitert, dann sind beide Parteien Verlierer. Jeder hat einen Menschen in seinem Leben verloren. Dass dieser Mensch nicht so leicht zu ersetzen ist, merkt Martin, als die nächste Beziehung scheitert.

Wie lange soll Martin dieses Spiel noch spielen?

Ist ein Ende dieser ständigen Abwärtsspirale abzusehen? Zwei Jahre später trifft Martin wieder auf Tatjana. Sie hat sich seither weiterentwickelt und mehr zu sich selbst gefunden. Die Arbeit mit dem 'inneren Kind' hat ihr gut getan. Sie achtet jetzt besser auf sich und ist emotional stärker. Das macht sie wieder interessant für Martin. Auch er hat sich zwischenzeitlich mit seinem 'inneren Kind' beschäftigt und herausgefunden, dass nicht Tatjana das Problem war, sondern er selbst. Sie versuchen es wieder. Es kommt doch noch zum 'Happy End'. Aber was machen die beiden nun anders?

„Authentizität ist die Voraussetzung für echte Nähe“(3)

Generation Bindungsangst!?
©Depositphotos
Denn wenn man immer versucht, es anderen recht zu machen, verliert man den Blick dafür, was man selbst will. Das gibt einem das Gefühl, in zwischenmenschlichen Beziehungen nie ganz man selbst zu sein. Das unwohle Gefühl, das dadurch entsteht, ist letztlich der Grund für den Bruch mit dem Partner. Dabei muss dieser Druck gar nicht von außen kommen, sondern kann nur im eigenen Kopf sein. Bindungsängstliche Menschen projizieren dies allerdings auf ihren Partner und reden sich ein, dieser sei Schuld an dem Gefühl. Das Resultat ist eine Abwehrreaktion. Die Attraktivität des Partners sinkt zunehmend in den Augen des Bindungsängstlichen. Und so geht die Abwärtsspirale ihren Gang... Diese lässt sich nur stoppen, wenn man lernt, sich selbst vollständig anzunehmen. Dann erst kann man auch den Partner akzeptieren. Ein gewisser Abstand zueinander und eine gesunde Selbstzentriertheit, helfen Tatjana zudem dabei, sich nicht komplett von Martin abhängig zu machen. Stattdessen suchen sie ihr Lebensglück nun in sich selbst. Dabei helfen ihr verschiede Säulen als Basis. Solche Basis-Säulen kann man in einem erfüllenden Job finden, einem Hobby, dem man mit Leidenschaft nachgeht, guten Freundschaften oder einer intensiveren Pflege familiärer Beziehungen. Nicht zuletzt aber ist es die intensive Pflege der Beziehung zu sich selbst, die man nie vernachlässigen sollte. Dies ist die einzige Beziehung, die man ein ganzes Leben lang führt.

Somit hat der vielzitierte Satz: Nur wer sich selbst liebt, kann auch jemand anderen lieben, durchaus seine Berechtigung. Denn nur wer in der Lage ist, sich selbst Liebe zu gönnen, kann diese auch verströmen. Wahre Selbstakzeptanz und Selbstliebe sind also die Schlüsselworte: nicht das Gefühl zu haben, dass man sich anstrengen muss, sondern, dass man so geliebt wird, wie man ist, mitsamt Fehlern und Schwächen.

Dabei ist zu beachten, dass es immer beide Partner sind, die an sich arbeiten müssen, um Beziehungsprobleme in den Griff zu bekommen. Denn eine Partnerschaft ist nun mal kein Solotanz, sondern vielmehr mit einem Tango zu vergleichen. Macht einer der Tanzpartner Fehler in der Schrittfolge, fängt auch der andere unweigerlich an zu stolpern. Und letztlich fallen beide am Ende hin. Das heißt im Umkehrschluss: Es bringt nichts, wenn ich noch so sehr an mir arbeite, ich werde einen bindungsunwilligen Partner nicht in eine funktionierende Beziehung bekommen. Das bedeutet, den Mut zu haben, eine Beziehung zu beenden, wenn sie nur Schmerz bereitet und eine Zeitlang alleine zu bleiben, bis man zuerst sich selbst und dann einen bindungswilligen Partner gefunden hat.

Oft ist es gar nicht das große Feuerwerk oder die Leidenschaft, die wahre Liebe ausmacht: „Liebe ist letztlich eine Frage der inneren Entscheidung: Wenn man einen potenziellen Kandidaten hat, den man äußerlich durchaus akzeptabel findet und mit dem man viele gemeinsame Interessen, Hobbies und Werte teilt, dann ist dies eine sehr gute Voraussetzung für eine glückliche Partnerschaft. Häufig eine viel bessere als die rasende Anfangsverliebtheit.“(4), erklärt Stefanie Stahl im Interview mit Unicum.de.

Eigentlich klingt es so einfach. Warum ist die Umsetzung dann so schwer? Michael Nast gibt der Gesellschaft die Schuld an unserer zunehmenden Bindungsunfähigkeit. Laut ihm haben wir in unserer schnelllebigen Welt einfach zu viele Möglichkeiten und wollten uns nicht mehr festlegen. Doch ist das wirklich der Grund? Ich denke, die Zeiten waren wohl immer schwierig. Nur wurde früher nicht so viel darüber gesprochen. Demnach ist es immerhin positiv, dass offensichtliche Probleme heute beim Namen genannt und zur Diskussion gestellt werden. Ich für meinen Teil habe durch die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr viel begriffen. Und das ist auch gut so. Denn ehrlich gesagt, werde ich langsam leid, bei den Kaffeeklatsch-Treffen mit meinen Freundinnen immer wieder dieselben nichtssagenden Sätze zu äußern, wie: 'Er war einfach nicht der Richtige für dich. Irgendwann kommt dein Traumprinz schon noch…' Stattdessen könnte ich ihnen beim nächsten Treffen einfach mal dieses liebevoll gestaltete Buch neben den Cappuccino legen...

Fazit zum Buch:

Dieser Ratgeber kann sicherlich keine Therapie ersetzen und so einfach, wie das Prinzip dargestellt wird, ist es im wahren Leben nicht. Aber es kann ein Anfang sein, sich auf spielerische Weise dem Thema anzunähern. Dabei ist es mit Sicherheit kein Zufall, dass es wie ein Kinderbuch – mit vielen Bildern und einem einfachen Text – versehen ist. Die Arbeit mit dem 'inneren Kind' wird hier sehr wörtlich genommen und so soll auch das Buch mitten in unser Unterbewusstes treffen, dorthin wo der Verstand nicht kommt und das Gefühl regiert, denn dieses weiß es eben doch besser.



Zitate/Quellen:
(1) Stahl, Stefanie: Ja, nein, vielleicht, – Nie mehr Angst vor Nähe. Ein Mutmachbuch. München. Kösel: 2015, S. 11
(2) Ebd. S. 10
(3) Ebd. S. 19
(4) http://www.unicum.de/studienzeit/leben/aktuelles/beziehungsangst-experteninterview/ (aufgerufen am 12.07.2016)
 
 

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Unbekannter Gast  am 18.09.2016 00:50

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Unbekannter Gast  am 17.09.2016 05:49

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