WomenWeb: Frau Int-Veen, Sie setzen sich als Botschafterin der Kindernothilfe auch gegen die grausame und schmerzhafte Beschneidung von Mädchen ein. Was wünschen Sie sich von Politikern und Gesellschaft im Umgang mit diesem wichtigen Thema?
Vera Int-Veen: Dieses Thema muss noch mehr in der Öffentlichkeit besprochen werden. Richtig bewusst auseinandergesetzt habe ich mich mit dem grauenhaften Ritual zum ersten Mal vor sieben Jahren. Damals habe ich das Buch „Wüstenblume“ von Waris Dirie gelesen und bin über die ungeheuren Beschreibungen der Autorin fast umgefallen.
Inzwischen ist das Problem nicht nur auf Afrika oder Asiatische Länder reduziert. Ärzte in Deutschland berichten über beschnittene Frauen, welche zur Behandlung in ihre Praxen kommen. Das darf auf keinen Fall tabuisiert werden. Wir müssen in unserer Gesellschaft ganz offen darüber reden und im Rahmen der Migrationsarbeit die Menschen aufklären.
Das Schwierige an dieser Aufgabe ist, dass wir uns alle von Vorurteilen lösen müssen. Die Projekte der Kindernothilfe stellen zum Beispiel den Beschneiderinnen in Äthiopien andere Verdienstmöglichkeiten in Aussicht. Das ist besser, als Menschen einer komplett anderen Kultur zu verurteilen. Damit erreichen wir nichts. Von der politischen Seite wird auch im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung viel gegen Beschneidungen und viel für die Aufklärung getan, aber trotzdem muss dieses Thema noch stärker an die Öffentlichkeit.