Claudia Tödtmann © Handelsblatt
Wie sieht der Tagesablauf einer Redakteurin bei einer der großen deutschen Tageszeitungen aus? Claudia Tödtmann beschreibt ihre täglichen Aufgaben so: „Die Nachrichtenlage sichten, konferieren auf verschiedenen Ebenen, im Team, im Ressort, mit der gesamten Redaktion, Research, der Fotoredaktion, dem Layout, der Grafik. Recherchieren auf verschiedenen Wegen, eigene Artikel schreiben, mit Korrespondenten und freien Autoren Themen absprechen, sie betreuen und deren Artikel redigieren.“ Reisen, sagt sie, werden in Redaktionen sehr viel weniger unternommen als früher, denn es geht auch in den Medienhäusern darum, Kosten einzusparen, zudem sind die Redaktionen weniger stark besetzt als früher.
Claudia Tödtmann sieht ihre Aufgabe darin, Themen aufzugreifen, die den Leser bewegen: „Wir Journalisten helfen dem Leser, aktuelle Vorkommnisse einzuordnen und zu bewerten. Medienleute wollen den Leser aufklären, warnen oder ihm Tipps geben. Die Grundsätze für jeden Journalisten sind: Die Berichterstattung muss verständlich sein, ohne Fremdworte und Anglizismen und unbeeinflusst von Unternehmen oder Interessensverbänden. Artikel dürfen keinesfalls werblich, sollen aber fair sein und dem Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben haben.“
Der Mensch im Tödtmann-Fokus
Auch Journalisten haben Vorlieben bei Ihrer Arbeit, so auch Claudia Tödtmann. Am liebsten schreibt die Redakteurin Portraits. Es mache ihr viel Spaß, einen Menschen zu beobachten, ihn auszufragen, ihn zu bespiegeln, sich von dessen Studienfreunden Anekdoten über ihn erzählen zu lassen, über den Menschen nachzudenken und dann das Bild von ihm in Worte zu fassen, eine Geschichte daraus zu stricken. Sie versucht, ein rundes Bild entstehen zu lassen, damit der Mensch schlüssig wird und der Leser ihn kennenlernt. „Herauszufinden, "what makes him tick", das ist die Herausforderung“, so beschreibt es Claudia Tödtmann.