Nicole Scherbe, unten rechts, mit einem Teil ihres Teams
Was halten Sie von Frauennetzwerken?
Nicole Scherbe: Ich halte Networking generell für einen ganz wichtigen Schlüssel zum Erfolg, für Frauen wie für Männer. Gerade auch für mein Tun hat Networking besondere Relevanz. In unserem Beratungsportfolio gibt es eine Menge von nützlichen Angeboten für „Networker“ oder Menschen, die es werden wollen: Unsere Kommunikationstrainings beispielsweise sollen Menschen dazu führen, selbstbewusst und souverän auf andere zuzugehen.
Grundsätzlich gilt: Gutes Networking ist mehr als über Kontakte Aufträge zu generieren. Erfolgreiches Networking heißt, sich gegenseitig auf lange Sicht zu unterstützen und sich gezielt auf die Suche nach zuverlässigen Partnern zu begeben. Den Grundgedanken von Frauennetzwerken finde ich sehr gut und meine auch, dass diese Netzwerke wichtig sind. Leider sind mir manche Netzwerke aber, was die Auswahl ihre Mitglieder betrifft, zu selektierend. Entweder werden nur Frauen aufgenommen, die einer gewissen Hierarchieebene angehören, oder es werden bestimmte Berufsgruppen ausgeklammert. Frauen werden dadurch nur mit einem Teil ihrer Biografie wahrgenommen und andere Fähigkeiten bleiben außen vor.
Viele Frauen erzählen mir, sie wollen einfach nur einen Rahmen haben, in dem sie sich regelmäßig treffen, austauschen und gegenseitig unterstützen können – völlig frei von Vereinszwängen. Letztlich können sich Frauen auch außerhalb von bestehenden Business-Netzwerken gegenseitig unterstützen.
Glauben Sie, dass an der berühmten weiblichen Stutenbissigkeit etwas dran ist? Kann Solidarität und gegenseitige Hilfestellung unter Frauen eigentlich funktionieren?
Nicole Scherbe: Frauen agieren in Gruppen völlig anders als Männer. Sie lösen Konflikte auch anders. Meine Erfahrung zeigt, dass Solidarität und Hilfestellung unter Frauen sehr wohl funktioniert. Viele Frauen suchen leider nicht immer die offene Auseinandersetzung wie Männer es tun. Sie bearbeiten Probleme oder Konflikte viel länger mit sich selbst, hadern mit sich und erzählen es später einer anderen Kollegin, nur nicht der Betroffenen. Emotionen stauen sich auf. Ein Konflikt ist da. Indem sich eine weibliche Führungskraft aktiv einbringt, Klärung einfordert und einen respektvollen Umgang übt, kann sie viel dazu beitragen, dass auch in reinen Frauenteams keine Geheimnisse entstehen, Konflikte gelöst werden und damit die „Stutenbissigkeit“ keine Chance hat.