Luise Klemens im Interview
Redaktion: Sie verhandeln in erster Linie mit Männern, wenn Sie sich für Ihre Gewerkschaftsmitglieder einsetzen? Wie stehen Sie persönlich dazu, in der Hauptsache mit der männlichen Eigenart umzugehen?
Luise Klemens: Nun, ich lasse mich nicht beeindrucken. Allerdings versuche ich, immer genau wahrzunehmen, wie meine Gegenüber „ticken“.
Redaktion: Würden Sie mehr Frauen in Führungspositionen befürworten? Wie tragen Sie dazu bei, dass sich Frauen mehr in verantwortungsvolle Positionen wagen und gefördert werden?
Luise Klemens: Auf jeden Fall! Zu meinem Gesellschaftsbild gehört, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Das betrifft unter anderem eben auch Führungsfunktionen. Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ergibt sich aus deren Verteilung auf Frauen und Männer. Die Verantwortlichen im Business treffen ihre Entscheidungen, wer auf Führungsfunktionen besetzt wird, noch zu häufig nach dem Senioritätsprinzip. Die tradierten Entscheidungskriterien verändern sich da für meinen Geschmack zu langsam. Erfahrungsgemäß entscheiden sich Männer sehr oft für Männer, wenn es keine „Spielregeln“ gibt.
Ich bedenke bei meinen Entscheidungen, wie sich diese auf die Geschlechter auswirken. Dies gilt auch für unsere internen Personalentscheidungen. Alles was ich über Gender gelernt habe, hilft mir dabei sehr. Wir bieten beispielsweise Mentoringprogramme an. Zudem finde ich, sind Netzwerke gerade für Frauen sehr hilfreich.
Politisch werde ich das Thema „Frauen in Führungspositionen“ stärker in den Vordergrund rücken und bei unseren tarifpolitischen Aufgaben beispielsweise Fragen der Entgeltgleichheit, Arbeitszeit und Weiterbildung angehen.
Redaktion: Welche Eigenschaften und Faktoren spielen für eine Frau eine Erfolgsrolle?
Luise Klemens: Frauen müssen klar kommunizieren und Verantwortung und Entscheidungskompetenz annehmen wollen. Ich habe gelernt, dass meine Intuition nichts Irrationales ist, sondern ein Teil meiner Lebenserfahrung. Häufig schreiben wir den Frauen die Gefühle zu und den Männern die Ratio. Dabei bin ich der Auffassung, dass Frauen meist mit mehr Wahrnehmungsfacetten durch’s Leben gehen.