Seit gestern ist das anders.
Seit gestern bin ich 28.
Diesen Geburtstag habe ich alleine gefeiert und damit begannen die Probleme.
Zuerst dachte ich, ich hätte mittlerweile die innere Reife erreicht, einen Geburtstag allein mit mir, meinem Lieblingsmenschen zu feiern. Es fing auch ganz gut an. Ich habe mir bei Harry zwei Video-Casetten ausgeliehen ("Wer hat Angst vor Virginia Woolf" und den Softporno "Santander, der lustige Barbier"), ein Shrimp-Gericht gekocht und im Öko-Markt drei Flaschen vom teuersten Rotwein gekauft. Bei der ersten Flasche war ich noch ganz fidel. Die zweite (vor dem Fernseher) wandelte sich in meinem Organismus zur Dramen-Flüssigkeit. Die dritte habe ich nicht angerührt, denn ich habe bis zum Sonnenaufgang aus dem Fenster gestarrt und mir meine Zukunft, alleine, in der von Tante Helmi geerbten Altbauwohnung ausgemalt. Mit 38 könnte ich noch durchgehen als Spätzünder. Mit 48 würden mich dann schon manche bedauern, mit 58 würden diese mich beneiden, mit 68 dann wieder bedauern. Mit 78 wäre ich dann bandscheibenoperiert oder herzkathedert und mit 88 würde ich mir den Gnadenschuss mit Papas P2 geben. Kein Wunder, dass ich nicht einschlafen konnte.
Gegen 9 Uhr morgens, als die Dämonen der Nacht sich mit einem höflichen Lächeln aus meinen Gedanken verabschiedeten, habe ich Vorsätze für’s neue Lebensjahr gefasst: Verliebe dich. Wenn’s geht mehrmals. Und kaufe nie wieder Wein im Öko-Markt.