Stellas Tagebuch

Stella 01: Geburtstags-Fiasko

Stellas 28.Geburtstag endet in einem Fisako...

Stellas Tagebuch
Dies sind also meine wilden Jahre.
Sie sollten so aussehen: Morgens um 12 den neuen Tag mit einer komplizierten Yoga-Position beginnen, danach Nutella aufs Brot, gegen 14 Uhr mit Freundinnen seltsame Gegenstände kaufen (Buddha-Skulpturen und Klobürsten mit türkisen Borsten, auf denen Dolce und Gabbana steht), dann in einem teuren Café dem Kellner an den Hintern fassen. Zwischen 18:30 und 20:30 Uhr hätte ich Zeit für eine kokette Sinnkrise (Wer bin ich? Was soll ich eigentlich hier? Was ist mein Leben wert?), die ich dann ab 20:31 mit Rotwein/Haschisch/Ecstasy besiegen würde. Hiernach hätte ich unglaublich viel Spaß in einem angesagten Club, würde auffällig tanzen, nach 4 Uhr nach Hause gehen und das vor allem mit einem netten, sehr schönen Kerl, den ich an der Bar aufgelesen habe. Ich hätte unglaublichen Sex, würde beim Orgasmus laut "A!" rufen und dann zufrieden einschlafen und von weitern auf "A" endenden Orgasmen träumen.
Ha-ha.
Die Wirklichkeit ist resistent gegen solche Wahnvorstellungen von Jugend.
Meine Nächte enden zwar um vier, aber meistens vor dem Computer oder vor einem Horoskop-Radix, den ich für das Neugeborene einer Kundin interpretiere, einem I-Ging-Orakel oder einem Tarot-Deck, das einer Kundin die nächsten Schritte voraussagt. Manchmal auch im Park um die Ecke, wo mein Hund Balla (Stella und Balla – fand ich ulkig) die Bäume als Toilette benutzt. Oder vor dem Fernseher, in dem ein frisch ausgeliehenes Video aus der Videothek "Harry" unten im Haus läuft.
Meine zahlreichen inneren Aufschreie "So kann das nicht weitergehen, Stella Baader!" habe ich bisher mit den Volume-Tasten meines CD-Players übertönt, der gerade Skunk Anansie hämmert.

Seit gestern ist das anders.
Seit gestern bin ich 28.
Diesen Geburtstag habe ich alleine gefeiert und damit begannen die Probleme.
Zuerst dachte ich, ich hätte mittlerweile die innere Reife erreicht, einen Geburtstag allein mit mir, meinem Lieblingsmenschen zu feiern. Es fing auch ganz gut an. Ich habe mir bei Harry zwei Video-Casetten ausgeliehen ("Wer hat Angst vor Virginia Woolf" und den Softporno "Santander, der lustige Barbier"), ein Shrimp-Gericht gekocht und im Öko-Markt drei Flaschen vom teuersten Rotwein gekauft. Bei der ersten Flasche war ich noch ganz fidel. Die zweite (vor dem Fernseher) wandelte sich in meinem Organismus zur Dramen-Flüssigkeit. Die dritte habe ich nicht angerührt, denn ich habe bis zum Sonnenaufgang aus dem Fenster gestarrt und mir meine Zukunft, alleine, in der von Tante Helmi geerbten Altbauwohnung ausgemalt. Mit 38 könnte ich noch durchgehen als Spätzünder. Mit 48 würden mich dann schon manche bedauern, mit 58 würden diese mich beneiden, mit 68 dann wieder bedauern. Mit 78 wäre ich dann bandscheibenoperiert oder herzkathedert und mit 88 würde ich mir den Gnadenschuss mit Papas P2 geben. Kein Wunder, dass ich nicht einschlafen konnte.
Gegen 9 Uhr morgens, als die Dämonen der Nacht sich mit einem höflichen Lächeln aus meinen Gedanken verabschiedeten, habe ich Vorsätze für’s neue Lebensjahr gefasst: Verliebe dich. Wenn’s geht mehrmals. Und kaufe nie wieder Wein im Öko-Markt.

Kommentar
 
unbekannter Gast
19.04.2010 16:55

Der Artikel spricht mir aus der Seele! Bin ich froh, dass es auch noch andere Frauen mit 28 gibt, die Single sind und Abende alleine verbringen müssen und nicht dem Klischee gerecht werden, dass Singles ständig ausgehen und Männere aufreißen ;-)
Wenn alle anderen im Bekanntenkreis bereits heiraten oder Kinder kriegen kommt schon mal eine kleine Krise auf einen zu! Danke Stella für den tollen Artikel!

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