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Interview zum neuen Prostituiertenschutzgesetz

Die Betreiberin eines Escort-Unternehmes spricht über ihre Arbeit und die neue Gesetzeslage ...

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Das neue Prostituiertenschutzgesetz tritt am 01. Juli 2017 in Kraft. Die Sexarbeit ist ein Thema, das nur schwer zu greifen ist und die Meinungen spaltet. Legal auf der einen Seite, moralisch verwerflich auf der anderen. In Deutschland hat man sich seit 2002 darauf geeinigt, die Prostitution endlich aus der gesetzlichen Grauzone zu holen und staatlich zu regulieren. Damit bekommen Prostituierte erstmalig einklagbare Rechte. Doch bedeutet diese Gleichstellung, dass moderner Menschenhandel von nun an gutgeheißen werden soll? Und: Kann die neue gesetzliche Regelung Prostituierte wirklich besser schützen? Ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Aber wie wird die Lage eigentlich von den Menschen bewertet, die tatsächlich in diesem Beruf tätig sind? Das fragte ich mich im Zuge meiner Recherchen. Und so kam es, dass ich mich mit Patricia traf. Sie betreibt den Escort-Service MeineBegleitung.de in München. Im Interview mit ihr habe ich versucht herauszufinden, wie es sich anfühlt, in so einer Branche tätig zu sein. Die besten Antworten bekam ich meist zwischen den Zeilen …

„Ich mache nur das, wonach gefragt wird“

Sie trägt einen pinken Schal und passende UGG Boots. Ansonsten ist sie ganz in Schwarz gekleidet. An ihrer Seite hat sie einen kleinen, weißen Hund. Er sieht aus, wie der aus der Cesar-Werbung. „Jenny!“, sagt die aus Tschechien stammende Frau. "Du darfst doch keine fremden Leute beschnüffeln. Die mögen das vielleicht nicht." Sie zieht den Hund an der Leine. Er lässt von der Dame am Nachbartisch ab und trottet zurück, um es sich zwischen unseren Beinen gemütlich zu machen, während wir unser Gespräch führen. Sie selbst war nie eine Escortdame, behauptet sie. Sie sei mehr oder weniger durch Zufall in diese Branche gekommen. Eigentlich sehe sie sich auch nicht als Puffmutter, sondern als Vermittlerin. Sie bringe Menschen zusammen. Wenn auch nur für begrenzte Zeit. Aber die Menschlichkeit sei ihr dabei sehr wichtig.

Im Escort gehe es nicht um Geld und schnellen Sex: „Es geht darum, die Seele des anderen zu berühren.“ Ob sich denn dabei auch einige verlieben, will ich von ihr wissen. „Es kann natürlich vorkommen“, meint sie. „Aber das ist eher selten. Man muss sich das so vorstellen: Wenn da zum Beispiel ein Direktor einer großen Firma ist, dann kann er sich mit einer Escortdame schlecht in der Öffentlichkeit präsentieren. Es wäre ihm unangenehmen, anderen gegenüber zuzugeben, wo er sie kennen gelernt hat. Da muss man ganz realistisch sein. In der Regel sind die Männer auf der Durchreise und haben zu Hause eine Familie. Da ist die Wahrscheinlichkeit, sich zu verlieben, sehr gering.“ Escort sollte man ihrer Meinung nach auch nicht hauptberuflich ausüben. Fast alle Frauen, die bei ihr freiberuflich tätig sind, haben einen Job, der nichts mit Escort zu tun hat. Sie sind also auch im „normalen“ Leben integriert. Das ist wichtig, findet Patricia: „Man muss immer die Möglichkeit haben, sich weiter zu entwickeln. Außerdem käme das beim Kunden nicht gut an, wenn die Frauen nichts weiter tun würden. In Deutschland sind sie Ansprüche höher als in Tschechien. An Bildung, aber auch an Geld. Neulich zum Beispiel, da hatte ich ein sehr schönes Vorstellungsgespräch. Die Dame erzählte mir, sie hätte bereits eine feste Arbeit und verdiene gutes Geld, aber sie habe sich vorgenommen, im nächsten Jahr Porsche zu fahren. Sie fahre jetzt schon einen Mercedes und wolle sich eben steigern. Dass jemand so frei ist und sich Ziele setzt, finde ich ein sehr gutes Motiv, um in den Escortservice einzusteigen. Außerdem sollten die Damen wissen, dass sie mit Männern gut können, dass es ihnen Spaß macht, auf ein Date zu gehen. Man sollte das einfach tun, weil man es liebt. Auf keinen Fall sollte man sich die Seele durch etwas verderben lassen, das man nicht gerne tut.“ Sie selbst liebe jedenfalls, was sie mache, und wenn Menschen sie dafür verurteilen, dann haben sie, ihrer Meinung nach, das Leben nicht verstanden. „Ich mache nur das, wonach gefragt wird“, sagt sie dazu. Was die Damen und Herren dann tun, müssen sie selbst verantworten. Sie sind schließlich erwachsen.“

"Escortdamen sehen sich nicht als Prostituierte"

Interview zum neuen Prostituiertenschutzgesetz
©Shutterstock/Diego Cervo
Was halten sie denn von dem neuen Prostituiertenschutzgesetz?

Manche Sachen finde ich gut, andere schlecht. Es ist auf jeden Fall nicht verkehrt, die Dinge geregelt zu haben. Zum Beispiel finde ich es nicht gut, wenn Frauen aus dem Osten herkommen. Die sprechen meist kein Wort Deutsch und gehen nur in den Escort, um Geld zu verdienen. Das wird durch die neuen Regelungen hoffentlich eingedämmt werden. Und das hoffentlich zugunsten der Frauen, die das hier machen, denn die machen das gerne und mit Schutz. Sie sehen die klare Linie darin.

Was ich nicht für gut heiße: Diese Frauen werden ab dato abgestempelt. Sie bekommen dann einen Ausweis, in dem drinsteht, dass sie das machen. Das geht dem persönlichen Ego doch zu nahe. Man möchte sich damit nicht identifizieren. Sie, zum Beispiel, sind Journalistin geworden, weil Sie das gerne machen und offensichtlich sind Sie mit Leib und Seele dabei. Also, sind Sie auch stolz darauf und sagen öffentlich, dass Sie Journalistin sind. Aber wer sagt schon gerne: Ich bin eine von der Straße? Ich glaube auch nicht, dass dann zwischen Escort und Domina unterschieden wird. Es werden wohl alle in einen Topf geworfen. Damit werden viele ein Problem haben.

Auch die, die es – wie Sie es vorhin ausgedrückt haben – gerne machen und sogar lieben? Die müssten doch eigentlich genauso stolz auf ihren Beruf sein, wie ich es bin?

Die auch ja.

Was stört sie denn daran?

Wenn zwischen Escort und Prostitution unterschieden würde, wäre es kein Problem. Aber, wenn tatsächlich "Prostituierte" in dem Ausweis steht, werden sie mit ihrem Ego kämpfen müssen.

Weil …?

Meiner Meinung nach sehen sich Escortdamen einfach nicht als Prostituierte. Sie müssen ja nicht an einem Tag mit fünf bis zehn Männern verkehren. Sie haben Zeit. Sie treffen sich quasi zu einem Rendezvous und es wird persönlicher. Man unterhält sich …

Die Gesundheitsuntersuchungen sind natürlich gut. Wobei ich mir sicher bin, dass die Damen auch jetzt schon darauf achten. Insbesondere, wenn sie Kinder haben.

Das kontrollieren sie aber nicht?

Nein, die sind ja selbstständig. Auch nach dem Gesetzt. Ich bin ja nicht bei dem Treffen dabei. Ich spreche das Thema allerdings offen an, ich sage, was sie tun sollen. Aber ob sie es letztendlich tun, ist ihre Sache.

"Dinge werden jetzt nur einfach offensichtlicher, die vorher verschleiert wurden"

Also, eigentlich ändert sich für Sie nicht viel durch das Gesetzt, oder?

Nein. Außer, dass ich dann eine Erlaubnis für das Unternehmen brauche. Letztendlich geht es ja nur um eine Vermittlung. Mehr mache ich nicht. Mehr kann ich auch nicht machen. Ich habe eine Plattform. Das hat ein Immobilienmakler auch. Der einzige Unterschied ist, dass es hier um Menschen geht und das andere sind natürlich Gebäude, also etwas, das nicht lebendig ist. Aber im Grunde genommen ist es egal. Das ist beides Vermittlung.

Verstehen sie mich nicht falsch. Ich liebe die Menschen. Ich will sie nicht abwerten. Das steht mir auch nicht zu. Letztendlich muss ich sie um mich haben und ich bin nur gemeinsam mit den Menschen stark. Ohne sie könnte ich das Geschäft zu machen. Wir müssen eine Symbiose bilden, und je stärker die Beziehung ist, umso besser ist das Geschäft.

Meinen sie, es wird Frauen geben, die sich durch das Gesetzt davon abhalten lassen werden, in den Escortservice einzusteigen?

Ich kann mir vorstellen, dass es Agenturen gibt, die aufgrund des Gesetzes dichtmachen. Aber auch einige Damen werden vielleicht deswegen aufhören. Ich gehe so von 20-30 Prozent aus. Vielleicht warten einige auch ab, schauen sich das an und sehen dann, dass es gar nicht so schlimm ist. Vielleicht kommen einige zurück. Aber am Anfang wird es für manche schwierig sein. Der Ausweis wird ein KO-Kriterium werden.

Ich habe auf Ihrer Website gesehen, dass da der Name einer Jugendschutzbeauftragten steht. Was hat es damit auf sich?

Ach, das ist eine reine Formalität. Seiten wie meine müssen so etwas haben. Die Dame wurde eingetragen und fertig. Meiner Meinung nach ist das reine Geldmacherei.

Tut sie irgendwas?

Nein. Und auch diese Sperre ab 18 Jahren ist lächerlich. Wenn jemand auf den Button klickt, dass er über 18 ist, kommt er ja trotzdem auf die Seite. Das ist alles nur Schein. Und letztendlich gibt es ja keine Pornoinhalte zu sehen. Sie hat mich auch noch nie angewiesen, irgendetwas zu löschen. Wir zahlen Gebühren an sie. Sie gab ihren Namen her und das ist alles.

Mit dem Prostituiertenschutzgesetz werden sich gewisse Sachen ändern. Da werden einige Texte angepasst werden müssen. Aber das ist die einzige Einschränkung. Außerdem wird es keine Trennung mehr zwischen einem Dinner Date und Private Time geben. Manche Gäste sagen, sie brauchen mehr Zeit. Sie wollen vorher essen gehen und etwas unternehmen, bevor es zur Sache geht. Und dann buchen sie Dinner Time. Aber wenn jemand sechs Stunden bucht, kann er genauso vorher mit der Dame essen gehen. Dinge werden jetzt nur einfach offensichtlicher, die vorher verschleiert wurden.

"Frauen sind emotionaler als Männer"

Können Sie mir etwas über Ihre Kavaliere erzählen und wie die Dates da ablaufen? Gibt es da Unterschiede zu den Damen. Was sind das für Frauen, die sich einen Kavalier buchen?

Da Frauen – meiner Meinung nach – emotionaler sind, gibt es da schon Unterschiede. Die meisten Frauen, die einen Kavalier buchen, sind entweder nüchterne Geschäftsfrauen, die sich sagen: Ich bin gerade alleine. Ich mache das jetzt genauso wie ein Mann, wenn ich den Abend mit jemandem zusammen verbringen will und buche mir jemanden.

Oder es sind gekränkte Frauen, die sich sagen: Mein Mann hat mich betrogen und jetzt räche ich mich. Oder der Ex-Freund läuft ihnen noch nach und dann wollen sie ein Alibi. Oder sie wollen einfach mit einem Mann in der Öffentlichkeit gesehen werden. Also bei den Frauen sind schon buntere Geschichten dabei. lacht

Aber die meisten haben emotionalere Gründe als die Männer?

Ja, genau. Neulich kam eine, die sagte vorher ganz klar, dass sie sich nicht verlieben will. Sie sei schließlich Geschäftsfrau. Sie hat sich einen Kavalier gebucht und war dann trotzdem sofort verliebt. Beim zweiten Treffen hat sie es ihm gesagt. Daraufhin meinte er, dass er nicht auf der Suche nach einer Frau sei. Das sei ein Job und nicht mehr. Wenn er zu einem Date mit ihr gehe und seine kostbare Zeit dafür opfere, dann wollte er das auch honoriert haben.

Also, dass sich ein Kavalier verliebt, kommt eher selten vor?

Das habe ich noch nie erlebt.
 
Sind Sie der Meinung, Männer können zwischen Gefühl und Sex eher trennen als eine Frau?

Ich glaube schon. Oft sagen die Gäste bei den Dates: "Ah, wir sehen uns wieder", und sind sehr euphorisch. Alles ist schön, und sobald sie sich aus den Augen verloren haben, buchen sie das nächste Mal eine andere Dame.

Sind die Damen dann enttäuscht?

Ja, ich glaube schon. Ich denke, dass die Frauen sich tatsächlich auf das Wort des Mannes verlassen. Sie sagen Dinge wie: "Ich buche dich nächstes Mal wieder" oder "wir machen dieses und jenes, wenn wir uns wieder sehen" … und dann passiert es nicht. Schade eigentlich. Dann wäre es besser, sie hätte von vornherein nichts gesagt und den Damen keine falschen Hoffnungen gemacht.

Nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Wahrscheinlich. Dann kommt der Alltag zurück, die Realität und die Familie. Oder sie vergessen das schnell und sagen sich: Ich habe die Gelegenheit, jemand anderen zu buchen. Ich mag die Abwechslung und es ist ja so einfach über die Seite. Mit einem Klick hat man eine andere Frau gewählt …

Das kann man jetzt gut oder schlecht finden. Ich danke Ihnen jedenfalls für Ihre ehrlichen Antworten.

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