Die Zeiten, als das Dirndl als altmodische Deutschtümelei verschrien war, sind lange vorbei. Das „farbenfrohe Kleid aus eng anliegendem Oberteil und weitem Rock, das klassisch mit Bluse und Schürze kombiniert wird“, ist längst zum Kultstück geworden, das in immer neuen Varianten, Farben, Mustern und Stilen daherkommt. Das gefällt den Traditionalisten natürlich nicht, die die Trägerin von Dirndl mit Tüll, Brokat oder sogar Totenkopfaufdruck auch mal als „Faschingstrachtlerinnen“ abkanzeln. Aber so schön der Traum vom „echten“ Dirndl und Tracht auch ist, Wirklichkeit war er nie, denn traditionell ist am Dirndl so gut wie gar nichts.
Das Dirndl hat nämlich laut den Hollmer-Frauen wenig mit dem zu tun, was man unter Tracht versteht. Es war vielmehr ein einfaches Arbeitskleid, hat sich nur an regionale Trachten angelehnt und hat seine Bedeutung als Kulturgut erst bekommen, als die Sommerfrischlerinnen scharenweise aus der Stadt zur Erholung aufs Land flohen. Für sie war das Dienstbotenkleid die Erfüllung des Traums vom glücklichen Landleben. Und nun ist es ein Abenteuer, ein Glücksversprechen in Stoff, der Gegenentwurf zur unveränderlichen, traditionellen Tracht.
Im Gegensatz zur Tracht ist das Dirndl auch kein Zeichen der Abgrenzung. Es ist „Eintrittskarte und Mitgliedsausweis“, im Dirndl gehört die Australierin oder Chinesin genauso dazu, wie die Münchnerin und Tölzerin. Die Party-Uniform stärkt schlicht das Zusammengehörigkeitsgefühl beim Feiern.