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Interview mit Oren Lavie: “Bedroom crimes”

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Oren Lavie verrät im Interview zu seinem neuen Album „Bedroom Crimes“, warum er sein Schlafzimmer so gerne mag, wie es sich anfühlt, ein „Second Hand Lover“ zu sein und was sein schlimmstes Schlafzimmer-Verbrechen ist …

"Die meisten Ideen kommen mir im Schlaf"

Interview mit Oren Lavie zum Album “Bedroom crimes”
Oren Lavie © Sony Music
2009 erreichte ein Video-Clip namens Her Morning Elegance die Welt außerhalb von Israel, dem Land, das dem 40-jährigen Oren Lavie als Heimat dient. Der Kurzfilm, den der charmante Künstler in Stop-Motion-Technik inszenierte, war zum Erfolg „verurteilt“, wurde zum Online-Hit, verzeichnete über 30 Mio Aufrufe bei YouTube und bescherte ihm eine Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best Short Form Music Video“. So lernte die große Welt den begabten Israeli kennen: als Sänger, Songwriter und Videoregisseur zugleich. Das Thema des Kurzfilms war die Übergangsphase vom Unterbewussten zum Bewusstsein, die man kurz vor dem Aufwachen durchlebt. War? Es IST ein Thema für Oren Lavie auch heute noch: Er sagt, er finde Träume extrem interessant und bekomme viele seiner Ideen im Schlaf. Und er möge Schlafzimmer…

Bedroom Crimes

Interview mit Oren Lavie zum Album “Bedroom crimes”
Bedroom Crimes © Sony Music
So scheint es keinesfalls ein Zufall zu sein, dass sein neues Album ausgerechnet Bedroom Crimes heißt, aufgeteilt in zwei Akte, bestehend aus elf Szenen, aufgenommen am eigenen Klavier in den eigenen vier Wänden von Oren Lavie. Jede der elf Song-Szenen bildet einen isolierten Moment ab, in dem jeweils ein „Verbrechen des Herzens" verübt wird. Sagt Oren „Verbrechen“, meint er Gefühle, „die wir vor den Menschen, die uns nahestehen, verbergen. Oder jene, die wir passiv auf sie projizieren, wie Angst, Eifersucht, Hass… und auch Liebe.

Wie dem auch sei: Die gesungene Szenensammlung gibt Stoff zum Nachdenken.

Klang Her Morning Elegance leicht und unbekümmert, kommt auf dem neuen Album die zarte Melancholie zum Vorschein, die unter die Haut geht. Die Texte sind ein Mix aus einem Hauch Nostalgie, einer guten Portion Traurigkeit und einem leichten Schatten des Abschieds-Schmerzes … So entstehen kleine gesungene Werke, die das Herz erreichen, im Kopf bleiben und sich auf der Zunge drehen. Als eine leichte Summ-Melodie. Oder als ein Satzfetzen, der im Ohr schwingt:

Did you really say no-o?
Well, I thought you meant ye-es
There were shadows in your hair
There were flowers on your dress …

Die Titel wie Look at her Go, Second Hand Lovers oder Autopsy Report sprechen für sich. Der Aufmacher-Song Did you really Say No, im Duett mit der bezaubernden Vanessa Paradis, mit ihrer kindlich-zarten Stimme, ist brillant – besser hätte keine andere Frauen-Stimme zu der samtig-weichen, tief-männlichen Lavie‘s Stimme gepasst. Die Schluss-Komposition Note To Self ist eine Anreihung an Versprechen an sich selbst, ein Katalog an Lebensweisheiten, die gelebt werden wollen, von Oren selbst. Von uns allen? Die Frage nach der wahren Liebe – und wie sie sich anfühlt – bleibt unbeantwortet ...

Und dennoch sind alle Songs voller Harmonie und Zuversicht. Am Horizont geht die Sonne auf, sie wärmt und gibt Hoffnung. Ebenso wie Her Morning Elegance als Bonus Track! Doch trotzdem möchte ich wissen, was sich im Leben von Oren Lavie seit dem sonnig-fröhlichen Erfolgs-Video geändert hat – und stelle ihm ein paar Fragen im Interview.

Oren Lavie im Interview

WomenWeb: Am Anfang war der Erfolg mit Her Morning Elegance, einem Clip, der Dich in der Welt bekannt gemacht hat. Was war das Geheimnis dieses Erfolgs? 

Oren Lavie: Es begann mit einem Song, welcher Menschen berührt hat, glaube ich. Ich habe viele Messages erhalten, mit der Nachricht, dass er den Leuten durch die schweren Zeiten hinwegzukommen half. Ich glaube, es lag in erster Linie am Text. Aber auch die Melodie hatte etwas Hoffnungsvolles in sich. So entstand die Magie dieses Video-Clips – es war auch für mich überraschend! Es ist meinem Kollegen und mir gelungen, das Leben als einen Traum zum Ausdruck zu bringen. Es war so kraftvoll, dass wir selbst etwas schockiert waren. Und ich denke, Leute mochten den Song genauso, wie wir selbst.

Nun zu Deinem neuen Album Bedroom Crimes! Du sagst, die kreativen Ideen kommen Dir im Schlaf. Wie viele Stunden verbringst Du denn täglich in Deinem Schlafzimmer?

OK, ich bin ein großer Schläfer und brauche acht Stunden, wenn ich wie ein Mensch funktionieren soll. So habe ich genug Zeit zum Träumen. Ich liebe es auch, im Bett zu lesen. Ich höre Musik im Bett. Ich schaue mir Podcasts im Bett an. Die meisten Ideen kommen, kurz bevor ich einschlafe oder direkt nachdem ich aufgewacht bin. In dieser Zeit verschmelzen Realität und Träume miteinander!

Vom Schlafzimmer-Fenster-Blick und dem Sinn und Zweck des Lebens

Interview mit Oren Lavie zum Album “Bedroom crimes”
Oren Lavie © Sony Music
Warum magst Du Schlafzimmer so gern? Was gefällt Dir an Deinem am besten?

Ich liebe mein Schlafzimmer-Fenster. So stelle ich das Bett immer im anderen Blickwinkel zum Fenster hin, um so alle paar Wochen eine neue Aussicht vom Bett aus zu haben.


Was inspiriert Dich außer dem Schlafzimmer zu Deinen Songs?

Das Verhalten von Menschen. Ich liebe es, Leute zu beobachten, ich denke über sie nach … Ich bin nicht besonders gut darin, Zeit mit Menschen zu verbringen, aber ich bin ein guter Beobachter.

Das neue Album vermittelt mir das Gefühl, Du wärest auf der Suche nach etwas Wichtigem in Deinem Leben … Wonach suchst Du?

OK, ich glaube, ich suche nach Sinn und Zweck zu leben – zu leben jenseits des Überlebens. Für mich ist das Schreiben und Kreieren von neuen Dingen, das Setzen dieser Dinge in die Welt so ein Sinn und Zweck. Jeden Tag schreibe ich etwas Neues auf – eine Idee, die es noch nie gab. So habe ich das Gefühl, zu etwas Realem beizutragen. So „erkaufe“ ich mir einen neuen Lebenstag.

Das Leben durch den Filter des Klaviers

Das neue Album hast Du komplett bei Dir zuhause aufgenommen. Ist Bedroom Crimes eine Art Einladung zu Dir nach Hause? In Dein Herz?

Das könnte eine Einladung zu meiner Weltanschauung sein. Denn mein Zuhause ist der Ort, wo ich alles verarbeite, was ich draußen entdeckt habe. Dann lasse ich das Erlebte am späten Abend durch den Filter meines Pianos durch. Das, was dabei rauskommt, ist die Art, wie ich die Realität sehe. So denke ich, das neue Album ist nicht das, was mit mir passiert, sondern das, was mit anderen Leuten geschieht.

Aus Deinen Liedern höre ich sehr viel Melancholie heraus. Bist Du ein Melancholiker? Welche anderen Eigenschaften treffen auf Dich am besten zu?

Ich bin ein Workaholic und gleichzeitig sehr faul, optimistisch, leicht emotional und kann leicht abschalten. Bei den alten Disney Movies weine ich zum Beispiel.

Vanessa Paradis sagt "Yes"

Interview mit Oren Lavie zum Album “Bedroom crimes”
Vanessa Paradis und Oren Lavie © Sony Music
Did you really Say No: Warum hast Du Vanessa Paradis für dieses Duet ausgesucht? Welchen anderen Künstler hättest du gewählt, wenn Vanessa zu Dir in der Tat “NO” gesagt hätte?

Der Song war für sie bestimmt. Da sie es mitgemacht hat, kann ich mir an ihrer Stelle niemand anderen mehr vorstellen.

Second Hand Lovers: Warst Du schon mal so eine Art „second-hand Lover“? Was Genau meinst Du mit diesem Song?

Ich glaube, es war mehr die Angst, mal einer zu sein. Ich glaube, du bist erst dann mit „second-hand“ etikettiert, wenn du dich selbst so fühlst. Natürlich hat man manchmal Zeiten, wenn man sich nicht besonders stark oder interessant oder als was Besonderes fühlt. So können wir uns wie ein second-hand Lover bzw. Person fühlen – das ist nicht das beste Gefühl. Von Zeit zu Zeit fühlte ich das auch. Doch war es fast nie wegen der Person, die mit mir zusammen war, sondern mehr, wie ich mich fühlte.

Bedroom Crimes und wahre Liebe

Sonata Sentimental #2 / Bedroom Crimes: Was ist das schlimmste Verbrechen, das Du mal im Schlafzimmer erlebt hast?

Das muss der Fall gewesen sein, als ich nach dem fettigen chinesischen Essen ins Bett gegangen bin, ohne mir die Zähne geputzt zu haben!

Something Real / Did You Feel It Too?
Wie fühlt sich wahre Liebe an?


Sonata Sentimental #3 I Dream Of The Water Woman: Wer ist “Water Woman”?

„Water Woman“ ist ein Mädchen, das ich mal kannte. Das Mädchen fühlte sich so, als wäre es ein Wasserwesen. Dieser Song ist mein Abschied von diesem Mädchen.

Interview mit Oren Lavie zum Album “Bedroom crimes”
Oren Lavie © Sony Music
Du bist Regisseur, Sänger & Songwriter, Komponist und Schriftsteller zugleich… Wenn Du Dich eines Tages für eines Deiner Talente entscheiden müsstest, welches würdest Du nehmen?

Ich würde nie nur eines wählen wollen. Ich bin glücklich, sie alle zu haben. Ich muss sie alle ausleben! Ich würde depressiv werden, wenn ich eines wählen müsste … Glücklicherweise fließen diese Talente ineinander.

The Bear Who Wasn’t There: Was ist die Hauptidee Deines Kinderbuches? Warum schreibst Du für Kinder?

Das Buch ist die Reise eines Bären auf der Suche nach Identität. Diese findet er in Reaktionen von Menschen und Tieren um ihn herum und auch darin, was er denkt, dass sie denken. Ich schreibe gerne für Kinder, weil ich glaube, dass sie die reinsten Denker sind. Und wenn du etwas Wahrhaftes schreibst, reagieren sie gleich darauf, indem sie es zum Teil ihrer emotionalen Welt machen.

Wenn Du mal ein Buch für Erwachsene schreiben würdest, was wäre das Hauptthema?

Menschen und wie sie aufeinander reagieren ist immer mein Hauptthema. Die Geschichten verändern sich, doch das Thema bleibt: Ich würde zuerst eine Person suchen, die mich beschäftigt, und würde ihr dann etwas Kompliziertes zum Managen geben. Und dann würde ich beobachten, was mit dieser Person passiert, während sie sich durch diese Sache durcharbeitet …


Danke für das Interview, Oren!
 
 

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