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Wechseljahresbeschwerden als Chance?

Forscher diskutieren präventiven Nutzen der Hormontherapie

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Die Zeiten, in denen Frauen Angst vor Hormonen haben mussten, sind vorbei. Vielmehr scheint der Hormonausgleich in den Wechseljahren auch präventiven Nutzen zu haben.

Wie Experten bei der Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft berichteten, kann eine Hormontherapie (HRT) nicht nur die Knochen vor Osteoporose, sondern auch die Gefäße vor Ablagerungen schützen. (1)

2002 hatte die WHI-Studie die Anwendung von Hormonen mit gesundheitlichen Schäden in Verbindung gebracht. Die Verordnung war danach um 80 Prozent zurückgegangen. (2) Doch eine wissenschaftliche Neubewertung zeigte jüngst: Die Studienergebnisse waren jahrelang falsch gedeutet worden. Führende Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) (2) und die Deutsche Menopause Gesellschaft (DMG) sind sich einig: Der Nutzen einer Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden übersteigt bei frühem Beginn in der Regel die zu erwartenden Risiken. (2)

Immer mehr Hinweise auf präventive Effekte

Präventiver Nutzen der Hormontherapie
© SPR/Thinkstock/GettyImages/Pablo_K
Aktuell sehen die gynäkologischen Leitlinien eine Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden vor – wie moderate bis starke Hitzewallungen, aber auch Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Depressionen, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Muskel- und Gelenkschmerzen und nachlassende Leistungsfähigkeit. Von diesen sind etwa ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren betroffen. Ein vom Arzt verordneter Hormonausgleich kann diese Östrogenmangel-bedingten Symptome oft wirkungsvoll lindern. Zudem gibt es aber auch immer mehr wissenschaftliche Hinweise darauf, dass eine Hormontherapie nicht nur das Diabetes- und Osteoporose-Risiko senkt (3), sondern auch bei frühem Therapiebeginn das Risiko von Frauen für koronare Herzerkrankungen wie Herzinfarkte reduzieren kann. (4)

Östrogene schützen die Blutgefäße der Frau

Was viele Frauen nicht ahnen: Östrogene sind gewissermaßen die „Bodyguards“ ihrer Gefäße und machen sie in fruchtbaren Jahren weniger anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als zum Beispiel Männer es sind. Sinken jedoch in den Wechseljahren die Östrogenspiegel, verlieren die Blutgefäße mehr und mehr an Elastizität und können sich bei körperlicher Belastung schlechter dehnen. Zudem hat der Östrogen-Rückgang auch noch weitere Risikofaktoren zur Folge, die Frauen anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden lassen. So lagern sich überflüssige Pfunde in und nach den Wechseljahren bevorzugt als ungesunde Fettpolster in der Bauchregion an und der Zuckerstoffwechsel verschlechtert sich. Zudem steigen die Blutfettwerte sowie der Blutdruck und es bilden sich gefährliche Ablagerungen an den Gefäßwänden.

Weniger Gefäßverkalkung durch rechtzeitigen Hormonausgleich

Präventiver Nutzen der Hormontherapie
© SPR/Thinkstock/GettyImages/Wavebreakmedia Ltd
Wie eine Studie an 4.200 Frauen in den USA zeigte (5), weisen Frauen, die sich einer Hormontherapie unterziehen, deutlich weniger Kalkablagerungen in den Gefäßen auf. Da das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall aber umso geringer ist, je weniger verkalkt die Gefäße sind, ist es nicht verwunderlich, dass die Sterblichkeitsrate auf lange Sicht mit einer Hormontherapie niedriger ausfiel als ohne. (5) Voraussetzung hierfür sind ein frühzeitiger Beginn und gesunde Gefäße. Denn Östrogene können zwar vor Gefäßveränderungen schützen und scheinbar auch die Gefäßverkalkung verlangsamen, sind bei bereits geschädigten Gefäßen jedoch wirkungslos oder gar gefährlich. Daher sollten sich vor allem Frauen, deren letzte Regelblutung bereits vor dem 45. Lebensjahr eingetreten ist oder deren Eierstöcke bzw. Gebärmutter entfernt werden mussten, vor Beginn einer Hormontherapie in späteren Jahren idealerweise einer Gefäßuntersuchung unterziehen.

Transdermale Anwendung bietet die geringeren Risiken

Doch nicht nur der richtige Zeitpunkt, auch die Darreichungsform ist entscheidend. Rund 75 Prozent der Frauenärzte (3) verordnen bevorzugt die transdermale Anwendung von Hormonen über die Haut, zum Beispiel mit einem Östradiol-Dosiergel. Denn im Vergleich zur Einnahme von Hormontabletten weist die transdermale Hormontherapie mit Östradiol das günstigere Nutzen-Risiko-Verhältnis auf. Eine dänische Beobachtungsstudie mit rund 980.000 Frauen belegte, dass das Schlaganfall-Risiko bei der Anwendung über die Haut nicht erhöht wird, während es durch die Einnahme von Östrogen-Tabletten leicht steigt. (6) Experten plädieren daher dafür, Wechseljahresbeschwerden so oft wie möglich transdermal zu behandeln – vor allem auch bei älteren oder übergewichtigen Patientinnen. Auch das Thrombose-Risiko steigt bei der Anwendung von Hormonen über die Haut nicht an.

Östradiol als Gel individuell, präzise und niedrig dosieren

Präventiver Nutzen der Hormontherapie
© SPR/Thinkstock/GettyImages/Wavebreakmedia Ltd
Das Hormon Östradiol wird bei einer transdermalen Hormontherapie täglich, meist in Form eines Dosiergels, auf die Haut der Arme oder Schultern aufgetragen. Der Wirkstoff wird in der Unterhaut gespeichert und von dort über 24 Stunden gleichmäßig in den Blutkreislauf abgegeben. Das Gel ist unsichtbar, gut verträglich und zieht rasch ein. Im Gegensatz zu Hormonpflastern, kann die Wirkstoffmenge in Rücksprache mit dem Frauenarzt präzise, individuell an den Bedarf angepasst und möglichst niedrig dosiert werden. Wichtig: Zum Schutz vor Wucherungen und unkontrollierten Blutungen sollten Frauen mit intakter Gebärmutter zusätzlich ein Gestagen einnehmen. Besonders empfehlenswert ist dabei natürliches mikronisiertes Progesteron, das – anders als synthetische Gestagene – nicht den positiven Effekt von Östradiol auf die Blutgefäße abschwächt.

Weitere Informationen gibt es unter www.hormontherapie-wechseljahre.de

Quellen:
(1) Symposium „Präventiver Einsatz der HRT – wieder eine Option?“, Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft, Frankfurt, 18.11.2017
(2) DGE: Trendwende in der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden – Neubewertung älterer Studien spricht jetzt für Hormontherapie, 24.08.2017; Mueck A et al. Anwendungsempfehlung zur Hormonsubstitution in Klimakterium und Postmenopause. Frauenarzt. 2015;56(8): 657-660
(3) Birkhäuser M et al.: 10 Jahre Women’s Health Initiative (WHI): Was haben wir gelernt? Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2013; 7(4) (Ausgabe für Österreich), 6-19
(4) Heufelder A.: Kardiovaskuläre und neurologische Prävention: Nützt oder schadet der
Verzicht auf eine HRT?, Vortrag beim Symposium „Präventiver Einsatz der HRT – wieder eine Option“ im Rahmen der DMG-Jahrestagung 2017
(5) Yoav Arnson et al.: Hormone Replacement Therapy is associated with less coronary atherosclerosis and lower mortality; Journal of the American College of Cardiology, Volume 69, Issue 11 Supplement, March 2017, DOI: 10.1016/S0735-1097(17)34797-6; http://www.onlinejacc.org/content/69/11_Supplement/1408
(6) Lokkegaard E et al.: Risk of Stroke With Various Types of Menopausal Hormone Therapies A National Cohort Study; Stroke. 2017;48:2266-2269. DOI: 10.1161/STROKEAHA.117.017132.

 
 

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