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Ratgeber für alleinerziehende Mütter

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Es allen recht machen – von Nerven und Grätschen

Ratgeber für alleinerziehende Mütter
© Yuri Arcurs/Shutterstock.com
Wie behält man als Alleinerziehender am besten seine Nerven?

Lili Stollowsky:
Die Nerven als Alleinerziehende/r behält man am besten dadurch, dass man sich immer wieder vor Augen führt, dass Kinder sehr schnell groß werden und alle Probleme vorübergehen. Dass es immer Lösungen (zur Not auch Hilfe bei der Erziehungsberatung) gibt und dass die Kinder vor allem das Wunderbarste, Kostbarste, Beste und Lustigste sind, was wir in unserem Leben haben!


Ist es schwierig, als Single-Mama unter der hohen Verantwortung und der ganzen Arbeit mit den Kindern sich noch des Glücks bewusst zu werden?

Lili Stollowsky:
Ich glaube, sich des Glückes bewusst zu werden, ist in diesem besonders anstrengenden Alltag manchmal nicht leicht. Pausen machen ist ganz wichtig. Das Wichtige vom Unwichtigen trennen ebenso. Sich Hilfe holen. Mal in den Urlaub fahren. Im Heute leben - ganz wichtig! Und lernen, immer wieder Fünf gerade sein zu lassen!


Würden Sie Single-Müttern empfehlen, auf einen Job eher zu verzichten?

Lili Stollowsky:
Nein, ich würde niemals raten, auf einen Job zu verzichten. Vielleicht, wenn die Kinder noch ganz klein sind, bis drei/vier Jahre, um diese kostbare Kleinbaby-Kinderzeit nicht zu verpassen. Aber danach: Niemals. Kein Job heißt kein Geld und demnach Sozialamt. Niemand belohnt das. Frauen sind ohnehin durch diese viel gerühmte "Familienphase" beruflich benachteiligt. Es hat sich in den letzten dreißig Jahren da auch nicht wirklich etwas verändert. Ich würde IMMER dazu raten, sich beruflich - wenn man nicht kinderkompatibel arbeiten kann - zumindest WEITERZUBILDEN. Schulabschlüsse nachmachen, spezielle Mütterförderungen in Anspruch nehmen, studieren oder ähnliches. Es gibt spezielle Angebote für Mütter an den Abendgymnasien. Studieren lässt sich auch mit Kind, es gibt an jeder Uni Beratungsstellen für Mütter, vor allem alleinstehende Mütter. Fortbildungen machen. Die Kinder sind schnell groß und dann hat man als Frau den Anschluss verpasst. Nicht den Männern das Feld überlassen!

Single-Management

Wann würden Sie eine Trennung der Ehepartner als erstes Mittel der Wahl betrachten?

Lili Stollowsky:
Eine sofortige Trennung der Ehepartner würde ich auf jeden Fall bei Gewalt in der Ehe vornehmen. Leider gibt es genug von diesen Fällen, auch bei Alkoholismus und natürlich bei sexuellem Missbrauch sofort! Mütter müssen sich schützend vor ihre Kinder stellen! Wenn Mütter das nicht tun, sind sie Mittäterinnen. Es gibt viele Beratungsstellen, Frauenhäusern etc. an die sich Mütter wenden können, wenn die Situation anfängt zu eskalieren!
Einem Mann, der sich weigert beim Abwasch zu helfen, würde ich erstmal anders Beine machen. Und nicht sofort die Scheidung einreichen.


Hat das Single-Management vielleicht manchmal auch Vorteile?

Lili Stollowsky:
Klar, hat das Single-Mama-Dasein auch Vorteile! Man ist (und wird nicht) zu einem blassen Hausmütterchen, das abends Papi die Pantoffeln bringt!
Man lernt, selbständig zu sein, eigenständig Entscheidungen zu treffen und den Weg nach Hause alleine zu finden. Ich wäre nicht die, die ich heute bin, wenn ich eine brave Ehefrau geblieben wäre! Der Göttin sei Dank! In diesem Zusammenhang ist auch die Vorbildfunktion für die Kinder wichtig: Mein Sohn, heute 28, weiß, dass Frauen auch alleine denken, handeln, entscheiden und leben können. Er hat gelernt, dass Frauen mindestens genauso viel leisten können wie Männer und dafür jeden Respekt verdienen.


Sind Kinder von Alleinerziehenden gesellschaftlich stärker benachteiligt?

Lili Stollowsky:
Ich denke, dass die Kinder von Alleinerziehenden sicher gesellschaftlich benachteiligt sind. Wir Alleinerziehenden bekommen zwar schneller einen Kindergarten- oder Hortplatz, da wir als "Problemgruppe“ bevorzugt werden, aber es ist kränkend und demütigend per se eine Problemgruppe zu sein. Die Benachteiligung ist subtil. Im Kindergarten, Hort oder der Schule werden die Kinder von Alleinerziehenden viel kritischer betrachtet, in dem Sinne, dass wirklich jedes Problem der Kinder auf die einseitige Erziehung geschoben wird, das ist nicht richtig. Wir sind völlig normale Familien und wollen einfach völlig normal behandelt werden. Es hat etwas Stigmatisierendes. Und natürlich kursiert immer noch das Gerücht, dass aus den Kindern von Alleinerziehenden nichts „Gescheites“ wird, weil ja der Vater fehlt. Alles Unsinn!
Nach den neuesten Untersuchungen sind die Kinder von Alleinerziehenden oft weitaus lebenstüchtiger und selbständiger, gesünder und lustiger als Kinder aus Familien, in denen Vati immer noch den Familienboss spielt und vor dem alle (inklusive Mutti) kuschen müssen.
Eine Benachteiligung ist sicher und auf jeden Fall die Armut. Zwei Drittel aller Alleinerziehenden beziehen (zumindest übergangsweise) Sozialgeld und als Sozialhilfeempfänger hat man immer (ob als Kind oder Erwachsener) Benachteiligungen. Politische Änderungen wären hier dringend nötig.

 
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