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Die Billig-Lüge

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Interview mit Franz Kotteder - Teil 1

Die Billig-Lüge
Franz Kotteder © Andrea Kästle
Womenweb.de:Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über die Tricks und Machenschaften der Discounter zu schreiben?

Franz Kotteder: Ich fand es immer schon etwas merkwürdig, dass gar nicht schlecht verdienende Bekannte im Billigdiscounter ganz begeistert auf Schnäppchenjagd gingen, und habe mich gefragt, woher diese Lust am Knausern kommt. Und dann habe ich mich gewundert, warum die deutschen Herren des Discounts zu den reichsten Menschen der Welt zählen, obwohl sie ja angeblich alles so superbillig verkaufen, dass man fast glauben möchte, sie verzichteten auf Profit, aus reiner Nächstenliebe. Da kann natürlich was nicht stimmen, und das macht doch neugierig. Die Idee, daraus ein Buch zu machen, kam dann allerdings vom Droemer Verlag in Gestalt meines Lektors Klaus Fricke.

Was ist Ihr Hauptanliegen mit "Die Billiglüge"?
Dem Leser Hilfen bei der Kaufentscheidung zu geben. Und zwar natürlich besonders jenen Lesern, die nicht unbedingt jeden Cent umdrehen müssen und letztlich auch bereit sind, ein wenig Verantwortung zu übernehmen. Auch im eigenen Interesse. Viele wissen ja oft gar nicht, dass beispielsweise das billige Suppenhuhn meist nichts anderes ist, als die mit Pharmaka aller Art vollgepumpte Legehenne aus der Batterie, oder dass Schokolade oft nur deshalb so günstig ist, weil der Rohkakao dafür von Kindersklaven an der Elfenbeinküste geerntet wird. Viele Verbraucher würden anders einkaufen, wenn sie mehr Hintergründe wüssten. Und letztlich geht es darum, zu sehen, dass jede Ware einen bestimmten Wert hat, für den man eben auch bezahlen muss und dass es nicht ohne Schaden immer noch billiger gehen kann.

Was waren Ihre Erfahrungen bei der Recherche? Woher haben Sie Auskünfte erhalten? Wie haben sich die Discounter bei Recherche-Anfragen verhalten?
Die meisten Discounter antworten gar nicht oder höchst spärlich auf Recherche-Anfragen. Ihrer Ansicht nach kostet das nur Zeit und Geld und bringt nichts ein. In der Regel reagieren sie auf kritische Fragen überhaupt nicht. Aber es gibt natürlich eine Vielzahl von Quellen und zahlreiche Berichte, nicht nur von Gewerkschaften, sondern auch von Organisationen wie Greenpeace oder der „Kampagne für saubere Kleidung“. Wenn man das alles zusammenträgt, ergibt sich ein recht aufschlussreiches Bild, wohin es mit unserer Billig-Gesellschaft geht.

Stimmt denn das Preis-Leistungs-Verhältnis der Discounter Ihrer Recherche nach?
Das ist unterschiedlich. Von der Qualität her sind die meisten Lebensmittel sicher nicht schlechter als im normalen Supermarkt – sieht man mal von den ganzen Nebenwirkungen wie industrielle Tierproduktion, Billig-Löhne für Angestellte und Preisdruck auf Erzeuger und Lieferanten ab. Bei den so genannten „Aktionswaren“ wie Bohrhämmer oder Rauchmelder sieht das schon anders aus. Da ist oft viel Schrott dabei; Waren, die ihr Geld einfach nicht wert sind.

Sind faire Preise überhaupt realisierbar?
Langfristig sind sie sogar überlebensnotwendig. Wenn die Dumpingpreise unsere Landwirtschaft kaputtmachen, kann das nicht in umserem Interesse sein. Andere Waren können nur deshalb so billig sein, weil sie mit ausbeuterischen Methoden in Schwellenländern produziert werden. Das werden sich die Beschäftigten dort aber auch nicht in alle Ewigkeit gefallen lassen. Irgendwann schlägt das Pendel sicher zurück.
 
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