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Die Billig-Lüge

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Interview mit Franz Kotteder - Teil 2

Wie gehen die Discounter mit Ihren Angestellten um?
Discounter sparen an allen Ecken und Enden, um trotz niedriger Preise noch einen ordentlichen Schnitt zu machen. Natürlich auch am Personal. Die Filialen sind dünn besetzt, unbezahlte Mehrarbeit vor und nach der Öffnung des Ladens wird vorausgesetzt, und wer nach Tarif zu teuer wird, weil er schon zu lange dabei ist, fliegt raus und wird durch einen Billig-Jobber ersetzt. Manche Chefs arbeiten da wirklich mit harten Bandagen bis hin zum Mobbing. Und nachdem das fast durchgängig so praktiziert wird, kann mir niemand erzählen, es handele sich nur um bedauerliche Einzelfälle. Da steckt schon ein System dahinter.

Wo kommen die Waren überhaupt her, die wir im Discounter zum Schnäppchenpreis ergattern?
Zum Teil handelt es sich um ganz normale Markenware, die in großen Mengen unter anderem Etikett hergestellt wird. Zum Teil kommt sie aber auch aus der Dritten Welt oder aus Schwellenländern wie Rumänien, Indonesien und China, wo die Löhne so niedrig sind, dass trotz Steuern und Transportkosten noch ein guter Schnitt für den Händler übrig bleibt.

Wieso gibt es jeden Monat neue Discounter in allen Ecken Deutschlands?
Vor allem, weil sich nur noch so Marktanteile gewinnen lassen. Kaum ein Land hat so viel Verkaufsfläche pro Einwohner wie Deutschland. Wer da noch Umsätze steigern will, muss die Konkurrenz verschärft angreifen und ihr Kundschaft abjagen. Das geht eben nur, wenn auch ein Laden da ist, und deshalb eröffnen die großen Discounter eine Filiale nach der anderen.

Wie schaut hier Ihre Prognose aus? Werden wir irgendwann nur noch bei Aldi, Lidl & Co. einkaufen?
Möglicherweise wird uns gar nichts anderes übrig bleiben. Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland sinkt nach wie vor rapide – obwohl oder gerade weil die Discounter so viele Filialen aufmachen. In nicht allzu ferner Zukunft wird man nur noch die Wahl haben zwischen Discountern mit eingeschränktem Angebot für die breite Masse und edlen Geschäften mit entsprechend hohen Preisen für die Besserverdienenden. Dazwischen werden sich kleinere Läden kaum halten können. Beispiele dafür kann man in vielen kleineren Gemeinden ja heute schon sehen.

Nicht für jeden kommt der Einkauf im Bio-Supermarkt in Frage, wo die Waren zwar ökologisch sind und im besten Fall auch fair-gehandelt werden, aber eben auch entsprechend teuer sind. Wo können wir sonst unbedenklich einkaufen?
Eine hundertprozentige „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ kann man sicher kaum einem Markt ausstellen, wie die jüngsten Lebensmittelskandale beweisen... Aber in einem normalen Supermarkt kann man zumindest davon ausgehen, dass das Personal halbwegs anständig behandelt wird und die Waren von der Qualität her in Ordnung sind. Ansonsten gibt es in vielen Städten und Orten Wochenmärkte, wo die Erzeuger direkt verkaufen; da hat man schon mal ein bisschen Einblick. Grundsätzlich sollte man skeptisch sein, wenn eine Ware ganz erstaunlich billig ist. Dann hat sie meistens einen Haken – und wenn der „nur“ darin besteht, dass die Produzenten der Ware in anderen Ländern zu erbärmlichen Löhnen arbeiten müssen.

 
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