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Die Billig-Lüge

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Interview mit Franz Kotteder - Teil 3

Was ist mit den etwas teureren Märkten wie beispielsweise HL, Tengelmann, Mini Mal etc.?
Da sind die Standards sicher noch etwas höher als bei den so genannten „Hard-Discountern“. Andererseits stehen aber alle großen Handelsketten unter enormem Preisdruck durch die Konkurrenz der Discounter, und das wird über kurz oder lang auch dort deutliche Auswirkungen haben und hat es zum Teil ja auch schon jetzt. Hier die „guten“ Supermärkte, dort die „bösen Discounter – so einfach ist die Sache eben nicht. Der Billig-Trend schadet letztlich eben allen.

Wo kaufen Sie selbst ein?
Meistens im Bio-Supermarkt um die Ecke, auf dem Wochenmarkt, aber auch im normalen Supermarkt. Glücklicherweise habe ich die Wahl.

Gibt es Siegel, die man kennen sollte, um wenigstens mit einem relativ guten Gewissen einzukaufen?
Siegel gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer, in unterschiedlichen Abstufungen. Hilfreich sind sicher Marken wie „Unser Land“ oder vergleichbare, die ausschließlich Produkte von regionalen Erzeugern im Programm haben. Darüber hinaus ist das amtliche „Bio“-Siegel zwar nicht der Weisheit letzter Schluss, aber immerhin schon mal ein Anhaltspunkt, nach dem man sich richten kann. Wobei ich mich allerdings auch frage, ob der Bio-Äpfel unbedingt aus Neuseeland kommen muss – sehr ökologisch kann das ja nicht sein, wenn die Dinger um die halbe Welt geflogen werden müssen. Und dann sollte man vielleicht auf Produkte aus fairem Handel achten. Viele Supermärkte führen inzwischen bereits solche Waren.

Man hat den Eindruck, Lebensmittel und Elektrogüter werden immer billiger - wo wird dieser Trend hinführen?
In erster Linie zur Verlagerung von Arbeitsplätzen. Bei den Elektrogeräten ist das ja schon weitgehend vollzogen oder steht kurz bevor – siehe das Beispiel AEG Nürnberg. Aber auch Lebensmittel werden zunehmend in Billiglohnländern verarbeitet und von dort eingeführt oder kommen aus großen, fast industriellen Landwirtschaftsbetrieben. Mittel- und langfristig wird das auch Auswirkungen auf die Qualität der Waren haben. Was immer billiger werden soll, kann nicht zugleich immer hochwertiger werden.

Die Deutschen sind als Weltmeister im Knausern bekannt - was denken Sie, woher diese Neigung kommt?
Sicher kommt das zum Teil durch die Nachkriegszeit. Damals hat sich, bedingt durch die Notwendigkeit zu sparen, schon so eine Art „Knauser-Kultur“ entwickelt – stärker als in anderen Ländern. Später kam dann hinzu, dass große Markenunternehmen ihre normale Ware unter einem anderen Namen beim Discounter anboten, um den dicken Reibach zu machen, was sich natürlich irgendwann herumsprach. Da hatte der Verbraucher zwangsläufig das Gefühl, sowieso übers Ohr gehauen zu werden, wenn er ganz normal einkaufte. Das hat den Billig-Trend hier zu Lande natürlich ganz besonders befördert. Andererseits sind unsere deutschen Discounter inzwischen europaweit sehr erfolgreich und längst multinationale Unternehmen. So ganz einsame Spitze sind wir Deutschen im Knausern also längst nicht mehr.

Vielen Dank für das Interview, Herr Kotteder!

 
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