Magazin Club
Sie befinden sich im Magazin > Liebe > Partnerschaft > Conni Lubek schreibt als "Lpunkt"

Conni Lubek - Lchen in Rage (aber zumindest mal ohne Liebeskummer! Einer meiner Lieblingstexte aus „Anleitung zum Entlieben“...)


Jun 25 2009

Conni Lubek
16:20 Uhr
1754 Besucher
0 Kommentar(e)


Im Großen und Ganzen, das kann man sagen, bin ich ein gut angepasstes Mitgleid unserer Gesellschaft und reagiere meistens situationsadäquat. Nicht nur in Situationen mit wenig Handlungsspielraum wie z.B. auf dem Operationstisch. Auch in Situationen, in denen man viel falsch machen kann wie jetzt September bei den abendlichen Ramadanfeiern unserer türkischen Nachbarn. Ich finde immer die richtigen Worte („Sie wissen aber schon, dass dieses späte Essen eigentlich Gift ist für Ihre Figur?!“) und bin in der Regel friedfertig, nachgiebig und konfliktscheu. Außer: im Schwimmbad.

Im Schwimmbad – treue Leser wissen es – bekomme ich regelmäßig Krach. Der Grund ist eigentlich immer derselbe. Ein untersetzter Mann (es ist immer ein untersetzter Mann), der meint, dass alle anderen ihm ausweichen müssen und er ihnen umgekehrt nicht. Nie.

Diesmal war es einer von der übelsten Sorte: ein untersetzter Mann in einem Ganz-Körper-Neopren-Anzug (in einem 25 Grad warmen Außenbecken, Länge 20 Meter, Tiefe 1,30). Mit einer Uhr, auf der er bei seinem Hochleistungsgeplansche stets Zeit, Puls und Kalorienverbrauch etc. im Auge behalten konnte. Und mit einem Fläschchen Powerade, dass er am Ende der Bahn parkte, um die nach 2 x 20 Metern verbrauchte Energie gleich wieder nachzutanken.

Einer von der Sorte, die ihr hartes Schwimmtraining tags zuvor beim Mittagsitaliener gerne schon angekündigen („Das trainiere ich morgen alles wieder ab!“). Und wenn dann ein Kollege fragt: "Ist es am Wochenende nicht total voll?" dann sagen sie: "Ja klar, aber ich hab da so einen Trick. Man muss immer geradeaus schwimmen, sturr gerade aus, dann weichen die anderen aus, hähä, Fräulein, gibt´s noch Parmesan!?" Und genau mit dieser Haltung stürzt der Mann dieser Sorte seinen Nudel-in-Neopren-Körper dann in die Fluten, schwimmt stur geradeaus und fühlt sich… guuuuuuut.

Bis Lchen kommt. Lchen, der Robin Hood des 20 Meter-Außenbeckens, Lchen der Kämpfer für Gerechtigkeit im Freizeitbad. Ha-ha!

Pass auf. Also, der untersetzte Mann stürzt sich in die Fluten. Und wählt nun ausgerechnet meine Bahn um stur geradeaus zu schwimmen. Aber natürlich ist es nicht wirklich [i]meine[/i] Bahn, sie gehört mir nicht, das weiß und bedenke ich natürlich, und weiche dem Mann aus. Drei Mal, vier Mal, fünf Mal… Und als ich ihn dann gerade mal am Rand erwische, wie er sich japsend ein Schlückchen Energiedrink genehmigt, sage ich sehr freundlich und charmant: „Entschuldigen Sie bitte!? Möglicherweise ist Ihnen in Ihrem sportiven Eifer etwas entgangen… Ich weiche Ihnen ständig aus und schwimme zickzack, Sie allerdings schwimmen geradeaus und weichen nie aus?! Weil Sie zu schwach sind, einen Umweg zu schwimmen und es sonst nicht mehr zu Ihrem Fläschen schaffen würden oder weil Sie einfach unhöflich sind?“

Er guckt mich durch seine beschlagene Rennbrille an und brüllt: „WAAAS???“ Dann nimmt er die Öhrstöpsel raus, ach ja, die Ohrstöpsel, die hatte ich vergessen. Der ambitionierte Freizeitschwimmer braucht ja nicht nur Speedo-Mützchen, Rennbrille und Nasenklammer, sondern neuerdings auch Ohrstöpsel, alles farblich passend. Also, ich fasse noch mal kurz zusammen, denn der Sportler wird schon ungeduldig: „Hören Sie, ich schwimme die ganze Zeit zickzack! Können wir uns mal abwechseln - wäre das für Sie eine Option?“ Und er. Er grinst mich frech an. Er nimmt noch ein Schlückchen und sagt dann mit sonorer Stimme, die er auch immer anbringt, wenn die Küken im Büro sich über irgendwas grundlos aufregen: „Schwimmen Sie doch einfach geradeaus, schöne Frau! Mache ich auch, dann kommt man gut durch, auch bei dieser Vollheit.“

Die Welt ist ungerecht. Ich gebe zu, von einem gutaussehenden, athletischen Mann hätte ich das keck gefunden. Hätte mir die Frisur gerichtet und mit Samantha-Touch gesagt: "Das werde ich, mein Lieber, und ich freue mich schon auf unsere… (zwinker, zwinker) [i]Karambolage[/i]!" Aber von diesem Mann, der – erwähnte ich das eigentlich



 

Womenweb.de Community

Chat, Gewinnspiele, Forum, Games & mehr

 

Conni Lubek

Conni Lubek ist freie Texterin und Autorin. Ihr Debütroman „Anleitung zum Entlieben“, der auf Anhieb ein Bestseller wurde, entstand aus den Anfängen ihres gleichnamigen Weblogs.
Profil
Blog-Übersicht
 

Kalender