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Conni Lubek - Post aus Afrika (Oder Lchen kommt ins Grübeln…) Teil 1


Jul 7 2009

Conni Lubek
18:47 Uhr
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Irgendwann gab´s doch mal diese Idee, das Ganze umzudrehen. Die etablierte Mitleidshierarchie auf den Kopf zu stellen und karitative Verbände und Organisationen zu gründen, die sich darum kümmern, dass Familien aus der so genannten Dritten Welt die Patenschaft für Großstadtsingles in der so genannten Ersten Welt übernehmen. Ich glaube, es war in einer dieser Comedy-Shows. In dem von Lachern unterlegten Einspieler sah man eine etwa fünfzigköpfige afrikanische Familie in einer Bambushütte vorm circa hundert Jahre alten Dorf-Computer versammelt. Allesamt stumm vor Erschütterung, sogar das ebenfalls zur Familie gehörende Huhn. Aufgerüttelt von den Appellen jener oben erwähnten neu gegründeten Hilfsorganisationen übernahm der zahnlose Familienälteste die traurige mitmenschliche Pflicht, die Fotos der bedauernswerten Singles durchzuklicken, die in Europa auf der Suche nach einer Patenfamilie waren. Mal sehen, wenn eine hübsche Möpse hätte, würde Opa vielleicht einwilligen, mit seiner Sippe die Patenschaft zu übernehmen. Dann dürfte sie mal zu Besuch kommen, nach Afrika.

An diesen Fernseh-Sketch musste ich denken, als ich heute Post von Ruth bekam.

Ruth ist mein Patenkind in Afrika. Sie ist neun Jahre alt und will später mal Ärztin werden, ich begrüße das sehr. Auf dem einzigen Foto, das ich von ihr habe, trägt sie ein hellblaues Kleid und sieht aus wie Asamoah, der Fußballspieler. Ich glaube nicht, dass Ruth viel von dem Geld bekommt, das ich jeden Monat spende. Ich denke, es fließt in ein gemeinnütziges Projekt in Ruths Dorf, den Dorfbrunnen, schätze ich mal. Oder es finanziert einem für die Organisation tätigen Sozialpädagogen oder Psychologen die Selbstgedrehten. Aber ganz gleich, wie viel von dem Geld tatsächlich bei Ruth ankommt, als Patenkind ist sie immerhin wer. Als Patenkind wird sie nicht mit Elf im Tausch gegen zwei Ziegen an irgendeinen zahnlosen Greis verschachert. Als Patenkind gehört sie zur örtlichen Highsociety und kann sich in ihrem Dorf benehmen wie Paris Hilton im Waldorf Astoria. Und deshalb schicke ich Ruth manchmal Sachen, mit denen sie richtig angeben kann, zum Beispiel ein T-Shirt, auf dem vorne „Doc Ruth“ drauf steht. Sie schickt dafür Briefe mit kleinen Gemälden, unter die sie „I love you“ schreibt. Und mit denen ich angeben kann… (Fortsetzung folgt)



 

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Conni Lubek

Conni Lubek ist freie Texterin und Autorin. Ihr Debütroman „Anleitung zum Entlieben“, der auf Anhieb ein Bestseller wurde, entstand aus den Anfängen ihres gleichnamigen Weblogs.
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