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Conni Lubek - Post aus Afrika (Oder Lchen kommt ins Grübeln…) Teil 2


Jul 8 2009

Conni Lubek
21:32 Uhr
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(Fortsetzung)

Heute war leider kein Bild dabei. Wahrscheinlich war Ruth beim Schreiben an ihre unbekannte reiche Tante ein bisschen in Eile gewesen. In Wirklichkeit wird vielleicht gar kein Brunnen gebaut in ihrem Dorf, in Wirklichkeit musste meine kleine Ruth schnell los um zum Wasser zu holen. Drei Stunden durch die glühende Hitze. Jeden Tag. „Dear Lpunkt“, schrieb sie mir deshalb ziemlich knapp, „I hope you are fine. I hope your husband and your children are fine, too. I love you. Ruth.“ Oder sie kam gerade besoffen von irgendeiner Dorfparty. So was!

In meinen eigenen, meist etwas weitschweifigeren Briefen habe ich schon mehrfach, mehrfach erzählt, dass Tante Lpunkt eine successful business woman ist. Eine emanzipierte Frau mit Pfiff und Esprit, die sich von keinem Lendenschurz abhängig macht. Husband, children, jedesmal schreibt sie das, eigentlich schreibt sie sowieso immer ganz genau denselben Satz, allenfalls ihre Bilder variieren, mal ist die Sonne über der Blume links, mal rechts! Jedenfalls…

Als ich heute Ruths Brief las, machte ich mir wirklich Sorgen um das Kind. Nein, eigentlich machte ich mir Sorgen um mich…

Es ist doch so: KEIN husband, KEINE children, das ist in Ruths Welt undenkbar, die schlimmste Armut, die einen Menschen treffen kann (und in meinem Alter muss ich noch froh sein, wenn sie nicht die grandchildren grüßt). Aber nicht nur in Ruths Welt. Auch bei uns gilt eine unverheiratete, kinderlose Enddreißigerin nicht unbedingt als Siegertyp. Naja…

Naja…

Naja…

Ich saß eine Weile so da und dachte nach. Dear Ruth“, schrieb ich zurück, “thank you very much for your letter, we are [i]all[/i] quite fine. I hope you and your family are fine, too. Merry Christmas from [i]us[/i]. Lpunkt.“

Ich nahm mir vor, den Brief gleich in den nächsten Tagen aufzugeben, zusammen mit einem Weihnachtspäckchen, Päckchen waren nämlich bis zu einem halben Jahr lang unterwegs. Ich nahm mir außerdem vor, in Zukunft bei der [i]all/us[/i]-Version zu bleiben, die kleine Ruth sollte eine richtige Vorzeige-Tante haben, rich and beautiful, with many beautiful husbands and children, eine Super-Tante, auf die sie stolz sein konnte - hatte es schon schwer genug, das arme Kind.

Und was mich anging:[i] Ich[/i] ging danach erstmal ins Freibad. Beflügelt von dem Glück, in einer Welt zu leben, in der es so viel Wasser gibt, dass man darin schwimmen kann, zog ich an einer alten Dame mit Bade-Turban und Sonnenbrille vorbei… Ich Siegertyp.

So.






 

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Conni Lubek

Conni Lubek ist freie Texterin und Autorin. Ihr Debütroman „Anleitung zum Entlieben“, der auf Anhieb ein Bestseller wurde, entstand aus den Anfängen ihres gleichnamigen Weblogs.
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