Magazin Club
Sie befinden sich im Magazin > Liebe > Partnerschaft > Blog

Autorenleben - Eine Frau schreibt sich auf - Steinzeit


Feb 27 2010

Frauke Baldrich-Brümmer
18:58 Uhr
2176 Besucher
2 Kommentar(e)


Steinzeit
Seit ich in an einem sehr technisierten Haushalt lebe, besteht mein Leben größtenteils aus dem Drücken des falschen Knöpfchens.
Dieses passiert mir im normalen Lebensumfeld ja auch immer mal wieder.
So zum Beispiel am Automaten der Bank meines Vertrauens, wo ich vor einigen Wochen eine Überweisung tätigen wollte.
Frohgemut steckte ich meine Karte in den Schlitz und tippte solange, bis der Automat mir vermeldete, dass der Vorgang abgebrochen werden müsse. Dieses tat er unter hektischem Blinken, worauf ich alle verfügbaren Knöpfe und Schalter des Apperates staccato drückte. Der Automat spuckte noch mit letzter Kraft meine Karte aus, dann signalisierte er, dass er von nun „außer Betrieb“ sein täte. Ich wankte heim und als ich einen Tag später wieder am Tatort eintraf, war der Kasten noch immer nicht wieder funktionsfähig. Panik bemächtigte sich meiner. Was, wenn ich bereits als Kaputtmacherin registriert worden war?
Sobald mein Telefon klingelte, rief ich „Ich war’s nicht!“ in den Hörer.
Ermattet sank ich schließlich auf meine Couch und sinnierte darüber nach, wie schön es doch in der Steinzeit gewesen war.
Dort würde ich mir allmorgendlich vor meiner Eigenhöhle eine Süppchen oder Käffchen auf urzeitlichem Höhlenfeuer erwärmt haben, ohne auf einen Rauchmelder achten zu müssen: Haben Sie sich schon einmal durch eine qualmgeschwängerte Küche mit penetrant heulendem Rauchmelder kämpfen müssen, weil sie bei dem gottverdammten Ceramkochfeld die falsche Platte aktiviert hatten, nicht die mit der Pfanne mit den Spiegeleiern sondern die, auf welcher Sie einen Topflappen sowie einen Pfannenwender aus Plastik ablegten ?
Nach dem gemütlichen Steinzeitschmaus wäre ich dann an den Bach getreten um meine Zähne mittels fließendem Wasser und einem Hölzchen zu reinigen. Nichts da mit elektrischer Zahnbürstapperatur, bei der die Bürste nach Anschaltung derselben in der Halterung klemmen bliebt und das ganze Gerät sich unter heftigsten Vibrationen auf die Kante der Ablage zubewegt, Um das Unheil abzuwenden, ziehst du den Stecker- aber nicht den der Zahnputzapperatur sondern der Waschmaschine, was du aber prompt vergessen wirst. Deshalb wird dann auch am nächsten Tage, als du die Waschmaschine anschalten wirst, diese nicht angehen, weshalb du schließlich den Reparaturservice anrufst.
Im Steinzeitalter dagegen würdest du dich nun gemütlich auf den Weg in die nächstgelegene Steinzeitstadt machen, wo du dir ein überm Feuer erwärmtes Heißgetränk gönnst. Nix aus einer Maschine, wo nach Einwurf der mit Mühe passend gemachten Münze minutenlang nichts läuft. Erst als du entnervt den Becher wegziehen willst, kommt das kochendheiße Gebräu auf deine Hand geflossen.
Du schläfst nachts traumlos und sicher in deiner Eigenhöhle, wo dich die frühen Mammutschreie wecken. Kein neuzeitliches Schnarrungetüm mit Schlummertaste und Brutalo-Weck-Automatik, die, nachdem du sie einmal ausgestellt hast, alle fünf Minuten ein weiteres nervtötendes Schrillen von sich gibt. Schließlich wirfst du den Wecker aus dem Fenster auf die Straße. Dort landet er auf Nachbars Rasen und klingelt weiter. Du rennst hinaus, vergisst dabei den Schlüssel, der immer noch innen in der Haustür steckt, als du mit dem Wecker davorstehst.




Kommentar von Club-Mitglied

 
 
 
 
 

27.02.2010 20:23:00

Liebe Frauke, darf ich den Text ausdrucken? Ich würd damit auch nix Schlimmes machen, sondern mich einfach nur von innen hinter die Glastür einer anderen Bank stellen und herumfuchten. Also, mit dem Text. Vielleicht versteht sie mich dann, diese Türe. War zwar nicht meine Bank. Daher habe ich auch noch nicht geprüft, ob ich ihr vertrauen kann, aber der Tür vertrau ich so schnell nicht mehr. Sie liess mich nämlich freundlich herein, aber nicht mehr heraus. Mit dem Teil über der Türe, welches ich fälschlicherweise für den (vielleicht einfach nur ein wenig verstimmten) Türmechanismus hielt, mit dem habe ich dann versucht zu kommunizieren (vorwiegend nonverbal). Hat nicht geklappt, denn das war nicht der Türmechanismus, sondern eine Überwachungskamera (die Brille lag im Auto). Natürlich hätte ich mit dem Handy Hilfe organisieren können. Nur das lag auch im Auto. So habe ich schliesslich einem etwas verwirrt ausschauenden, wildfremden Mann meine Scheckkarte unter der Türe durchgeschoben und der ist dann damit nicht abgehauen, sondern hat mich aus der misslichen Lage befreit. Vielleicht geht sie ja in sich, die Türe, wenn ich ihr Deinen Text zeige. Vielen Dank für abendliches Lachen! liebe Grüsse Barbara


Kommentar von Club-Mitglied

 
 
 
 
 

27.02.2010 21:05:00

Ich seh Dich wedeln, Barbara! Ich würde an Deiner Stelle nie wieder in diese Bank gehen. Ich war mal im Fluzeug im Klo eingesperrt,weil ich die Tür nicht aufkriegte. Da habe ich so einen kleinen Notrufknopf gedrükt und da kam die Stewardess mit einem Survivalkoffer... LG von Frauke


 

Womenweb.de Community

Chat, Gewinnspiele, Forum, Games & mehr

 

Frauke Baldrich-Brümmer

Frauke Baldrich-Brümmer, Jahrgang 1956, dichtet, schreibt und tritt mit kabarettistischen Lesebühnenprogrammen auf. Für uns bloggt sie über das, was (schreibenden) Frauen alltäglich widerfahren kann.
Profil
Blog-Übersicht
 

Kalender