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Autorenleben - Eine Frau schreibt sich auf - Trulla auf dem Frühlingfest


Apr 17 2010

Frauke Baldrich-Brümmer
10:02 Uhr
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Gestern war ich mit Trulla auf dem Frühlingsfest. Das Wetter war ein bisschen sonnig, ein bisschen windig und ein bisschen kalt. Wir wärmten uns die Hände an gebrannten Mandeln und heißem Kaffee und schlenderten gemächlich zwischen vielen anderen Besuchern die Reihe der Fahrgeschäfte, Wurf- Los- und Fressbuden ab. Trulla wollte gerne ein Los kaufen. Aber nicht irgendeines! Sie hatte ihr Pendel dabei nd pendelte erst mal vor den diversen Ständen. Als sie schließlich einen Losverkäufer ihres Vertrauens gefunden hatte, pendelte sie über den Losen und kaufte drei Stück. Das erste war eine Niete. Das zweite war eine Niete. Dann kreische Trulla auf: „Hauptgewinn! Ich habe einen Hauptgewinn.“ Sie wedelte mit dem Los und drängte sich nach vorne. „Und wieder wurde ein Hauptgewinn gezogen, meine Damen und Herren, diese attraktive Lady hat das große Los gezogen!“ Trulla warf sich bei den Worten, die einer der Losverkäufer ins Mikrofon dröhnte, in die Brust und zog den Bauch ein. Der Losverkäufer übereichte Trulla ein riesiges Stofftier in Pink, Neongrün, Quietschorange, Himmelblau und bisschen Kackbraun, das ein Lätzchen umhatte, auf dem „Küss mich!“stand. „Ein Teddy für die Dame!“, sagte der Losverkäufer und übergab Trulla das Riesenvieh. Trulla musste sich ihre Handtasche um den Hals hängen, um das vielfarbige Ungeheuer abtransportieren zu können. Mehrere Kinder nahmen weinend Reißaus, als sie Trulla sahen. Die sagte, sie brauche einen Schnaps. Wir steuerten das nächste Bierzelt an, drapierten den Teddy auf einem Stuhl, setzen uns ebenfalls. Trulla kippte einen Schnaps und trank zwei Biere, ich genehmigte mir eine Altbierbowle. Der Teddy kriegte nichts. Dann machten wir, dass wir nach Hause kamen, denn mit dem Teddy im Arm konnte Trulla weder viel sehen noch viel machen. Ich führte sie zur Straßenbahn. Drei Haltestellen später kam ein Kontrolleur und sagte, der Teddy, der neben Trulla saß, würde auch einen Fahrschein brauchen. Trulla schnappte sich das Viech und nahm es auf ihren Schoß. Der Kontrolleur ließ aber erst von uns ab, nachdem ich ihm meine Monatskarte zeigte, die mich nach 20 Uhr zum kostenlosen Mitnehmen zweier weiterer Fahrgäste ermächtigte. Ich brachte Trulla heim und schloss ihr die Tür auf.
 
Nachklapp: Am nächsten Morgen ringelte Trulla mich an. Ihr Kater sei vom Teddy total traumatisiert, würde weder essen noch trinken. Ich überlegte, ob es noch jemanden gab, an dem ich gerne Rache genommen hätte. Spontan fiel mir mein alter Beinah-Lover, Tjolv Kühn ein. Dem hätte ich den Teddy gegönnt. Trulla sagte, nicht mal Tjolv hätte ihn verdient. Schließlich erbarmt sich Trullas Schwester des Teddys. Sie nahm ihn für ihren Garten als Vogelscheuche.



 

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Frauke Baldrich-Brümmer

Frauke Baldrich-Brümmer, Jahrgang 1956, dichtet, schreibt und tritt mit kabarettistischen Lesebühnenprogrammen auf. Für uns bloggt sie über das, was (schreibenden) Frauen alltäglich widerfahren kann.
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