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Autorenleben - Eine Frau schreibt sich auf - Fußballgucken mit Trulla


Jun 18 2010

Frauke Baldrich-Brümmer
09:33 Uhr
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Meine Freundin Trulla hat ihre Leidenschaft für den Fußball entdeckt. Dabei war dies für unsere esoterisch angehauchte Trulla, die ja immer noch auf der Suche nach ihrem Akademiker fürs Leben ist, bislang nix zum Angucken. Sie sagte immer, es gäbe keinen Engel, der über einem Spielfeld schwebe. Zudem würden Chakren und Trikots auch nicht zusammenpassen.
Doch seit drei Tagen ist ein erstaunlicher Wandel in Trulla vorgegangen. Der Grund ist die Eckkneipe gegenüber von Trullas City-Single-Wohnung im Herzen unserer Gerne-Großstadt. Diese Eckkneipe hieß bislang Zum schrägen Otto. Benannt war sie nach ihrem Besitzer, der heißt nämlich auch so. Und das schräg kam daher, weil der Fußboden sich zur Theke hin absenkt. Das, so hat der schräge Otto mir erklärt, kommt vom jahrelangen Rollen der Bierfässer. Mein Sohn und ich mochten diese Kneipe. Otto hat mich auch mal so richtig aufgefangen, als ich mit Liebeskummer wegen Tvolf Kühn, der mich nicht wollte, bei ihm strandete. Ich habe drei Schnäpse geordert, was ich sonst nie tu. Der schräge Otto hat mir gleich eine Bulette mit Kartoffelsalat dazugestellt und gesagt, ich soll was essen, sonst würde ich noch schneller volltrunken sein. Er hat den ganzen Abend CD mit lustigen Liedern aufgelegt, weil ich bei jedem Liebeslied in Tränen ausgebrochen war. Nachdem ich ordentlich einen in der Krone und sämtliche Papiertaschentücher aufgebraucht hatte, rief der schräge Otto meinen Sohn an, der mich dann nach Hause schleppte.
Da der schräge Otto nun in die Jahre gekommen ist, hat er das Teil verkauft. Es wurde grundrenoviert und heißt nun „Cauponula“. Das ist lateinisch und bedeutet Kneipe. Und Trulla hat mir erzählt, dass der neue Wirt ein Akademiker sei! Sogar mit Doktortitel! Es gäbe dort am Freitag, also heute, die Übertragung des Fußballspiels Deutschland gegen Serbien. Und da wolle sie hin. Ich musste mit, weil Trulla bei mir einen Wunsch frei hat. Warum? Na, Trulla hat neulich einen Brunch gemacht, für ein paar Kollegen. Weil sie sehr im Stress war, habe ich ihr in der Küche geholfen. Ich sollte Brötchen für die Buletten einweichen. Ich mache Buletten immer mit Paniermehl. Ich wusste also nicht so recht, wie das geht, und habe daher die Brötchen versuchsweise zusammen mit dem Hack in eine Riesenschüssel getan und viel Wasser drauf. Als Trulla das sah, kriegte sie einen Schreikrampf. Mein Angebot, eine Brötchen-Buletten-Suppe zu servieren, lehnte sie ab.
Um sie wieder milder zu stimmen, sagte ich das mit dem Wunsch.
Und daher muss ich mit zu Caupola. Trulla hat sich die Fingernägel schwarz-rot-gold lackieren lassen und bei Big Angel einen neuen Hut gekaut. Der trägt nun neben Rosen und Schleierkraut eine Deutschlandfahne. Trulla hat auch ein Musikinstrument ersonnen. Da die Tröten ihr zu ordinär sind, hat sie einen Kamm mit Seidenpapier in den deutschen Fahnen umwickelt und will ihn blasen.



 

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Frauke Baldrich-Brümmer

Frauke Baldrich-Brümmer, Jahrgang 1956, dichtet, schreibt und tritt mit kabarettistischen Lesebühnenprogrammen auf. Für uns bloggt sie über das, was (schreibenden) Frauen alltäglich widerfahren kann.
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