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Autorenleben - Eine Frau schreibt sich auf - Die Autorin und die Liebe....


Okt 20 2010

Frauke Baldrich-Brümmer
09:59 Uhr
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„Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne,
O, wärst Du da!“, seufzt der Altmeister deutscher Dichtung, Johann Wolfgang von Goethe, in seinem Gedicht „Nähe des Geliebten“.
Viele Dichter schrieben ihre schönsten Verse ja dann, wenn sie von der Sehnsucht an den Schreibtisch getrieben wurden. Natürlich gibt es auch Gedichte über die absolut glückliche und erfüllte Liebe.
Mir als Autorin ging es lange Zeit so ein bisschen wie Goethe. Ich habe viel über die unerfüllte Liebe geschrieben. Wenn mir das Herz so richtig wund war, legte ich los.
Oder ich malte mir aus, wie er denn sein müsse- der Traummann…
Mit neun Jahren (ich erinnere mich noch genau!) erdachte ich mir vor dem Einschlafen immer eine für mich wunderhübsche Geschichte: Ich war auf dem Schulhof hingefallen und hatte mich am Bein verletzt. Alle anderen Mitschüler waren schon längst in ihren Klassenräumen verschwunden- bis auf ihn, den von mir heimlich angeschwärmten, dunkelhaarigen Klassenkameraden, der dann plötzlich vor mir stand, mir seine Hand reichte und mir auf die Beine half. Mein blutendes Knie verband er mit einem strahlend weißen Taschentuch.
Als dann aber der richtige, der ganz reale Traummann in mein Leben trat, geschah dies auch durch ein Bild, genauer gesagt, durch sein Foto. Ich habe ihn nämlich über das Internet kennengelernt, obwohl er nur ein paar Haltestellen von mir entfernt wohnt. Das Foto zeigte einen Mann mit einem strahlenden Lachen. Einem Lachen, das so echt und herzlich wirkte, dass ich mir ein blutendes Knie wünschte, was er mit einem weißen Taschentuch verbinden könnte..
Im Übrigen ist es ein Mann, der zu einer Autorin passt, die nicht nur schreibt sondern auch andauernd laut und viel denkt. Das fiel mir so richtig auf, als neulich eine andere schreibende Frau bei uns zu Gast war. Die redete nämlich genauso viel wie ich und mein Freund saß lächelnd da und hörte zu. Er amüsierte sich. Die andere, schreibende Frau sagte mir dann, dass ihr Mann ganz ähnlich sei.
Und vor zwei Tagen ging es mir übrigens genauso wie Goethe. Mein Freund war auf einer Dienstreise. Nicht zum ersten Mal. Sonst habe ich diese männerlosen Tage immer genossen. Diesmal war ich sehnsuchtsvoll und fühlte, dass er nicht da war. Dem Hund ging es übrigens genauso. Er vermisste sein Herrchen so, dass ich ihm bei der Begrüßung den Vortritt ließ. Cooper sprang, jaulte, leckte, wimmerte und tobte fünf Minuten lang vor Begeisterung. Ich auch, aber mehr nach innen.



 

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Frauke Baldrich-Brümmer

Frauke Baldrich-Brümmer, Jahrgang 1956, dichtet, schreibt und tritt mit kabarettistischen Lesebühnenprogrammen auf. Für uns bloggt sie über das, was (schreibenden) Frauen alltäglich widerfahren kann.
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