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Autorenleben - Eine Frau schreibt sich auf - Frauen und Handtaschen (1.Teil)


Dez 3 2010

Frauke Baldrich-Brümmer
09:33 Uhr
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Diese Geschichte habe ich auf Christinas Geburtstag gelesen, den ich durch einen Auftritt verschönern durfte. Die anwesenden Frauen fanden sich in ihr immer wieder. Auch die Männer zeigten Betroffenheit und Anteilnahme. Auf Wunsch der bezaubernden Gastgeberin und der anwesenden Gäste gibt es die Geschichte jetzt hier in zwei Teilen  zum Nachlesen- viel Spaß!!!
 
 
Dass Frauen und Männer verschieden sind, ist ja hinlänglich bekannt. Männer haben auch keine Handtaschen, zumindest nicht so oft wie Frauen, und wenn doch, dann sind sie entweder Pfeifenraucher oder gehören zur seltenen, vom Aussterben bedrohten und eigentlich unter Artenschutz zu stellenden Gattung der Herrenhandtäschchen-Besitzer. Frauen dagegen verlassen das Haus nur in den seltensten Fällen ohne ihre Tasche. Als meine Freundin neulich im Kaufhaus ohnmächtig wurde, war ihre erste Frage, als sie wieder zu sich kam,  daher auch: „Wo ist meine Handtasche?“ Verbleib von Ehemann und dreijährigem Sohn interessierten Brigitte dagegen weitaus weniger.
Und als mein Partner mich und seine Mutter neulich bat, unsere Handtaschen im Kofferraum seines Pkws  zu verstauen, lehnten wir beide unisono (selten waren wir uns so einig) das Angebot höflich, aber  bestimmt ab. Wir wollten unsere Taschen dicht bei uns haben. Später bat er mich, mir das doch einmal in Ruhe zu erklären. „Schau mal“; sagte ich. „Man braucht doch immer mal was aus seiner Tasche.“ „Aber das, was du brauchst, findest du doch sowie nie auf Anhieb“, sagte er da. Ich protestierte, musste ihm aber recht geben, weil ich sofort an das Pferd dachte, jene junge Frau, die ich am Samstag in der Stadt gesehen hatte und die über ihrer Tasche wie ein Pferd überm Futtersack hing. Nein, ihr war nicht schlecht geworden, sie suchte nicht nach einem Platz, sich ungesehen zu entleeren, sie suchte nur etwas in  ihrer Handtasche.
Und die Frauen in der U-Bahn, die fielen mir auch ein, die ihren Schlüssel erst in der Außentasche der Handtasche und dann in der Handtasche selber suchen, um ihn schließlich zu finden und  glücklich in die Jackentasche zu stecken.  Das mache ich auch immer so, aber wenn ich vor der Haustür stehe, dann vergesse ich, dass ich den Schlüssel in der Manteltasche habe, und leere die Handtasche aus. Verzweifelt sehe ich, wie einem Bodenbedecker gleich sich vor mir Geldbörse und Kontoauszüge, Taschentücher, Notizbuch, Haarnadeln, Münzen, Haarclips, noch mehr Münzen, Haargummis, andere Gummis, Abschminktücher, Haarklemmen, Bürste, Kamm, Puderdose, Lippenstift, Zweitkamm, Briefe und auch ein lange gesuchter Flaschenöffner ausbreiten. Nur vom Schlüsselbund keine Spur, denn das ist ja in der Manteltasche, wo ich ihn finde, als ich nach dem Handy suche, um meine Freundin anzurufen, die ein Paar Ersatzschlüssel der Wohnung hat.
Meinem Freund, Bastler und Tüftler, ließ das Handtaschenproblem keine Ruhe. In Italien hatte er mir eine schöne, knallrote Handtasche gekauft, eine große, in die jede Menge hinein- und dann in ihr verloren ging. Mit der Handtasche samt Inhalt verschwand er im Schuppen, wo auch diverses Werkzeug ist, kam aber noch einmal hervor, um mich zu fragen, ob ich denn wirklich alles brauche, was in dieser Tasche sei. „Aber natürlich“, antwortete  ich im Brustton der Überzeugung. „Auch das?“ fragte er und hielt eine Häkelnadel hoch. Ich häkele nicht, aber ich brauche sie, um die Briefe aus dem Postkasten zu fischen, wenn ich den Briefkastenschlüssel nicht finde. Einige Stunden später kam er triumphierend zurück und legte mir die Tasche in den Schoß



 

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Frauke Baldrich-Brümmer

Frauke Baldrich-Brümmer, Jahrgang 1956, dichtet, schreibt und tritt mit kabarettistischen Lesebühnenprogrammen auf. Für uns bloggt sie über das, was (schreibenden) Frauen alltäglich widerfahren kann.
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