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Autorenleben - Eine Frau schreibt sich auf - Frauen und Handtaschen (2.Teil)


Dez 4 2010

Frauke Baldrich-Brümmer
12:48 Uhr
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„ Dein Problem ist gelöst,“ sagte er stolz und bat mich die Tasche zu öffnen. Ich tat wie geheißen und schaute. An der Innenseite der roten Handtasche waren nebeneinander sieben Ösen befestigt. In jede  dieser Ösen war eine andersfarbige Schnur geknotet worden. Und am Ende dieser sorgfältig aufgerollten Schnur befanden sich die Häkelnadel, an dem das andere Ende der Strippe mit Klettband befestigt war. Auch meine Geldbörse war mit einem- zum Glück farblich passenden Klebeband versehen worden. Gleiches Schicksal hatte mein Schlüsselbund, mein Kosmetiktäschchen, mein Handy, die Haarbürste, den Flaschenöffne und den Kugelschreiber ereilt. Ich mochte nichts sagen. Er hatte sich solche Mühe gegeben. Wie ein Angler entrollte ich nun Tag für Tag meine Schnüre. Der gute Mann hatte vorgesorgt und ganze Arbeit geleistet. Auch drei andere Handtaschen waren mit bis zu 10  Ösen präpariert worden und die Gegenstände, die ich brauchte  konnte ich  ja abkletten. Ruhe und Frieden würden nun in meine Taschen  und in mich selber einkehren, so  erklärte mein Partner mir. Ich jedoch, ich vermisste es so, das Wühlen in meiner Tasche nach Schlüssel, Geldbörse oder Nagellack, den  Triumph des Findens , ganz zu schweigen von der  Wiedersehensfreude....regelrechte Depression überkam mich. Mechanisch wickelte ich Schnüre, zog Gegenstände und litt. Mein Chef fragte mich nach zwei Wochen, was mit mir los sei. Ich sei so unerklärlich verändert. Ob ich Kummer hätte? Oh ja, dachte ich und angesichts einer Frau, die in der U-Bahn im Einkaufskorb, einer kleinen süßen Lacktasche und schließlich in einem pinkfarbenen Beutelchen kramte , um ein Schlüsselbund hervorzuziehen, packte mich der blanke Neid und schließlich das heulende Elend.
Ich entrollte meine Tempos, schlich nachhause und stierte stumpfsinnig auf meine mit Ösen verzierten Taschen. Eine kleine schwarze Ledertasche war der Klett-Wut entkommen, zärtlich streichelte ich diese und packte sie voll. Am nächsten Abend ging ich mit einer Freundin  ins Theater. An der Kasse suchte ich in meinem schwarzen Täschchen  die Eintrittskarten, wenig später meinen Kamm. Dann das Handy, um es auszuschalten.
 
Ich erstand ein Programmheft, nachdem ich die Geldbörse endlich gefunden hätte, wobei ich mir den Finger riss , weil ich in eine offene Sicherheitsnadel fasste. Ich sah in den Spiegel. Endlich wieder leuchteten meine Augen, meine Wangen waren rosig überhaucht.
Wenig später fiel dem Mann meines Lebens natürlich auf, dass sich
eine ösenlose Handtasche in meinem Besitz befand. Da ich aber mittlerweile befördert worden war und wie mein Partner fand „richtig süß, glücklich und gleichzeitig sexy aussah“, sagte er nichts weiter zu der Taschen- Metamorphose. Zum Geburtstag habe ich einen leopardengemusterten Beutel bekommen. Beutel sind gesteigerte Handtaschen, sie sind innen viel dunkler und tiefer, man muss sich hineinwühlen, um etwas herausbekommen, mein weibliches Glück ist seitdem perfekt.



Und wie ist es mit Eurer Handtasche? Chaos oder Ordnung?
Ich freue mich über einen Kommentar!

 
 
 
 
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Frauke Baldrich-Brümmer

Frauke Baldrich-Brümmer, Jahrgang 1956, dichtet, schreibt und tritt mit kabarettistischen Lesebühnenprogrammen auf. Für uns bloggt sie über das, was (schreibenden) Frauen alltäglich widerfahren kann.
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