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"Mit ohne Sinn, bitte" - Wenn wir sie erziehen und andere sie kriegen…


Sep 13 2016

Lydia Wünsch
13:55 Uhr
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Vor einiger Zeit musste ich es mir endlich mal wieder reinziehen. Es war Montagabend und das hieß: vier Folgen ‘Sex and the city‘ am Stück. Warum nicht zum hundertsten Mal die ewige Love-Story um Big und Carrie anschauen? Ich mache es mir also gerade auf der Couch gemütlich und öffne eine Tüte Chips, als es mich plötzlich völlig aus der Bahn wirft. Und zwar in der Szene, in der Big Carrie mitteilt, dass er sich mit Natasha verlobt hat. Zusammengekauert sitze ich nun da und stopfe die Chips in mich hinein, während ich auf dem Bildschirm sehe, wie Carries Welt in sich zusammenfällt. Dabei habe ich das Gefühl, als würde ich ihren Frust am eigenen Leib spüren.

Der Moment, in dem man erfährt, dass der Ex eine Neue hat…


So ziemlich jeder hat das wohl schon einmal erlebt. Eine wirklich unangenehme Erfahrung. Etwas, auf das man auch getrost verzichten könnte!

Doch was ist es eigentlich genau, dass einen in diesem Moment so aus der Bahn wirft? Ist es wirklich der Verlust des Geliebten? Meist hat man sich ja schon lange vor der neuen Beziehung getrennt. Oft war man sogar selbst diejenige, die Schluss gemacht hat. Nicht selten aus guten Gründen: wie zum Beispiel die dreckigen Socken, die überall herumlagen, das ständige Zuspätkommen, die schlechten Manieren oder ausufernden Kneipentouren, die nervige Mutter, die blöden Freunde … Oder war es seine emotionale Kälte? Die Tatsache, dass man nie mit ihm über Probleme reden konnte? Sich unverstanden gefühlt hat? Vielleicht sogar ungeliebt? Kurz gesagt: Seine totale Unfähigkeit, eine Beziehung zu führen?

Letzteres war jedenfalls der Grund, weshalb Carrie Big verließ. Also wieso trifft es sie dann so hart, als er ihr erzählte, er habe sich nun doch an jemanden gebunden? Die Antwort erhalte ich in der nächsten Szene, als Carry sich mit ihrer Freundin Charlotte unterhält und ihr eröffnet:

„Zwei Jahre lang habe ich die ganze Arbeit mit ihm gehabt und jetzt reitet eine andere mein mühsam zugerittenes Pferd!“

Und genau das, ist das Schmerzvolle. Das Gefühl, eine andere bekommt nun das, was eigentlich ihr zustehen sollte! Das Problem ist also nicht unbedingt der verlorene Mann, sondern vielmehr die attraktive Nebenbuhlerin. Oder noch genauer: das Gefühl, der Minderwertigkeit ihr gegenüber. „Was hat sie, das ich nicht habe?“, lautet die bekannte Frage von Katja Ebstein, die sich wahrscheinlich viele schon einmal gestellt haben. Sind es die langen Haare? Ist es, weil sie drei Zentimeter größer ist als ich? Weil sie blond ist, oder braunhaarig? Egal, was davon zutrifft, sie hat auf jeden Fall eine Sache, die du nicht hast: DEINEN Mann. Auch wenn du ihn vielleicht gar nicht mehr wolltest. Aber das würdest du vielleicht. Denn jetzt fragst du dich: Bekommt sie etwas von ihm, das ich nicht bekommen habe? Schafft sie es vielleicht, dass er seine dreckigen Socken aufräumt und sich gegenüber seiner Mutter behauptet? Hat Carrie die ganze Vorarbeit geleistet und für Natasha ist Big nun der perfekte Mann? 

Diese Fragen martern einen und nagen am Selbstwert. Sie können einen sogar dazu bringen, alles in Frage zu stellen. Angefangen von: Warum kann sie ihn ändern und ich konnte es nicht? Bis hin zu: War ich nicht gut genug? Vielleicht bin ich zu dick? Sollte ich mehr Sport treiben? Ist die rosa Wand in meinem Schlafzimmer nicht doch viel zu kitschig? Es ist die rosa Wand! Ja, ganz bestimmt! An der hat es gelegen. Echte Männer mögen kein Rosa. Das weiß doch jeder…!

All diese Gedanken gehen mir nun durch den Kopf, während ich mittlerweile total verkrampft auf meiner Couch sitze und mechanisch einen Chip nach dem anderen zum Mund führe… O.K. jetzt nochmal langsam: Ich bin nicht Carrie Bradshaw aus ‘Sex and the City‘. Das hier ist das echte Leben und ich habe mich wieder einmal viel zu sehr in eine fiktive Welt hineingesteigert. Gut, eine neue Wandfarbe könnte wirklich nicht schaden und



 

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Lydia Wünsch

Lydia Wünsch ist Redakteurin bei WomenWeb.de und bloggt über zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Themen.
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