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"Mit ohne Sinn, bitte" - Teil 2. Wenn wir sie erziehen und andere sie kriegen …


Sep 13 2016

Lydia Wünsch
14:25 Uhr
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All diese Gedanken gehen mir nun durch den Kopf, während ich mittlerweile total verkrampft auf meiner Couch sitze und mechanisch einen Chip nach dem anderen zum Mund führe … O.K. jetzt nochmal langsam: Ich bin nicht Carrie Bradshaw aus ‘Sex and the City‘. Das hier ist das echte Leben und ich habe mich wieder einmal viel zu sehr in eine fiktive Welt hineingesteigert. Gut, eine neue Wandfarbe könnte wirklich nicht schaden und ein bisschen mehr Sport könnte ich auch treiben. Das würde meine Gedanken zumindest auf Sinnvolleres lenken, als mich selbst zu bemitleiden. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und so ein kleiner Tritt in den Hintern hat noch nie jemandem geschadet. Also liebe Nebenbuhlerin: Pass bloß auf, denn jetzt komme ich!

Am nächsten Tag stolziere ich also frühmorgens hochmotiviert in den Baumarkt und suche mir dort eine Wandfarbe, die zu meinem neuen und reiferen Ich passt. Die Aussage, die diese Farbe machen soll, ist klar: Ich bin jetzt kein kleines Mädchen mehr, sondern eine gestandene Frau und bereit für eine richtige Beziehung.

Am Ende des Tages ist meine ehemals prinzessinnenhaft rosa Wand in einem erwachsenen, seinhaften Grün gestrichen. 

Der Effekt ist nur leider nicht der, den ich erwartet hatte. Denn statt mich nun reifer zu fühlen, spüre ich eine unglaubliche Leere. Was hat diese Farbe an der der Wand noch mit mir zu tun? Grün bin ich nicht. Grün ist ein Modetrend, für Veganer und Supersportler, die nur im Biomarkt einkaufen und regelmäßig Yoga machen. Ich hingegen bin eher der Typ: Heute mache ich mal Yoga und morgen stopfe ich wieder Chips in mich hinein. Hab schließlich gestern Yoga gemacht.

Ich erinnere mich daran, warum ich mich beim Einzug für ein rosa Schlafzimmer entschieden hatte. Ich hatte es bewusst gewählt, weil ich Single war und eine Farbe wollte, die NUR mir gefällt. Schließlich musste ich diese Wohnung für keinen anderen einrichten. Das war ein tolles Gefühl. Wann würde ich das später je wieder haben? Wenn ich erst einmal verheiratet bin und eigene Kinder habe bestimmt nicht mehr. Aber habe ich das heute wirklich für mich getan? Für meine Weiterentwicklung? Oder habe ich vielmehr versucht, jemand zu sein, der ich nicht bin? Ja, sogar versucht jemandem zu imponieren, dem meine Wandfarbe (inklusive meiner inneren Grundhaltung dazu) vollkommen Schnuppe ist? Für diese neue Frau an der Seite meines Ex-Partners, die eigentlich nur ein Dämon in meinem Kopf ist.

Na ja, wie wir alle wissen, hat Carrie ihren Big am Ende ja doch noch bekommen. Im wahren Leben läuft das allerdings meist anders. Ich habe den Mann, für den ich das tat, jedenfalls nicht zurück gekriegt und auch gar nicht mehr haben wollen. Soll sich doch eine andere mit seinen Macken herumärgern.

Die Wandfarbe habe ich immer noch, aber auch nur, weil ich bisher zu faul war, sie neu zu streichen. Denn nach wie vor vermisse ich mein Rosa, und wie toll es zu meinen silbergrauen Möbeln gepasst hat. Was von der Aktion außerdem bleibt, ist die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt, sich für irgendwelche eingebildeten Dämonen zu ändern. Und, dass ich vielmehr jemanden finden sollte, für den ich weder eine Wand neu streichen will, noch dessen Ticks mich in den Wahnsinn treiben …



 

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Lydia Wünsch

Lydia Wünsch ist Redakteurin bei WomenWeb.de und bloggt über zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Themen.
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