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Altweibersommer - Nirwana im Yoga-Kurs


Aug 4 2009

Ruth Eder
11:18 Uhr
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  Wer kennt das nicht: Stress im Beruf, Frust im Haushalt,  Katze krank, Opa ebenfalls und draußen Niesel-Tief statt Sommer-Hoch. Was tun? Schaum-Bad im Kerzenschein hilft nur kurzfristig, Gespräche mit der besten Freundin bringen nichts, weil es ihr auch nicht besser geht. Das erwachsene Töchterlein will frau nicht behelligen. Da kommt mir die Einladung zu einem Weekend-Yoga-Kurs im Alpenvorland gerade recht. Verheißt es doch Ruhe, Besinnung, körperliche Ertüchtigung und vegetarisches Essen, und die Möglichkeit, kurz mal aus dem Alltag zu flüchten. Das Seminar findet in einem Schullandheim statt, das mich schon bei der Ankunft um Jahre verjüngt. Schon allein der Geruch!  Irgendwie nach Jugend und Verantwortung, die andere tragen. Nach Streichen und stinksaueren Lehrern. Nach heimlichen Zigaretten und aufs Zimmer geschmuggeltem Südtiroler Bauernwein.   Gleich am ersten Abend nach Kerbelsüppchen,  Tofubratlingen und einer kerngesunden Salatbar geht es im Übungsraum von 20 bis 22 Uhr richtig zur Sache: 30 Yogajünger, 25 davon Frauen aller Altersklassen, sitzen im Rund auf ihren Kissen. Von wegen erholsam:  Den Mond begrüßen, Umkehrstellung, Kobra, Schildkröte: Jetzt erweist sich gnadenlos, wer in letzter Zeit mit dem Üben geschlampt hat, so wie ich.   Der Muskelkater am nächsten Tag kann sich sehen lassen. Fritz, der keinen Job und deshalb viel Zeit zum Üben hat, meint milde süffisant: „Ein bisserl steif gehen gnädige Frau aber heute morgen schon“. Ich behaupte natürlich, gar nicht zu wissen, was Muskelkater ist und humpele tapfer nach der ersten dynamischen Yogastunde von 7.30 bis 8.30 Uhr zum opulenten Frühstücksbuffett, gehe heldenhaft an den herrlich duftenden Vollkornbrötchen vorbei und halte mich an Magerquark und klein geschnittene Obststückchen, wohlgemerkt ohne Honig oder Ahornsyrup, also gänzlich ungesüßt. Schließlich will ich in diesen  Tagen drei Kilo abspecken.. Wobei es hilft, dass wir um 7 Uhr aufstehen, anschließend Yoga üben und erst danach aufs Frühstück losgelassen werden. Bei der morgendlichen Besprechung stellt sich heraus, dass wir täglich 7 (in Worten sieben!) Stunden Yoga üben werden. Askese pur also!   Man glaubt ja gar nicht, wie es sich nach solchen Tagen schläft, wenn um 22 Uhr die letzte Yoga-Übung und die Meditation vorbei sind. Weit weit weg erscheinen mir die Probleme meines Alltags, geborgen bin ich in der Gruppe wie einst im Familienschoß und alle rennen wir hinter unserer super-elastischen und super-harmonischen Lehrerin her, wie die Küchlein hinter der Glucke. Entscheidungen? Trifft sie. Verantwortung? Höchstens für die ächzenden Kniegelenke. Stress? Vielleicht noch bei der Frage, ob ich mir heute eine der exzellenten Suppen der rauen, aber herzlichen Herbergsmutter leiste, oder lieber Kalorien spare.   Auch mit der Erreichbarkeit ist das zum Glück so eine Sache: Das Schullandheim befindet sich, dem Himmel sei Dank, in einer Art Funkloch: Verbindung nur gelegentlich und wenn, dass nur, wenn ich mich und das Handy weit aus dem Fenster lehne, was die Kommunikation erfreulicherweise auf äußerste Kürze beschränkt. „Heute haben wir eine ganze Stunde meditiert, “ brülle ich aus dem Fenster. Die einäugige Hauskatze im Hof ergreift die Flucht. „Hä?!“ kommt er zurück,“ ich höre dich nicht“, „ich komme am Sonntag nach Hause,“ „wie, ich höre nichts,“ ja doch, nach Hause. Aha.“ So oder ähnlich laufen die Gespräche mit der Heimatfront ab.             
Die fünf Männer der Gruppe halten sich tapfer im Gewabere von so viel weiblicher Energie, Musik und wohlwollender Menschen. Ein Raum, wie ein Uterus, eine Gruppe, die wohl manchem für zwei Tage eine seelische Heimat bietet. Beim Abschied sind wir uns alle erstaunlich nahe. Meine Jeans sind merklich weiter, ich freue mich darauf, daheim auf die Waage zu steigen. Das seelische Gleichgewicht kann man ja leider nicht messen. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei, das ist sicher. Und werde bis dahin fleissig Yoga üben. Ganz bestimmt...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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