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Altweibersommer - Wiesn-Ballermann ohne mich


Sep 21 2009

Ruth Eder
15:26 Uhr
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 Ich gehe einfach nicht mehr gern hin,  obwohl es ja gerade wieder  in vollem Gange ist: Das Münchner Oktoberfest, von Einheimischen auch liebevoll „Wies`n“ genannt, ist immerhin das größte Volksfest der Welt. Aber es hält leider auch einen anderen, ziemlich traurigen Rekord: Nämlich den im Kampftrinken bis zum Umfallen. Zweifellos ist die Wiesn nämlich auch das größte, kollektive Dauer-Besäufnis der Erde. An die drei Wochen dient es als Mega-Ballermann nicht nur für Deutsche, sondern auch für Australier, Japaner, Italiener. Ich glaube nicht, dass ich das noch brauche…  
Schaue ich am späteren Abend mal in die Bierzelte hinein, habe ich mitunter den Eindruck, mich auf einer gigantischen Klinikstation für frisch eingelieferte Alkoholiker zu befinden. Und die Art und Weise, wie in unseren Medien fürs Biertrinken auf der Wiesn als hippes Ritual in modischer Tracht geworben wird, scheint völlig zu verdrängen, dass sich nicht wenige der mindestens geschätzten 5 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland in solchen Bierzelten den ersten Riesen-Rausch geholt haben. Suchtberater warnen seit Jahren davor, das unkontrollierte Trinken als cool, modern, gar männlich oder sonst wie sozial angenehm und erwünscht darzustellen. Denn bekanntlich greifen immer mehr Jugendliche immer früher zu Alkohol als Partydroge um „gut drauf“ zu sein. Viele können sich dieses „gut drauf sein“ ohne chemische Unterstützung durch Alkohol (oder andere Drogen) gar nicht mehr vorstellen. Wer nicht mittrinkt, gilt als Langweiler. Und Eltern leben ihren Kindern oft noch  im trauten Familienkreis vor, dass es ohne die Flasche Wein am Abend, oder die „paar Bierchen“ vor dem Fernseher einfach nicht geht.  
Nun ist ja gegen ein oder auch mal zwei Maß im Bierzelt  eigentlich nichts einzuwenden. Aber die (legale) Droge Alkohol ist deshalb so gefährlich, weil sie überall ganz einfach zu haben ist. Versuchen Sie mal, in einem Bierzelt etwas anderes als einen Riesen-Maßpott voller Bier zu bestellen. Ich habe jedenfalls sehr verwunderte Blicke geerntet.   Ganze Jugendcliquen gehen aufs Oktoberfest, um sich gezielt zu besaufen „bis zum Abwinken“, weil ihnen die Erwachsenen vormachen, das so was nicht nur akzeptabel sondern sogar ziemlich geil ist.  Denn am anderen Morgen wird im Büro oder auf dem Schulhof auch noch geprahlt, wie dicht man ab Abend vorher war. Wer den dicksten Kopf hat, ist der tollste Hecht. Kippte nicht auch John Wayne vor jeder Schießerei ganz schnell eine halbe Flasche Whiskey? Nur dass er dann höchst selten auf die Holzdielen des nächsten Saloons kotzte. 
 Ungeheure Mengen von Hektolitern Bier gehen auch diesmal wieder auf dem Oktoberfest über die Theken. Die Wirtschaft freut sich, wenn der Umsatz stimmt. Die Kapellen in den Zelten animieren mit „Oans, zwoa, gesuffa!“ unentwegt zum Saufen. Der "Erfolg" zeigt sich dann an den ganzen unappetitlichen  „Bier-Leichen“ im besabberten Dindl oder vollgepinkelten Lederhosen am Rande der „Wiesn“, an denen man leider stets  vorbei muss. Die findet man dann lieber lustig als traurig. Nur damit einen niemand für einen ältlichen,  verkniffenen Moralapostel hält...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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