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Altweibersommer - Date mit dem Ex


Okt 13 2009

Ruth Eder
11:28 Uhr
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Das Fax hängt aus dem Gerät, wie ein  Hemd aus der Hose. Es sieht irgendwie schlampig aus.  Mit einem ungeduldigen Ratsch  sorge ich   wieder für büromässige  Ordnung. In meinem Arbeitszimmer im Parterre ist es warm und licht. Durch eins der  Fenster sehe ich  in den  Garten. Herbstsonnenglitzern. Katzenspuren auf dem Autofenster in der Garage. Plötzlich fühle ich mich gut. Zu Hause. Das "Kind" ist wieder in seiner WG in der Stadt. Kleiner Schmerz. Aber auch Friede. Konzentration.   Der Tag wird wohl doch nicht so grässlich verlaufen, wie es heute morgen zunächst ausgesehen hat.
Die   Handschrift  auf dem Fax ist unverwechselbar: Riesig, elegant und eine Spur zu lässig hingeworfen. Typisch  Pit.  Komisch, dass er noch Faxe schickt statt Mails. Vermutlich wegen der Optik. " Beinahe hätte ich mich kürzlich  wieder in Dich verliebt. Du bist noch immer eine tolle Frau und ausserdem auch jetzt noch eine gute Mutter für unsere Tochter" prangt  da. "Gehst Du heute mit mir essen?"   Das geht  ja eigentlich runter wie Öl. Bis auf das zweimalige " noch immer." Zarter Hinweis auf mein herannahendes Verfallsdatum.  Unnötig, er ist immerhin um einiges älter. Aber ein Mann. Wieso geht er davon aus, dass er sich länger hält?  Auch  das "beinahe"  ist wieder mal echt. Beinahe hätte er mich  einmal geliebt. Beinahe hätte er sich auf mich eingelassen.  Pit ist nach wie vor ein Mann des Konjunktivs.   Ich greife zum Telefonhörer.   Er sitzt um diese Zeit im Büro, ich kenne noch seinen  Tagesablauf.   " Ja?" sagt er unfreundlich.    "Ich bin`s. Vielen Dank für dein Fax. Was hältst du von acht im Vegetarier?" Ich passe mich schnell seinem Tonfall an. Zu schnell. Zu eifrig. Wie üblich rückratlos.   Ich neige normalerweise eher zum Ausschweifen.   "O.K. Freu mich. Bis dann," sagt er und legt  auf. Ich schaff es nie, vor ihm aufzuhängen...
 Wenn ich mich mit Pit treffe, mache ich mich immer besonders sorgfältig zurecht. Das ist  ja wohl   normal, oder? Wer will  schon, dass der Verflossene  sich freut,  die alte  Schachtel loszusein?   Man zeigt  sich vielmehr gerade als Exfrau gern    von seiner allerbesten Seite. Das geht allen meinen  geschiedenen Freundinnen so, auch Jenny. Schließlich  hofft  man - wie schon zu Ehezeiten  tausendmal vergebens -  dass  ihm alles, was gewesen ist, hinreichend  leid tut.  Aber ich  verspüre Pit gegenüber     nach all den sinnlosen Grabenkämpfen  der letzten Jahre  auch  eine große Milde. Genau weiss ich allerdings nicht,  wo die Milde  aufhört und die Wurstigkeit anfängt.    Zumindest   wird er  als Kindsvater nun mal für immer ein Mensch  meines  Lebens sein. Der  Gedanke treibt mir, wann immer er auftaucht,   unweigerlich  Tänen des gerührten Eigenlobs in die Augen:  Dieser Edelmut. Nach alledem...   Ich hole Pit also  im Büro ab. Münchner Innenstadt. Der Alte Peter, Theatinerkirche. Im Sommer überall Straßencafés. Schön eigentlich, aber nicht bei diesem Schmuddelwetter. Die Fassaden der alten Häuserzeilen so farblos  wie die Gesichter der Menschen, die aneinander vorbeihasten. Regenschirme verhakt, Blicke vermieden: Tschuldigung. Is scho recht. Weiter, weiter, der Ladenschluß. Ein schwarzer Pudel pinkelt an eine der schmiedeeisernen Laternenpfähle, Frauchen im altmodischer Persianer-Jacke reisst ungeduldig an der Leine.

Im Büro lässt er mich warten. Kleine Machtdemo, aber nicht mehr so lang, wie früher. Ich bin ja nicht mehr seine Frau. da geht es eine Spur galanter. Er hat einen Fensterplatz reserviert. Bistro-Tisch unter lichtem Gewölbe,  Marmorplatte, Schwarz-weiß. Unbequeme, leichte Schnörkelstühle. Nach einer Stunde tut einem der Arsch weh. Es riecht  nach Soja, Kräutern und irgendwelchen Bratlingen. Sehr gesund.  Bin ja gespannt, was er mir zu sagen hat...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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