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Altweibersommer - Kindsvater braucht Lesebrille...


Okt 19 2009

Ruth Eder
10:46 Uhr
2518 Besucher
4 Kommentar(e)


  Wir sitzen also im Vegetarier, mein Ex und ich. Wir sehen uns an und doch nicht richtig. Jedes Mal anfangs wieder eine Unsicherheit. Ein paar Sätze, an denen man sich festhalten kann, nichtssagend. Fremdheit und  Vertrautheit zugleich.  
" Wenn sich`s realisieren lässt, höre ich demnächst auf, zu arbeiten," sagt Pit schließlich. Aha! Darauf will er hinaus. Er  sieht mir  dabei tief in die Augen, obgleich das gar nicht zum Thema passt.  Früher wäre ich   dahingeschmolzen. Heute weiß ich  voller Abgeklärtheit, dass er mit jedem weiblichen Wesen auf Gottes Erdboden - von 8 bis 88 -  auf Teufel komm raus flirtet. Eigentlich testet  er damit nur  seine eigene Unwiderstehlichkeit. Darauf hält er noch immer große Stücke. Aber so genau weiß ich das  auch nicht. Jedenfalls geht es mir  manchmal ähnlich.   "Von Zeit zu Zeit seh` ich den Alten gern und hüte mich, mit ihm zu brechen," flirte ich zurück.   "Witzig" sagt Pit. "Nee, Goethe", sage ich und wundere mich über meine Schlagfertigkeit. "Ist das dein Ernst mit der Pensionierung? Wo du doch noch so knackig bist?"  
Ich erschrecke insgeheim ein bisschen.  Der Vater meiner  Tochter im wohlverdienten Ruhestand? Ich kann mir  Pit nur schwer als Rentner auf der Bank vor seinem Häuschen  vorstellen.  Wenn er in Rente geht, wirft  das  ein höchst beunruhigendes Licht auf meine  eigene Lebenserwartung.   Es kommt mir doch vor wie gestern, als  wir  frisch verliebt die Seen nach dem ultimativen Surfwind abgeklappert haben. Immer wenn wir  ankamen, war er schon fort. Ein Sport der Flüchtigkeit. Er passt zu Pit.  
"Weisst du noch, wie wir damals von See zu See gepilgert sind, das ist jetzt so an die 20 Jährchen  her..." seufze ich. In der Hoffnung, mit ihm ein Gespräch über die Vergäglichkeit allen  Erdenwallens anzuzetteln. Die ist nämlich, seit einer umfangreichen Reportage, zurZeit  eins meiner  Leib- und Magenthemen.   Ich kenne  eigentlich niemanden, der meine   nekrophilen Neigungen  teilt. Ausser meiner  Freundin Carla vielleicht und die ist vor kurzem mit über 90 gestorben. Ich hatte  immer schon  die  Angewohnheit, selbst in Urlaubsorten auf Friedhöfen umherzuwandeln und über den Sinn des Lebens nachzudenken. Ich komme, was in der Natur der Sache liegt,  dabei leider nie zu einem befriedigenden Ergebnis. Oder eigentlich doch: Ich verlasse  den Friedhof frohgestimmt. Immerhin: Ich bin  immer noch da  oben, die anderen aber da unten. Darauf   begebe ich mich stets mit einem Bärenhunger in das nächstgelegene  Speiselokal.  
" Am Wochenende bin ich übrigens in der Schweiz beim Skifahren," überhört  Pit  meinen  sentimentalen Seufzer.  Er hat  die Angewohnheit,  mit gedämpfter und leicht belegter Stimme zu sprechen. Das wirkt  nicht nur  sexy, sondern zwingt   das in den allermeisten Fällen weibliche Gegenüber praktischerweise  zu äusserster Aufmerksamkeit.   Pits wilde blonde Surfermähne ist schon wieder ein bisschen grauer geworden.  Wieso ist mir  das bisher kaum  aufgefallen? Beim Lesen der Speisekarte kneift er die Augen zusammen.   "Du kannst gern meine Brille haben" sage ich. Ein Hauch von Schadenfreude.   Er grinste ohne die Zähne zu zeigen. Seine Unangreifbarkeit imponiert mir.  Auch wenn ich weiß, dass sie nur vorgetäuscht ist.   " Ich vergesse sie  andauernd. Ich weiß auch nicht, wo sie im Büro herumrumliegt", sagt er zerstreut. Er hat plötzlich diese Hilflosigkeit in der Stimme.  Sie macht  ihn für die meisten Frauen mit Helfertick, zu denen auch ich mich mit  Fug und Recht zähle, nahezu unwiderstehlich. Vorausgesetzt, dass sie den Typen  nicht durchschauen, so wie ich es inzwischen tue.   "Tja, der Zahn der Zeit nagt halt an uns, gell?"   " An dir vielleicht... Ach ja, in dem Zusammenhang muss ich dir was Komisches erzählen," fährt er fort. Seine Stimme ist nicht besonders tief.  Es ist uns beiden längst klar, dass er nicht wirklich mich meint, wenn er mit mir flirtet.  Baggerprogramm Abteilung Exfrauen . Er hat außer mir noch eine...    



Kommentar von Club-Mitglied

 
 
 
 
 

23.10.2009 14:20:00

Liebe Ruth, das schönste an einem "Altweibersommer" sind ja die warmen und doch so intensiven Farben und das Licht, hell und warm, übertragen auf uns Frauen, kann es doch nichts schöneres geben ;-). Dazu gehört natürlich auch unsere Erfahrung, die uns mir solchen Ex-Männern heute besser umgehen läßt als früher. Hätten wir doch diese Intensität, Erfahrung und dieses Leuchten schon in jüngeren Jahren gehabt, dann würden wir jetzt auf der anderen Seite des Tisches sitzen ;-))


Kommentar von Club-Mitglied

 
 
 
 
 

23.10.2009 14:22:00

Damit erübrigt sich ja auch mich vorzustellen: ich bin die, die immer wieder vergißt die Punkte anzuklicken, ich muß hier noch üben!!


Kommentar von Club-Mitglied

 
 
 
 
 

26.10.2009 10:01:00

Liebe Sydo, ach wie ist das schön, direkten Kontakt mit meinen Leserinnen zu haben!!!Dank für Ihr Interesse!!! Tja, die Großzügigkeit und das warme Leuchten entstehen wohl mit den Jahren. Vielleicht können wir ja deshalb inzwischen entsprechende Männer einfach besser "durch-leuchten"?? Herzlich! Ruth


Kommentar von Club-Mitglied

 
 
 
 
 

26.10.2009 10:03:00

Leider gehen bei gewisser Leuchtkraft offenbar diverse Gehirnzellen verloren: Wie immer meine Dankespunkte für Sie vergessen...


 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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