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Altweibersommer - Dünn gehungerte PR-Damen


Nov 1 2009

Ruth Eder
15:16 Uhr
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  Am Nebentisch sitzen also jene zwei dünn gehungerte  Damen, die nach PR-Agentur aussehen. Sie schweigen. Schwarze Riesen-Taschen aus weichem, teurem Leder hängen schlapp an den Lehnen ihrer Bistro-Stühlchen. Auf dem Tisch Tassen mit grünem Tee. Natürlich ohne Zucker. Pit sieht mehrere Male betont interessiert zu ihnen hinüber. Das macht er immer, wenn er in Begleitung ist.  
Wir sprechen jetzt  wie üblich  über das einzige, vorzeigbare  Ergebnis unserer  Ehe,   unsere   Tochter. Ich habe lange gebraucht, bis ich Mara auch als Pits Tochter zu sehen im Stande war. Die Geschwätzigkeit in Person passe ich auf, nur ja  keins der  kleinen, weiblichen  Geheimnisse auszuplaudern, die Mara mir anvertraut. Frauenprobleme, Liebesdinge   sind seit der Puberträt ein todsicherer Weg, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Das interessiert sie nach wie vor brennend. Zum Glück bin ich darin  wenigstens theoretisch Expertin.   Gut sieht  Pit  aus, IMMER NOCH -  aber  auch sein Verfallsdatum rückt unerbittlich näher. Wie üblich  braun gebrannt. Schuls oder Sölden  vermutlich. Kleidung sportiv, wie man so  sagt und  teuer. Just the right jeans, just the right shoes, pinkfarbenes Hemd.  Alles etwas   zu jugendlich, wie ich finde. Auch  der schwarze Geländewagen vor der Tür passt  genau ins Gesamtbild " alternder Surfer ", wie ihn eine fette Kollegin  mal genannt hat. Deren mickrigen Gatten, der sie nie vögelt,  würde ich  nicht mal mit der Beißzange anfassen.   Pit kennt  solche Urteile über ihn.  Ich habe ihn gern mal nicht ohne Gehässigkeit damit aufgezogen. Aber sowas  prallt  an ihm ab.   Er sei  irgendwo  schon noch ein Teenager, ja. Na und?       Die Haut seine Hände, die eher  klein und kräftig sind, sieht  ledern aus und rührt mich. Er altert und wird dadurch verletzlich.  Früher habe ich  ihm manchmal  die Hände eingekremt.   " Offenbar hast du niemanden, der dir die Hände einschmiert," sage ich. Wohl wissend, dass da  jemand ist, so wie immer.   Er lächelt wieder in sich hinein,  ohne die Zähne zu zeigen. Ein  Katzenlächeln völliger Unnahbarkeit. Es erinnert mich  einmal mehr an meine  Mutter. Ich habe lange  um  dieses  Lächeln gebuhlt. Gehofft, diese  scheue Kühle doch noch in Wärme zu verwandeln, wenn ich mich  nur richtig anstrengte.  Zuerst bei ihr, dann bei ihm. Vergebens. Ich habe lang nach Schuld gefragt.  Heute weiß ich: Niemand hat Schuld. Es liegt einfach am Naturell.   

Mein Blick fällt  auf Pits  Hals  und die  kleine Kuhle Richtung Schlüsselbein. Ich habe  sie    früher    manchmal geküsst, als wir  noch  miteinander schliefen.  Dann und wann  hat dort,  wo die Haut ganz  zart ist, seine  Schlagader  sacht gepocht.   Distanz ist es,  was er braucht. Und ich habe Nähe gewollt. Viel zu viel Nähe. Wie alles an mir  in seinen Augen  ZU sehr war. ZU laut, ZU  stur, ZU wild auf Sex, ZU gluckenhaft, ZU ehrgeizig.  Ich habe ihn auch damit   zu noch mehr Rückzug bewegt.  Die ewige Leier zwischen Männern und Frauen: Wenn Frauen zu sehr lieben; der unnahbare Mann, und wie die Buchtitel alle damals hiessen.  Alles für die Katz!  Ich bin ja selbst in meinen Artikeln viel schlauer als  im richtigen Leben.  Da verliere ich   total den Überblick.  Vor allem habe ich damals  schnell vergessen,  dass ich gerade deshalb so wild auf Pit war, weil  er sich dauernd  entzog. 
" Es ist mit dem Papa wie beim Wurstschnappen" hat Mara  nach einem Kinderfest mal gesagt," immer wenn man denkt, man hat ihn, ist er wieder weg."  Heute weiss ich längst, dass ich selber  gar nicht so scharf bin auf ständige Anwesenheiten...  



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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