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Altweibersommer - When I`m Sixty Four


Jan 25 2010

Ruth Eder
14:48 Uhr
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  "Hallo", ruft eine markige Stimme in fränkischem Tonfall mich aus meinen Gedanken am Tresen des Single-Clubs. "Ich bin der Ralph. Ich denke, das mit dem Interview ließe sich machen. Ich bin seit vier Jahren geschieden. Zahlt ihr denn gut?" Der Mann mit Namen Ralph ist Jenny`s   Gockel.  Sie ist sofort zur Stelle und  hakt sich bei ihm unter. Sie kichert. Welch eine Koloratur. Die hat sie nur für Männer parat. Offenbar ist mein Doktor Wohlgemut  nicht der Einzige, der solche weiblichen Geräusche anregend findet. 
"Wir können beim Fototermin selbstverständlich über ein Fotohonorar sprechen..." sage ich gedehnt. Somit ist sofort sonnenklar, dass es Kohle nur bei Fotowilligkeit  gibt.  Ich komme mir sehr clever vor. " Was haben sie sich denn so vorgestellt..."   "Tja..." zögert der Gockel mit Halbglatze. Er trägt unter dem Sakko eine Art Hawaiihemd aus schlabberiger Seide  und eine gestreifte Krawatte.  Mir fällt auch   eine goldene Krawattennadel schmerzlich auf. Was Jenny an so einem Mann nur finden kann?   Jenny  fängt meinen  Blick auf. "Es ist einfach schön, sich abends mal ein bisschen zu amüsieren. Ganz unkompliziert." Der Braune lehnt noch immer an der Bar und hat sich inzwischen an eine sehnige Frau herangemacht, die nach Sportlehrerin kurz vor der Frühpensionierung aussieht.    "Wie lange willst du mir denn meinen Tänzer noch vorenthalten," fragt Jenny. Sie ist chic,  teuer und etwas überladen zurechtgemacht, was aber zu ihr passt. Schwerer Schmuck klackert um  ihre Handgelenke. Jenny glüht, pulst, lebt  und scheint sich bestens zu unterhalten.   Ich beneide sie einmal mehr von Herzen um ihr Naturell. Sie pfeift nämlich  auf Komplikationen. Sie mag Männer und basta.  Sofern sie aus Paritätsgründen wohlhabend und außerdem weit älter   sind. Sie hat  Lebenslust  für zwei.
Jenny hat bisher nie etwas erwähnt, aber  es ist ihr sicher schleierhaft, wieso ich  immer noch allein bin. Sie fragt sich, weshalb ich so viel arbeite und andauernd sage, ich warte auf eine Schicksalsfügung mit einem   achtzehnjährigen Stehgeiger aus Budapest. Jenny findet meine Unbedingtheit  natürlich etwas absonderlich. Männer mögen so etwas  nämlich nicht…   
Der Abend ist inzwischen fortgeschritten, das Stimmengewirr lauter geworden, vier Pärchen haben  sich auf der Tanzfläche gefunden, die ich kurz vorher noch einzeln an der Bar habe stehen sehen. "Will you still need me, will you still feed me, when I`m sixty four." Die Beatles und immer wieder die Beatles…   Barbara hat die Beleuchtung noch etwas herunter gedimmt, an der Bar reichlich Schampus ausgeschenkt.  Die papierenen Grünpflanzen, die Toupets mancher  Herren  und  das Make up   der Damen gewinnen somit alsbald an Überzeugungskraft.  
Ich habe mir ein paar Telefonnummern  gesichert.  Jenny steht mit   ihrem Hawaii-Gockel, dem Braunen und einem Neuen in Jeanshemd und Bundfaltenhose an der Bar und  flirtet, was das Zeug hält.   "Hier tost zwar noch das Leben, aber ich geh jetzt langsam," sage ich im Vorübergehen. Vorsichtshalber bin ich, wie üblich, mit eigenen Wagen gekommen.   " Ich glaub, sie haben hier nur Chips , Nüsschen und so. Aber wenn Sie Lust auf Toast haben, kenne ich da ein Lokal..." Der Bundfaltenmensch  scheint nicht mehr ganz nüchtern zu sein. Oder er macht einen Witz. Er hat Abstehohren wie Prinz Charles, mustert mich durch dicke Brillengläser, hinter denen seine Augen winzig aussehen. Er lächelt und sieht dabei aus, wie ein hoch erfreuter Biber.   "Vielen Dank, das ist sehr nett, aber ich muss jetzt gehen, ich habe morgen sehr viel zu tun…“ sage ich eilig und strebe in Richtung Ausgang...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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