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Altweibersommer - Nachts am Telefon


Feb 10 2010

Ruth Eder
11:28 Uhr
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       Tiefschlaf. Nichts wissen. Traumfetzen. Blumen, eine Wiese. Dunkle, flaschengrüne Wassermassen. Sie fliessen breit, schillernd  und seltsam schräg einen Abhang herab. Dumpfe Schwere.   O Gott, das Telefo!. Ich bin sofort hellwach. So leicht schlafen nur Mütter oder Indianer auf dem Kriegspfad, das kommt eigentlich auf dasselbe raus.  Wo ist bloß das Handy? Verdammt!  Raus aus dem Bett!     Da liegt es ja auf einem Haufen Klamotten. Angst, Rumoren im Bauch. Ist was passiert mit Mara?  Fassung und Stimme dämpfen, eiserne Kontrolle, hartes Genick.   " Ich muss mit dir reden!"  
Wolfi! Seine Aussprache  klingt etwas  ausgefranst. " Entschuldige, ich weiß,  es ist zwei Uhr morgens,   aber es duldet keine Aufschub..."   " Schon gut", meine Stimme klingt seltsamerweise vollkommen  beherrscht. Aber ich fange an, zu zittern, er kann es ja zum Glück nicht sehen.   " Der Wigbert  war gerade da, hat unseren Film angeschaut. Ist begeistert. Jetzt ist er  weg. Aber das ist nicht so wichtig. Nur eins zählt. Ich habe über uns nachgedacht, "  sagt er atemlos. " Wie wir kürzlich zusammen gearbeitet haben. Wir waren schnell. Wir waren gut. Und wie wir gelacht haben. Und gequatscht. Mann, das hatte was.  Ein Feuerwerk. Es klingt kitschig, aber es zieht mich unheimlich zu dir hin. Weißt du, ich habe immer Visionen, wie ich mir die Dinge vorstelle. Ich habe jetzt eine, die mich nicht mehr loslässt: Wir beide, diese  Symbiose, wir wären gemeinsam besser als der Rest der Welt. Wir könnten uns gegenseitig stützen, in den Arsch treten, sponsoren.  Unsere Talente in einen Topf und unsere Temperamente , mein Gott, welch ein  Feuerwerk. Und wie du dich bewegt hast zur Musik. Im Studio. Ich habe dich  gesehen: Langsam, lasziv, wiegend. " Wolfi gibt ein  lang gezogenes Summen von sich, das offensichtlich höchstes Behagen ausdrücken soll, wodurch er sich jedoch eher  nach Biene Majas  Freund Willi  anhört. Ich finde es irgendwie eigenartig.  
Es ist stockfinster im Zimmer. Ich starre mit offenen Augen in die Dunkelheit.  Sein Atem klingt heftig. Diese  Vehemenz, mit der er zur Sache kommt. Genau wie er arbeitet oder lacht. Oder vögelt  vermutlich. In meinem Bauch ringen   Angst und  ein gewisses Kribbeln miteinander.   Dann ist es still.  Ich schweige ungewöhnlich lang, bin vollständig überrumpelt. Fühle Erschrecken wie einen Pfeilstich. Dann Freude, Jubel beinahe. Ja, Jubel. Kann es wahr sein? Ist er es, der Mann und Mensch, auf den ich seit der Scheidung gewartet habe? Spinnst du, du kennst ihn doch gar nicht, rüge ich mich sofort. Reiß dich zusammen, du bist doch kein Teeny mehr.  
" Das sehe ich eigentlich im Prinzip ähnlich," höre ich mich zu meinem Erstaunen sagen. Es klingt sehr kontrolliert. Dabei kommt es völlig ungebremst  aus meinem Innersten und ich lasse es geschehen. Riskiere es einfach:   Jubel,   Angst,  Ziehen im Unterleib. Nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt… "Nur das mit der Symbiose ..." sage ich zögernd.  
Ich bin leichtgläubig und weiss das inzwischen auch. Mir kann man jeden Bären aufbinden. Aber dann eben lieber nochmal  mit Karacho  scheitern als im Mittelmaß auf Nummer Sicher dahindösen. Ich spüre meinen Herzschlag im Hals und im Bauch. Es pulst, das ist Leben. Endlich wieder starke Gefühle. Solche Pärchen schaukeln sich meistens gegenseitig hoch bis zum bitteren Ende, warnt mich meine innere Stimme. Dieser Wolfi ist vermutlich leicht verrückt.  Wieso brauche ich so was offenbar?   Er putzt sich schon wieder die Nase, mitten im Gespräch. "Hast du Schnupfen?"   "Nein, wieso?"   Hoffentlich kokst er nicht auch noch, das ist ja in Filmkreisen so üblich ...                                       



 

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In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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