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Altweibersommer - Theaterluft für Pauschalgäste


Mai 25 2010

Ruth Eder
10:55 Uhr
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          Halb Elf. Da Essen ist vorbei. An der Bar betrinken sich die meisten Gäste nach dem kostenlosen Besäufnis bei Tisch nun auf eigene Kosten zur Gänze. Die Kids im Club sitzen schon erwartungsvoll in den ersten beiden Stuhlreihen vor der Bühne. Atmosphäre wie im Theater. Dämmerlicht. Geräusche hinter dem Vorhang. Show als Verkaufselement. Theaterromantik. Unerfüllte Jugendträume all dieser Anwälte, Zahnärzte, Anlageberater. Einmal groß rauskommen. Einmal aus der Menge ragen. Morgen würden schon die Proben für die Gästeshow beginnen. There is no business like show business. The show must go on.
Ob Geltungsbedürfnis der wichtigste Trieb des Menschen ist? Gleich nach der Selbsterhaltung? Sicher wichtiger als Sex? Gelten wollen? Anerkennung heischen. Einmal nur auf der Bühne. Einmal im Fernsehen. Und wenn es nur als einarmiger Legastheniker wäre, der ein Problem mit seiner Schwiegermutter hat. 
"Kannst du von hier aus was sehen?" ruft Fritz mich aus meinen Betrachtungen.   "Danke, du bist so fürsorglich zu mir," sage ich und grinse.   " Ich bin es ja gewohnt, mich um alles zu kümmern," sagt Fritz ernsthaft. Ganz Unternehmer.   Ich denke an den bösen Wolf. Was der wohl gegen meine Bemerkung gesetzt hätte?  Ziehen im Rückenmark. Gleichzeitig ein paar Zentimeter unter dem Nabel. Als wenn es dort eine geheime Verbindung zu ihm gäbe. Gummiband. Sehnsucht. Vielleicht würde er aber auch an der Bar herumhängen und sich besaufen. Ängstlichkeit steigt in mir auf. Weg damit.  
Die Musik setzt ein. Ohrenbetäubend. Der Tod in Schwarz. Elisabeth in Schneeweiß. "Ich gehör nur mir..." Playback in den höchsten Tönen. Das Erfolgsmusical aus Wien. Theater an der Wien , um genau zu sein. Ich bin ja  kulturell auf dem Laufenden.  Die Tragödie der Elisabeth von Österreich. Sissi genannt. Auch Romy Schneider hat diese Rolle  kein Glück gebracht. Die jungen Animateure  bei der Arbeit.   Stars für ein paar Minuten. Stars auf Pump. Mit geliehener Stimme. Geliehener Musik. Aufwändige Kostüme. Schöne, junge Menschen, mit Ernst bei der Sache. Einer hat, so meint Mara, den Sprung in ein richtiges Theater geschafft. In Wien. Aber meistens bleibt es bei der Show für Pauschalgäste.  
Ich lasse mich einlullen. Mitziehen. Einfangen. Trotz meiner kritischen Gedanken. Theaterluft. Das ist auch einmal meint Jugend-Traum gewesen. Und ich bin dabei weiter gegangen , als die meisten. Ich habe sogar Schauspielunterricht genommen, schon als Schülerin. Habe nach dem Abitur Theater gespielt sogar. Beim Film gejobbt. Einen Agenten gehabt. Doch dann war der Bildungsbürger in mir doch  stärker gewesen. Ich hielt nicht durch, sondern griff zu Plan B, stieg aus und studierte auf Journalismus.   Denn der verhieß ebenfalls den  gewissen Charme der  Öffentlichkeit.  
"Was für Eitle , " sage ich laut.   "Ja, wie die sich aufführen, schlimm" sagt Fritz und hat mich natürlich falsch verstanden. Ach Wolf! Ich beschließe spontan, am kommenden Samstag so früh wie möglich heim zu fahren. Denn am Sonntag bin ich ja bei ihm zum Rolladen-Essen eingeladen. Plötzlich eilt es mir…  



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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