Magazin Club
Sie befinden sich im Magazin > Liebe > Partnerschaft > Altweibersommer

Altweibersommer - Nicht leicht zu domestizieren


Jun 16 2010

Ruth Eder
15:56 Uhr
2431 Besucher
0 Kommentar(e)


    Stimmt tatsächlich: Die Jungen passen viel besser in dies kühle Haus als Wolf. Der eher Zigeuner oder Goutcho, jedenfalls nicht leicht zu domestizieren. Wild und ungebärdig. Und vielleicht im Stande, verrückt und unvernünftig zu lieben. Der Junge namens Tim hat eine Zigarette in der Hand, zieht  eine Augenbraue hoch und sieht dabei kurzfristig aus wie sein Vater, als wenn man ihn  zu oft ohne Feinwaschmittel gewaschen hätte. Form identisch,  Farben  ausgebleicht.   "Als alleinerziehender Vater zweier stolzer Söhne war es mir leider nicht möglich, das Abendessen zur Gänze fertigzustellen. Die jungen Herren werden sich wohl jetzt in ihre Gemächer zurückziehen und ich kann sodann servieren," sagt Wolf und lacht als Einziger. Viel zu laut. Ich höre immer genau hin. Mein Kopf funktioniert, kritisiert, ordnet ein. Meinem Bauch ist dessen Urteil jedoch völlig schnuppe. Sein Gelächter schießt mir ohne Umschweife direkt in jenen Rückenmarkspunkt etwas unterhalb der Taille, den ich neuerdings ständig spüre, wenn ich an Wolf denke...   Die Söhne rühren sich nicht vom Fleck. Sie wirken irgendwie eingeschüchtert.   " Wird`s bald..." sagt Wolf leise, nun der Böse. In seiner  Stimme schwingt  ein drohenden  Unterton, der mir unangenehm ist. Besser gesagt, meinem Hirn.   " ... dann noch n`sch”nen Abend" sagt der Ältere und beide Knaben verlassen durch eine der schneeweissen Türen die sparsam möblierte, weisse Wohnhalle in Richtung Obergeschoß.   Weisse Schiebetür mit Sprossen, lila Teppichboden, schneeweisse , italienische Fliesen in der Küche, die zum Eßzimmer hin offen ist. Ovaler Riesentisch. Bistrostühle in schwarz, wie in Pits Vegetarier. Wenig hinterfreundlich, aber zeitgeistig.    "Ich koche gern und gut. Fränkische Hausmannskost. Fetter Fraß hat man in meiner Ehe dazu immer gesagt. Magst Du eigentlich Rouladen?" Wolf steht in der  Küche und schneidet an etwas herum. Er hat die Eigenart, sich ständig selbst zu loben, was nicht eben für seine Selbstsicherheit spricht. Mir geht es im Prinzip ja ähnlich.   "Du weißt, es gibt selbstgemachte Nudeln zum Fleisch. Und Gemüse und Salat aus dem eigenen Garten. Ich bin nämlich..."   Ich kann es nicht lassen:..." Schrebergärtner, gelle?" unterbreche ich ihn. Es ist aber auch  schwierig,  bei Wolf auf höfliche Art und Weise   zu Wort zu kommen. Ich finde seinen Redeschwall sympatisch. Pits Schweigen ist mir immer unheimlich gewesen.  
Ich lehne mich so dekorativ wie möglich an die Wand des Durchbruchs zur riesigen, weissen Edelküche. Schwarz auf Weiß sozusagen. Hat es nicht mal so einen Whisky gegeben, als ich jung war? Black and White?   Wolfs Blick streift mich- bleibt kurz an meinen schwarzbestrumpften Beinen kleben. Meine Beine sind etwas zu kräftig, wie bei allen Frauen, die  lange Ballett getanzt haben. Aber lang und gut geformt. Schwarze Strümpfe wirken Wunder. Ich weiß genau, wie man Beine  so drapiert, daß sie weit besser wirken, als sie sind. Ich spreche von ihren  gern als Krautstampfer und freue mich über Widerspruch.  
Im Hintergrund schmachtet Country-Lady Tammy Wynette:" Stand by your man...", gleich anschließend Dolly Parton. Ob Country gut für die Oberweite ist?   "Hast du ne Schwäche für Country oder für Titten?" sage ich.   "Sowohl als auch" sagt er.  "Ersteres gemahnt an den Cu-Clux-Clan finde ich," sage ich. Ich habe mit meinem ersten Mann Larry eine Zeitlang in Alabama gelebt."Mother and applepye in gods own country" spöttele ich deshalb.  "Na und," sagt er."Country bedeutet  für mich unendliche Weite, Arizona, Riesenschlitten auf der Route 66, Rodeo und natürlich Gitarre..."  

Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer, wenn ich nicht irre..." sage ich, " und der von Lungenkrebs..."   Wolf grinst und zündet sich sofort  eine Zigarette an...



 

Womenweb.de Community

Chat, Gewinnspiele, Forum, Games & mehr

 

Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
Profil
Blog-Übersicht
 

Kalender

Blog Archiv

Dezember 2009 (4)November 2009 (4)Oktober 2009 (5)September 2009 (5)August 2009 (3)Juli 2009 (3)Juni 2009 (1)Dezember 2010 (3)November 2010 (4)Oktober 2010 (4)September 2010 (3)August 2010 (4)Juli 2010 (4)Juni 2010 (3)Mai 2010 (4)April 2010 (4)März 2010 (4)Februar 2010 (4)Januar 2010 (4)Dezember 2011 (4)November 2011 (4)Oktober 2011 (4)September 2011 (4)August 2011 (3)Juli 2011 (4)Juni 2011 (3)Mai 2011 (4)April 2011 (4)März 2011 (5)Februar 2011 (4)Januar 2011 (4)Dezember 2012 (3)November 2012 (4)Oktober 2012 (5)September 2012 (4)August 2012 (2)Juli 2012 (3)Juni 2012 (3)Mai 2012 (3)April 2012 (3)März 2012 (3)Februar 2012 (3)Januar 2012 (5)Dezember 2013 (3)November 2013 (2)Oktober 2013 (3)September 2013 (2)August 2013 (5)Juli 2013 (3)Juni 2013 (3)Mai 2013 (3)April 2013 (2)März 2013 (4)Februar 2013 (4)Januar 2013 (3)Dezember 2014 (3)November 2014 (3)Oktober 2014 (3)September 2014 (2)August 2014 (3)Juli 2014 (3)Juni 2014 (3)Mai 2014 (3)April 2014 (3)März 2014 (3)Februar 2014 (3)Januar 2014 (3)Dezember 2015 (2)November 2015 (2)Oktober 2015 (3)September 2015 (2)August 2015 (2)Juli 2015 (2)Juni 2015 (2)Mai 2015 (2)April 2015 (3)März 2015 (3)Februar 2015 (3)Januar 2015 (2)Dezember 2016 (1)November 2016 (4)Oktober 2016 (2)September 2016 (2)August 2016 (2)Juli 2016 (2)Juni 2016 (3)Mai 2016 (2)April 2016 (2)März 2016 (6)Februar 2016 (3)Januar 2016 (2)Dezember 2017 (2)November 2017 (2)Oktober 2017 (3)September 2017 (3)August 2017 (2)Juli 2017 (3)Juni 2017 (2)Mai 2017 (3)April 2017 (2)März 2017 (3)Februar 2017 (2)Januar 2017 (3)Dezember 2018 (3)November 2018 (3)Oktober 2018 (4)September 2018 (7)August 2018 (6)Juli 2018 (3)Juni 2018 (2)Mai 2018 (3)April 2018 (1)März 2018 (2)Februar 2018 (3)Januar 2018 (2)August 2019 (2)Juli 2019 (2)Juni 2019 (2)Mai 2019 (2)April 2019 (2)März 2019 (2)Februar 2019 (2)Januar 2019 (2)