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Altweibersommer - Gitarre wie ein Profi


Jun 23 2010

Ruth Eder
12:23 Uhr
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    Im Hintergrund schmachtet Country-Lady Tammy Wynette:" Stand by your man...", gleich anschliessend Dolly Parton. Ob Country gut für die Oberweite ist?   "Hast du ne Schwäche für Country oder für Titten?" sage ich.   "Sowohl als auch" sagt der böse Wolf.   "Ersteres gemahnt an den Cu-Clux-Clan finde ich," sage ich. Ich habe eine Zeitlang in Alabama gelebt."Mother and applepye in gods own country" spöttele ich.  
"Na und," sagt Wolf. "Country bedeutet  für mich unendliche Weite, Arizona, Riesenschlitten auf der Route 66, Rodeo und natürlich Gitarre..."   "Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer, wenn ich nicht irre..." meckere ich, " nd der von Lungenkrebs..."   Wolf grinst und zündet sich sofort  eine Zigarette an. Ich beobachte dabei die Bewegungen seiner Hände und  spüre, dass ihm mein Blick durch und durch geht. Jetzt biste wieder frech, Alte,  nur weil   die blöden Kids im Haus sind, denke ich und finde mich in diesem Augenblick absolut unwiderstehlich.  Vermutlich bin ich es für Sekunden genau deshalb auch wirklich. Seine Nervosität  gibt mir Recht.  
Der Tisch ist geschmackvoll gedeckt. In Weiß und Lilatönen. Azalee, Tischtuch, Stoff-Servietten, alles Ton in Ton. Ungewöhnlich für einen Mann. Für einen normalen Mann. Ich beobachte seine weichen Bewegungen. Er kocht. Ich schaue ihm zu und mache ihn an dabei. Sowas nennt man dann Emanzipation. 
Er hat zweifellos etwas Biegsames,  das mich anspricht. Ich bin mir darüber im Klaren,  dass mir durchaus männliche Züge eigen sind. "Dominating bitch" hat mein erster Mann Larry mich einmal in der Wut genannt.  
Wolf vibriert förmlich vor Leben und  und Energie.  Zwischen uns scheinen unsichtbare Stromverbindungen  hin und her zu laufen. Wolf stehen Schweissperlen auf der Stirn. Ich spüre den Impuls, sie ihm  wegzuwischen.  
Einer der kargen  Dialoge mit Mara kommt mir in den Sinn.   "Wie merkt man eigentlich, dass man einen Typen mag," hatte sie früher mal gefragt.   "Wenn man sich nicht vor ihm ekelt, wenn er schwitzt," hatte ich geantwortet.   Mara zeigte damals wie üblich kaum eine Reaktion. Es ging schon immer viel in ihr vor, aber sie behielt das meiste für sich. Mir war das immer schon ein bisschen  unangenehm. Es ist ein Machtmittel, seine Karten nicht offen auf den Tisch zu legen.  Ich kenne das von ihrem Vater.
Die Rouladen sind wirklich gut. Das Gemüse auch. Tatsächlich alles ein bisschen fett. Aber ich mag das. Meine Großmutter hat auch fett gekocht: K. und K. - Donaumonarchie-Küche. Sehr heftig gewürzt alles bei Wolf. Das passt zu ihm. Viel zu viel Knoblauch. Er hält das sicher für mediterrane Lebensart.
Wolf ist die ganze Zeit über aufgeregt wie eine Hausfrau, wenn der Chef ihres Mannes zum Essen kommt. Viel sympatischer, wenn er unsicher ist, als wenn er auftrumpft. Etwas an ihm spricht dann meinen Mutterinstinkt an, den  ich ja schon jahrelang bei Mara nicht mehr satt bekomme.   Mannskerl und Kind. Die Mischung, auf die ich fliege. 
Später spielt er Gitarre. Erstaunlich  professionell mit Aufsatz für die Mundharmonika. Kerzenschein und das Prasseln des Kaminfeuers hinter Panzerglas.  Dylan und Donavon. " You might as well try and catch the wind..."   Er spielt wirklich gut. Seine Stimme verwirrt mich. Wenn er singt, wie er Sex macht, dann kann ich mich auf was gefasst machen.
Plötzliche Erinnerunsfetzen an meine Studentenzeit. Ein Freund von Larry mit der Gitarre. Alle zugedröhnt mit Pot.  Ein kleines Angstgefühl ist immer noch dabei. Ich fürchte  berauschte Menschen. Die nächtlichen Szenen zwischen meinen Eltern, wenn mein Vater mal einen  getrunken hatte, kommen dann in mir hoch.
Wolf hört plötzlich auf zu spielen und nimmt meine Hand. O Gott, was mache ich bloß?



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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