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Altweibersommer - Der Hund hat Sorgen


Aug 18 2010

Ruth Eder
14:05 Uhr
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  Also, wie gesagt: Der Hund spürte meine Aufregung und  kam die steile Holztreppe zu mir hinauf getappelt. Er schien jede meiner Stimmungen zu wittern. Diesmal war es wohl das pure Adrenalin, das ich verströmte. Seine Krallen kratzten  im Takt seiner Schritte auf dem  Holz. Er schaute mich beunruhigt  an, forschte in meinem Gesicht. War Aufbruchstimmung? Würde ich ihn allein lassen? Einfach weggehen für immer? Er war aus dem Tierheim und lebte in ständiger Verlassenheitsangst. Deshalb zerbiss er auch den Teppichboden, die Autositze und pinkelte überall hin, wenn man ihn tatsächlich, wenn auch  nur kurzfristig, allein ließ. Es war ihm nicht auszutreiben. Offensichtlich hatte ich eine Vorliebe für verkorkste männliche Wesen.      Fritz kam zu dem Schluss, dass Frauchen  zu Hause bleiben würde und trottete beruhigt wieder die Treppe hinunter, wo er sich schnaufend auf seine Decke über dem schönen alten, mit dunkelbraunem Samt bezogenen Biedermeiersessel neben dem Telefon  niederließ und augenblicklich anfing, zu schnarchen. Für ein Liebesnest genau die richtige, betörende  Geräuschkulisse, stellte ich bang fest.   Ich stieg nun meinerseits lautlos die Treppe hinunter, um den Hund nicht erneut zu alarmieren und stellte mich ans Gartentor, von wo aus man die ganze Straße überblicken konnte. Er würde zu Fuß kommen, hatte er gesagt, er hatte es ja nicht weit. Hier, im Schein der Straßenbeleuchtung  hatten wir uns  am Zaun zum ersten Mal geküsst. Es war damals kalt, ganz winterlich, eine zarte Schicht Neuschnee glitzerte festlich auf dem schwarzen Asphalt. Wir hielten uns in den Armen. Mit angehaltenem Atem. Staunend. Lange wortlos. "Du vibrierst wie ein junger Jagdhund" sagte ich schließlich an seiner Brust.   Wenn er nun keinen hochbekam vor lauter Stress? Was dann?   Ich hatte es ja da vergleichsweise leichter. Wenn auch nur auf den ersten Blick. Denn ängstliche Erwartung war auch nicht eben ein Indiz vehementer  Weiblichkeit.   Es war schon 22 Uhr und  45 Minuten. Ich fror und Wolf war noch immer nicht zu sehen. Ob andere Leute vor  Wendepunkten ihres Lebens auch so viel Schiss hatten, wie ich? Sie wären sicher alle längst weggelaufen.   Mein Schlafzimmer war schneeweiß mit Pink. Schreiendes Pink, das ich nicht mochte. Meine Mutter hatte mir die Farbe eingeredet. Und ich hatte es mit mir machen lassen, wie üblich.   Dieser Raum  lag direkt neben Maras Zimmer im ersten Stock, die dann und wann unerwartet auftauchte und entfiel somit als Lotterbett. Wie ich mich noch dunkel erinnerte, war Sex mitunter mit Geräuschen verbunden.  Das Bett selbst war schon gar nicht  geeignet. Ich hatte es Pit zuliebe bei einem teuren Finnlandmöbelhersteller  gekauft. Die Roste quietschten  und waren  nicht stabil. Ich hasste nicht nur Pink, sondern auch skandinavische Möbel.  Mir fiel ein, dass ich damals vor 20 Jahren sogar einmal mit Larry ein Bett in Grafenwöhr zu Fall gebracht hatte, als ich ihn im Manöver besuchte und er ausnahmsweise Lust zum Vögeln gehabt hatte...  



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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