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Altweibersommer - Ballermann auf der Wiesn...


Sep 25 2010

Ruth Eder
12:51 Uhr
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Aus aktuellem Anlaß unterbreche ich mal meine Lovestory und wende mich dem größten Massenbesäufnis der Welt zu: Unserem herrlichen Oktoberfest:
Eigentlich mag ich gar nicht mehr hingehen, obwohl es ja gerade wieder  in vollem Gange ist unsere "Wiesn", das immerhin als das größte Volksfest der Welt firmiert. Leider hält es auch einen anderen, ziemlich traurigen Rekord: Nämlich den im Kampftrinken bis zum Umfallen. Zweifellos ist die Wiesn auch dazu da, zu testen, wieviel Bier man in sich hineinschütten kann, ohne das Zeitliche zu segnen. Von der lächerlichen Promi-Deppenparade in gewissen Zelten mal ganz abgesehen. 

Gewiss, es gibt auch viele viele lustige Leute, Familien, Freundescliquen, die dort hin gehen, lustig sind, in Maßen Bier oder auch einfach Limo trinken und sich ihres Lebens freuen. Super!
Aber zwei Wochen dient das Gebiet um die Bavaria eben auch als Mega-Ballermann nicht nur für Deutsche, sondern auch für Australier, Japaner, Italiener.   Schaue ich am Abend in die Bierzelte hinein, habe ich mitunter den Eindruck, mich auf einer gigantischen Klinikstation für frisch eingelieferte, schwere Alkoholiker im Endstadium zu befinden. Und die Art und Weise, wie außerdem in unseren Medien für Biertrinken als hippes Ritual geworben wird, scheint völlig zu verdrängen, dass sich nicht wenige der mindestens geschätzten 5 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland in unseren Bierzelten den ersten Riesen-Rausch geholt haben.

Suchtberater warnen seit Jahren davor, das unkontrollierte Saufen als cool, modern, gar männlich oder sonst wie sozial angenehm und erwünscht darzustellen. Denn bekanntlich greifen immer mehr Jugendliche immer früher zu Alkohol als Partydroge um „gut drauf“ zu sein. Auch "Vorglühen" ist absolut in. Viele können sich dieses „gut drauf sein“ ohne chemische Unterstützung durch Alkohol (oder andere Drogen) gar nicht mehr vorstellen. Wer nicht mitsäuft, gilt als Langweiler. Und Eltern leben ihren Kindern oft noch  im Familienkreis vor, dass es ohne die Flasche Wein am Abend, oder die „paar Bierchen“ vor dem Fernseher einfach nicht geht. Ganz zu schweigen, von der Prahlerei am nächsten Morgen über den "Riesen-Rausch" auf der Wiesn. Na toll!

 Nun sind ja gegen ein oder auch mal zwei Maß im Bierzelt  nichts einzuwenden. Aber die (legale) Droge Alkohol ist deshalb so gefährlich, weil sie überall ganz einfach zu haben ist. Versuchen Sie mal, in einem Bierzelt etwas anderes als einen Riesen-Maßpott voller Bier zu bestellen. Sie werden sehen, dass sie vor allem Verwunderung oder Spott ernten werden.   Ganze Jugendcliquen gehen aufs Oktoberfest, um sich gezielt zu besaufen „bis zum Abwinken“, weil ihnen die Erwachsenen vormachen, das so was nicht nur akzeptabel, sondern sogar ziemlich cool ist. 

Und am anderen Morgen wird im Büro oder auf dem Schulhof dann fleißig berichtet, wie dicht man ab Abend vorher war. Wer den dicksten Kopf hat, ist der tollste Hecht. Kippte nicht auch John Wayne vor jeder Schießerei ganz schnell eine halbe Flasche Whiskey? Nur dass er dann höchst selten auf die Holzdielen des nächsten Saloons kotzte.   Ungeheure Mengen von Hektolitern Bier gehen auch diesmal wieder auf dem Oktoberfest über die Theken. Die Wirtschaft freut sich, wenn der Umsatz stimmt. Die Kapellen in den Zelten animieren mit „Oans, zwoa, gesuffa!“ unentwegt zum Trinken oder besser noch zum Saufen.
An die herunter gekommenen  Alkohol-Opfer in Millionenzahl denkt dabei lieber niemand. Nicht mal, wenn er an den ganzen unappetitlichen, vollgesabberten  „Bier-Leichen“ am Rande der „Wiesn“ vorbei geht, die sich in die Lederhosen oder ins schicke Designer-Dindl gepinkelt haben. Sonst könnte man ja vielleicht als Moralapostel und  Langweiler gelten...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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