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Altweibersommer - Love hurts


Okt 20 2010

Ruth Eder
11:12 Uhr
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  Liebe macht verletzlich. Love hurts. Der alte Song hat mir immer schon gefallen. Vor Jahren hatte ihn eine Kollegin mit einem arabisch klingenden  Namen in der Redaktion tagelang vom Casettenrecorder  nudeln  lassen. Love hurts, love wounds...    Ja, und wie klagte doch Gretchen kurz nachdem sie sich in Faust verliebt hatte? "Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, ich find sie nimmer und nimmermehr".

Bei allem Hang zu Drama musste ich nun doch schmunzeln, wenn ich mich ausgerechnet mit Gretchen verglich.    Ich schlenderte zum  Telefon. Ohne nachzudenken wählte ich eine Nummer.   "Jägerle", meldete sich Veras Geschäftsstimme. Sie war im Dienst und das hörte man ihr auch an. Sie bemühte sich dann, ihren badischen  Tonfall zu unterdrücken. Ich fand das schade.   "Ja hallo, hier ist die Gina. Ich wollte mich mal melden," sagte ich. "Wie geht es euch?" Vera und ich hatten vor fünfzehn Jahren zusammen gearbeitet. Vera wirkte wie der Inbegriff der Tüchtigkeit, pragmatisch, zuverlässig und gescheit. Aber sie hatte auch die Fähigkeit,  hellauf hinauszulachen. In einer Art, die auf verborgene Untiefen schliessen liess. Sie besaß ein waches Auge für Situationskomik  und zugleich ein  tiefes Verstehen für alles, was nun mal menschlich war.
Sie frisierte und kleidete sich mit schickem, teurem Understatement, worin sie  mich, die leider zum Pompösen neigt,  bei weitem übertrifft.   " Es geht ganz gut, der übliche Trott. Was kann ich für dich tun?" Vera fragte auf eine Weise,  die einen  unweigerlich ins Reden brachte. Auch was das Zuhören anging, ist sie mir voraus.   "Ich hab mir eben  mein erstes graues Haar ausgerissen," sagte ich kleinlaut. Vera war fünf Jahre jünger und daher vor solchen niederschmetternden Ereignissen vorerst sicher.  

"Ja, gell, die stehen so komisch in die Luft. Die haben  eine andere, dickere  Struktur," sagte Vera knapp. Sie wusste also, wovon ich sprach.  Ich fühlte mich umgehend besser. Vera wurde also auch alt und grau und es schien ihr nichts auszumachen. Sie  war die Klarheit und Gedankenschärfe in Person und Gefühlstiefe  besaß sie ausserdem, auch wenn sie nicht damit hausieren ging. Es tat gut, mit Vera zu reden, wenn man verwirrt war. Sie traf immer den Nagel auf den Kopf.
Und ich war in letzter Zeit eigentlich ständig  verwirrt. Ich merkte es daran, dass ich vieles verlegte und mich beim Autofahren, in Gedanken an Wolf gefesselt, andauernd verfuhr, was ich früher nie getan hatte.   " Und wie geht`s dir sonst?" fragte Vera interessiert.

Mir war bereits klar, dass ich auch bei diesem Gespräch wieder viel zu viel von mir reden würde.   " Also, ich schreibe eifrig an meiner Serie. Es ist ziemlich stressig. Du weisst ja, dass ich meinen PC manchmal  zerhacken könnte..." Ich fing erst mal von meiner Arbeit an, obwohl ich viel lieber gleich mit Wolf eingestiegen wäre. Er war mit Sicherheit bisher mein  schlimmster Fall von Besessenheit.   "Ja, wenn ich dich so höre, kriege ich gleich ein schlechtes Gewissen... Man schafft nie alles, was man sich vorgenommen hat, gell! Was macht denn Mara?" Ich hatte gehofft, dass Vera nach Wolf fragen würde.   " Die reitet fleissig und ist wie immer nicht sonderlich engagiert im Studium, und Marie?" Marie war Veras Tochter. Vera und ich hatten unsere Kinder damals  in der Redaktion  Bauch an Bauch ausgetragen und im Abstand von sechs Wochen Mädchen geboren. Sowas bindet, wenn man noch zusätzlich dem selben Beruf nachgeht... 




 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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