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Altweibersommer - Vom Rühren besoffen


Mai 9 2011

Ruth Eder
13:31 Uhr
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  Das Fondue ist  also– O Wunder – perfekt geraten. Aber wo bleiben bloß unser Opa Paulchen mit Frau Heidi? Der Tisch ist gedeckt, die Riesenscampi in Dillrahm aus der Delikatessenabteilung stehen - angerichtet in Sektgläsern auf Salat, im Kühlschrank, damit sich die Katzen nicht darüber hermachten.  Der Nachtisch ist ebenfalls ganz nach Pauchens Geschmack: Sahnebaisers gefüllt mit Apfel-Zimt-Eis von Mövenpick. Ich habe mich nicht lumpen lassen.   Aber wo  blieb Paulchen zum Teufel?   Das Telefon läutet. Natrlich  habe ich vergessen, wo ich das Mobilteil hingelegt habe, suche  beim  Getöse  der Feststation, die auf maximale Lautstärke eingestellt ist, im ganzen Haus nach dem überaus leisen  Mobilteil.

Inzwischen springt der beknackte Anrufbeantworter an.   "Es wird etwas später bei uns," sagt Paulchen irritiert, da er jetzt zugleich mit mir und  meiner  Konservenstimme spricht. "Wir haben uns in der Stadt beim Shopping  vertrödelt. München ist im Frühling so schön. Die Cafés, die Atmosphäre..." Ich kann mir vorstellen, wie mein Vater am Telefon sein unnachahmliches Lächeln andeutet, das eine gewisse Hilflosigkeit mit  selbstgewissem Charme verbindet. Frauen können ihm immer noch nur schwer widerstehen.   Mein Vater Paulchen ist fast achzig. Aber immer noch ein breitschultriger Hühne mit einer Stimme, deren Timbre, unterstrichen von österreichisch-ungarischem Zungenschlag, schon meine Schulfreundinnen einst nervös gemacht hatte.

Riesig und selbstgewiss strahlt er eine Zuversicht aus, an der die Unbilden des Lebens abzuprallen scheinen wie an einer glänzenden Rüstung.     Paulchen und seine zweite Gattin Heidi lieben es, in den Münchner Geschäften der Innenstadt einkaufen zu gehen.   "Macht nichts," sage ich." Das Fondue ist fertig. Wir halten es eben solange warm. Nur keine Hektik. Also bis nachher. Mara rührt halt solange drin herum."  

Und Mara rührt. Ich gehe aufs Klo. Mara rührt immer noch. Ich gehe schnell noch mit dem Hund Gassi. Mara rührte. Ich fülle die Brotwürfel in eine grosse Glasschüssel. Mara rührt.  "Mama, das Zeug wird langsam  zäh," sagt sie.   "Macht nix, sie haben gefaxt, dass man dann etwas Wein nachgiessen soll..." sage ich. Wo bleibt  nur Paulchen?   "Wenn ich noch mehr reingiesse, werden nach dem Essen alle besoffen sein," sagt Mara. "Schade, dass Wolfi nicht da ist, da würde er wenigstens nicht auffallen..."   "Musst du immer gleich gegen Wolfi zu Felde..."  

"Mama, ich kann das Zeug nicht mehr umrühren, sonst bricht der Löffel ab. Du weiát, einer von deinen schönen, silbernen,  antiken..." In Maras Stimme versteckt sich Heiterkeit. Mama würde mit ihrer Kochkunst wieder einmal stranden.   "Schütt noch ein bisschen Wein..."   "Der ist schon bald aus... Heute blau und morgen blau..." singt Mara.   "Ha, ha, ha..." sage ich.    "Wie es aussieht, ist das Fondue im Arsch" sagt Mara trocken.   "Vorhin war es perfekt" stöhne ich.  "Vorhin hat es aber noch keiner gegessen," sagt Mara mit gewisser Schadenfreude...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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