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Altweibersommer - Hamster im Häcksler


Mai 16 2011

Ruth Eder
13:58 Uhr
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    Das bescheuerte Fondue wird von Minute zu Minute dickflüssiger und klebriger, es zieht Fäden, die unendlich lang sind und Opa Paulchen hate damit seine liebe Mühe, nachdem er mit FrauHeidi endlich eingetroffen ist:      " Ich schneide die  Dinger jetzt einfach mal ab," sagt Paulchen schliesslich beim Essen und säbelt mit seinem Messer aus dem Familiensilber lange und vergeblich an den Käse-Tentakeln herum, die ihn vom ersehnten  Käsefonduehappen trennten.  Paulchen ist ein Mann  von gesegnetem Appetit. Von ihm geht die Kunde, dass er als junger Mensch  fünf  Wiener Schnitzel und anderen Tags  24 Zwetschgenknödel vertilgt hate. Die Riesenscampi in Dillrahm als Vorseise haben ihn erst richtig hungrig gemacht.   Das Käsefondue riecht  delikat. Aber es ist so glatt und unzugänglich wie eine schöne Frau, die sich hartnäckig allen  Annäherungen verweigert.

Es machte Paulchen ungeduldig, wenn er auch zu höflich  ist,  es  sich anmerken zu lassen. Aber ich kenne meinen Vater genau. Paulchen stochert mit seiner Fonduegabel, an der mehrere leider zerbröselte Baguett-Rinden hängen,  in der zähen, jedoch duftenden und goldgelben Masse herum und fördert, indem er die Gabel heftig zwirbelt, unendliche nach Käse duftende Fäden  zutage, die man unmöglich in den Mund schieben kann.  Hoffentlich erinnert ihn dies Essen  in seiner Vergeblichkeit   nicht an seine Ehe mit meiner Mutter, denke ich und grinse unwillkürlich.  Heidi tunkte und zwirbelte ebenfalls, ohne einen Bissen abzubekommen.  

"Das Fondue ist ein Witz," sagte Mara," ein Beispiel mütterlicher Kochkunst".   "Wenn  du nicht mit diesem Vegetarier-Unsinn gekommen wärst, dann würden wir jetzt ein exzellentes Filet brutzeln," keife ich  unbeherrscht. Offenbar ist mir  der viele Fendant in dem Fondue zu Kopfe gestiegen. Normalerweise liasse ich mich in Paulchens Anwesenheit keinesfalls dermassen gehen.   ""Wieso, ist doch ausgezeichnet" murmelt Paulchen, der Konflikte nicht ausstehen kann. "Jedenfalls wird man sich an dieses Essen noch Jahrzehnte erinnern" fügt er hinzu, da er durchaus einen Sinn für  Komik  besitzt.  "Scheiss-Vegetarier" sagte ich aufsässig und schaue Mara kampfeslustig an.   Die ist damit beschäftigt, ihre  Käsefäden demonstrativ um ihre Fonduegabel zu wickeln und schliesslich mit einer Papierschere, die sie sich von der Anrichte geholt hat, gar zierlich abzuschneiden. Ich hätte sie erwürgen können.

Kurze Zeit später kreist die Schere von Hand zu Hand und verhilft den Gästen wenigstens zu einem angedeuteten  Sättigungsgefühl. Mara kichert. Ich schwitze. Heidi, die ihren Haushalt perfekt im Griff hat, denkt sich ihr Teil.   "Es würde sich empfehlen, die Stühle der Gäste beim Genuss eines Käsefondues einige Meter vom Tisch entfernt aufzustellen", sagt Paulchen.   Ich kichere histerisch.   "Ich muss euch eine tolle Geschichte erzählen," sagt Mara. "Stellt euch  vor, die Eltern von der Freundin von der Kerstin haben beim Aufräumen im Garten aus Versehen ihren Hamster in den Häcksler gesteckt. Das muss ausgesehen haben , vorn den Hamster rein und hinten ist er dann kleingehackt rausgespritzt..."   Paulchen lächelt gequält.  Heidi schweigt und zwirbelt Käse. Ich auch.  Ich bin  immerhin froh, dass Wolfi zur Zeit irgendwo im Allgäu weilt und keine Gelegenheit hat, diesem unvergesslichen  Fondue beizuwohnen...



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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