Magazin Club
Sie befinden sich im Magazin > Liebe > Partnerschaft > Altweibersommer

Altweibersommer - Geklampfe am Pool


Jun 16 2011

Ruth Eder
17:25 Uhr
2723 Besucher
0 Kommentar(e)


       Amadeus leidet. Man sieht es ihm deutlich an. Er sitzt eingepfercht zwischen seiner  kurvenreichen Gattin Julia und meiner noch barockeren Cousine Lore auf der harten Holzbank am Biertisch unter meinem Apfelbaum, schwitzt  und trinkt ziemlich viel erstklassigen Rotwein. "Der Wein ist hübsch," sagt er mehrmals. Lore ist Heilpraktikerin und setzt ihm seit längerem die Vorteile des Schr”öfens auseinander.   Im Licht der  Lampe an der efeubewachsenen Garagenwand schimmert das Wasser meines gemütlichen, kleinen Pools azurblau, romantisch verklärt noch von unzähligen Teelichtern, die Mara und ihre Freundin Tina  auf dem weisslichen  Sandstein rund ums Becken aufgestellt haben.   Amadeus leidet nicht etwa wegen der beiden Damen, die ihm zusätzlich zur lauen Augustnacht einheizen. Er liebt warme, weiche Frauenkörper. Aber Amadeus ist erster Geiger  in einem   Synphonieorchester  und verfügte über das absolute Gehör...
 
Heute Abend fühlte er sich   damit geschlagen. Denn  Wolfi klampft nun schon seit geraumer Zeit singend  auf meiner Gitarre herum, mehr oder weniger bemüht  begleitet von einem weiteren Kollegen aus der Medienszene, der seinen schmalen, blassen Kopf angestrengt in ein " Oldie-Songbook" steckt. Es liegt  aufgeschlagen zwischen Gläsern, abgegessenen Tellern und halbleeren Weinflaschen auf dem Biertisch.   Wolf ist in seinem Element. Er steht gern im Mittelpunkt. Genau wie ich. Ich habe heute Geburtstag  und berlasse ihm als Gastgeberin gern die Bühne. Vor Wolf steht eine halbleere Flasche alkoholfreies Bier. Er trinkt seit Wochen keinen Tropfen mehr.    "Es kommt der Taaaag, da zieh ich in die Ferrrne...." röhrte er in Freddy-Manier. Täuschend echt. Und er spielt wirklich gut. Alle Anwesenden mit Ausnahme meiner Tochter und deren Freundin sind mit Freddy-Schnulzen aufgewachsen. Oder mit Elvis, Donavan und  Bob Dylan. Die hat Wolfi auch auf der Pfanne. Freddy finden die Gäste am schönsten, weil sie dabei mitsingen können.

Ich habe ein bisschen Lampenfieber, denn heute führe ich meinem alten Netzwerk meinen neuen Kerl vor.   Die Nachbarn jenseits der Strasse lassen ihre Rollläden vorwurfsvoll  herunterknattern. Es ist weit nach Mitternacht. Aber der Protest verhallt ungehört.   " Junge, komm bald wiederrrr....." singt Wolf, der einmal eine Rockband hatte.   Später stehe ich   in meinem  apfelgrünen Flatterkleid aus zartem Stoff, dass sich an meinen Körper schmiegt, im Schatten der Garagen und fühlte mich rundum wohl. Der Früh-Sommer ist bisher warm gewesen und sonnig. Ich sehe mit meiner Bräune und den ebenholzschwarzen Haaren aus wie eine - nun ja -  etwas angejahrte Zigeunerin und betone das gern, indem ich mit weiten, schwingenden  Röcken  barfuss gehe.

Wie immer, wenn Wolf um mich ist, fühlte ich mich attraktiv und weiblich und begehrenswert. Und er trinkt kaum mehr was.  Das   Kleid ist durchgeknöpft und klafft ein wenig über meinem schweren Busen. Alle anwesenden Gäste männlichen Geschlechts hatben das  zu ihrer Freude registriert.  Meine hoch moralische Tochter leider auch. "Zieh dir schnellstens einen BH an," hatte sie mir mit einem vernichtenden Blick zugezischt. Schmal, blass, kaum geschminkt  und elegant wirkt sie wie eins dieser coolen, hochnasigen  Calvin-Klein-Models. Ich bin kurzfristig irritiert.
Seit heute bin ich - Ahem - irgendwas bei 50plus.  Eine ältere Dame, die auf das Verfallsdatum zugeht. Scheiße!  Aber jetzt  will ich nichts davon wissen.  Meine nackten Arme sind dank Fitness noch knackig. Wenn es mir auch vorkommt, als wenn die Haut allmählich etwas Mürbes bekommt, gegen das nichts zu machen ist. Aber das bemerke bisher nur ich selber. Wenn  Frauen  etwas darstellen, ist es doch eigentlich  egal, wie alt sie sind, oder ?



 

Womenweb.de Community

Chat, Gewinnspiele, Forum, Games & mehr

 

Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
Profil
Blog-Übersicht
 

Kalender

Blog Archiv

Dezember 2009 (4)November 2009 (4)Oktober 2009 (5)September 2009 (5)August 2009 (3)Juli 2009 (3)Juni 2009 (1)Dezember 2010 (3)November 2010 (4)Oktober 2010 (4)September 2010 (3)August 2010 (4)Juli 2010 (4)Juni 2010 (3)Mai 2010 (4)April 2010 (4)März 2010 (4)Februar 2010 (4)Januar 2010 (4)Dezember 2011 (4)November 2011 (4)Oktober 2011 (4)September 2011 (4)August 2011 (3)Juli 2011 (4)Juni 2011 (3)Mai 2011 (4)April 2011 (4)März 2011 (5)Februar 2011 (4)Januar 2011 (4)Dezember 2012 (3)November 2012 (4)Oktober 2012 (5)September 2012 (4)August 2012 (2)Juli 2012 (3)Juni 2012 (3)Mai 2012 (3)April 2012 (3)März 2012 (3)Februar 2012 (3)Januar 2012 (5)Dezember 2013 (3)November 2013 (2)Oktober 2013 (3)September 2013 (2)August 2013 (5)Juli 2013 (3)Juni 2013 (3)Mai 2013 (3)April 2013 (2)März 2013 (4)Februar 2013 (4)Januar 2013 (3)Dezember 2014 (3)November 2014 (3)Oktober 2014 (3)September 2014 (2)August 2014 (3)Juli 2014 (3)Juni 2014 (3)Mai 2014 (3)April 2014 (3)März 2014 (3)Februar 2014 (3)Januar 2014 (3)Dezember 2015 (2)November 2015 (2)Oktober 2015 (3)September 2015 (2)August 2015 (2)Juli 2015 (2)Juni 2015 (2)Mai 2015 (2)April 2015 (3)März 2015 (3)Februar 2015 (3)Januar 2015 (2)Dezember 2016 (1)November 2016 (4)Oktober 2016 (2)September 2016 (2)August 2016 (2)Juli 2016 (2)Juni 2016 (3)Mai 2016 (2)April 2016 (2)März 2016 (6)Februar 2016 (3)Januar 2016 (2)Dezember 2017 (2)November 2017 (2)Oktober 2017 (3)September 2017 (3)August 2017 (2)Juli 2017 (3)Juni 2017 (2)Mai 2017 (3)April 2017 (2)März 2017 (3)Februar 2017 (2)Januar 2017 (3)Dezember 2018 (3)November 2018 (3)Oktober 2018 (4)September 2018 (7)August 2018 (6)Juli 2018 (3)Juni 2018 (2)Mai 2018 (3)April 2018 (1)März 2018 (2)Februar 2018 (3)Januar 2018 (2)August 2019 (3)Juli 2019 (2)Juni 2019 (2)Mai 2019 (2)April 2019 (2)März 2019 (2)Februar 2019 (2)Januar 2019 (2)