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Altweibersommer - Nackte im Sündenpfuhl


Jul 5 2011

Ruth Eder
14:35 Uhr
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 Meine Poolparty ist in vollem Gang aber ich fröstele plötzlich.   Ein frischer  Hauch zieht übers Gras. Ein Geruch wie von Astern. Erste Ahnung des nahenden Herbstes. Wie immer um diese Zeit im Voralpenland. Pulsender  Hochsommer noch   und doch schon ein  Anflug  von welkenden Blüten    und Vergänglichkeit.   "Der Abend ist wie ich..." sage ich und rücke noch näher an  Wolf heran. Er raucht wie ein Schlot. Die Summe aller Laster bleibt sich bei ihm gleich. "...scheinbar noch voll im Saft, aber schon vom nahenden Niedergang  angehaucht: Typischer Altweibersommer,"  fahre ich fort. "Komm her, altes Weibilein," sagt Wolf zärtlich und drückt mich  an sich.  
Freund Conrad stützt die Ellbogen auf den Tisch, faltet die Hände und schaut  in Richtung Pool. Seine Fingergelenke knacken.   "Was hieltest du von einer kleinen Schwimmpartie," fragt er Jenny. Die zieht nur schaudernd ihr Angorajäckchen enger um sich.  
Am Pool hatte sich der Abend  inzwischen in Richtung  Sündenpfuhl entwickelt.  Amadeus , wild entschlossen,  einen Ort aufzusuchen, wo er vor weiteren akkustischen Qualen absolut sicher ist,  taucht als erster in die von einer Solaranlage angenehm temperierten Fluten.  Splitternackt ist er hineingehüpft, seine Julia tut es ihm gleich, wonach das Wasser  mehrmals überschwappt. Hund Fritz, der bis dahin leutseelig, wie er ist, zwischen den vielen Menschen herumgewuselt ist, verzieht sich erschrocken ins Haus.  Die Katzen gehen  sowieso auf Tauchstation, bis die Gäste wieder weg sind.   

Conrad schält sich im Schutz der Garage formvollendet  aus seinen schneeweissen Jeans und dem dunkelblauen Lacostehemd und steht plötzlich in einer farblich genau  passenden dunkelblauen Badehose da. Dann hüpfte er mit einem untadeligen Kopfsprung ins Wasser  und beginnt sogleich, sportiv zu klaulen. Julia juchzt. Sie ist von Beruf Bildhauerin und für ihre edlen Vernissagen an Orten wie beispielsweise der peruanischen Botschaft bekannt. Sie hat sich mit Bronze-Skulpturen überdimensionierter weiblicher Geschlechtsteile, die sie mit Regenschirmen und ähnlichen phallischen Gegenständen  zu verfremden pflegt, einen Namen gemacht. Sie ist nämlich  bekennende Feministin.   

" Ich wusste gar nicht, dass hier eine  Orgie geplant war," sagt mein Vater Paulchen trocken. Er versteht sich noch immer meisterhaft darauf, Pointen zu setzen. Er freut sich an diesem Abend zusammen mit seiner Heidi ganz offensichtlich des  Lebens, unterhält in Wolfis Spielpausen die ganze Runde  blendend  und verzehrt erstaunliche Mengen der exzellenten Salate vom Buffett-Tisch. Diesmal wird er nicht hungrig nach Hause gehen. Er hält sich ebenfalls an alkoholfreies Bier, weil er in der nächsten Woche einen Checkup  bei seinem Internisten hat.    

Ich fühle mich plötzlich irgendwie beobachtet. Ich äuge  nach oben auf die Terrasse im ersten Stock und blicke in drei schockierte, junge Gesichter. Fahl beleuchtet von den Fackeln, die man eben erst ins Gras neben dem Pool gesteckt hat.  Stumm blickt Mara, ihre Busenfreundin Tina und Veras Tochter Marie  auf das Treiben der älteren Generation im Pool herab.   "Alle Hacke," höre ich meine Tochter sagen. "Peinlich, die Alten", sagt Tina. Veras Tochter bleibt still. Ob vor Schreck oder vor Müdigkeit, vermag ich  nicht auszumachen. Mara könnte in den Boden versinken: Eine Party mit Freddy und nackerten alten Säcken im Pool. Entsetzlich. Was für eine gigantische Blamage. Welch ein  peinliches Mileu. Sie beneidet Tina brennend um  ihr calvinistisches Elternhaus, in welchem  man vermutlich im  Hemd die Badewanne aufsucht.   "Die Kids scheinen ziemlich  schockiert..." sage ich zu Vera und zeige nach oben.  "Hab ich schon gesehen. Ich weiss auch nicht, wieso die solche Spiesser geworden sind!"



 

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Ruth Eder

In ihrem Blog „Altweibersommer“ schreibt Ruth Eder exklusiv auf WomenWeb über den alltäglichen Wahnsinn eines ganz normalen, modernen Frauenlebens mit 50+
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